Debattierten in Paderborn: (v.l.) Landtagskandidatin Norika Creuzmann, die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann und Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. - © Birger Berbüsse
Debattierten in Paderborn: (v.l.) Landtagskandidatin Norika Creuzmann, die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann und Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. | © Birger Berbüsse

Paderborn Schulministerin Löhrmann erläutert ihr Konzept einer individuellen Lernzeit

Paderborner Kreisverband reicht Änderungsanträge zum Wahlprogramm ein

Birger Berbüsse

Paderborn. Einen dreifachen Hattrick peilen die NRW-Grünen bei der Landtagswahl 2017 an: "Wir wollen zum dritten Mal dritte Kraft werden, zweistellig werden und Regierungsverantwortung bekommen", sagt Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann. Vor dem Wahlkampf steht aber am 2. bis 4. Dezember noch die Verabschiedung des Wahlprogramms an. Zuvor besucht die stellvertretende Ministerpräsidentin Städte in NRW, um mit Bürgern über das Programm zu debattieren. In Paderborn traf Löhrmann am Montagabend auf einen fleißigen Kreisverband, der immerhin schon stolze neun Änderungsanträge gestellt hatte, erhielt in der Heimat der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sigrid Beer, aber auch Rückenwind für ihr gemeinsames Konzept von individuellen Lernzeiten. 36 Männer und Frauen waren der Einladung zur offenen Programmdebatte ins Deelenhaus gefolgt. Sie diskutierten an mehreren Thementischen unter anderem über die Energiewende, Naturerbe, innere Sicherheit und Gesundheit. Beim Besuch der Ministerin durften Schule und Bildung als klassisches Landesthema natürlich nicht fehlen. Als "bestes Modell auf dem Markt" lobten die zwei anwesenden Schulleiter eines Gymnasiums und eines Berufskollegs das grüne Konzept, das jedem Schüler eine individuelle Schulzeit ermöglichen soll. Das Modell sieht vor, dass alle Gymnasien das Abitur sowohl nach acht als auch nach neun Jahren anbieten. Zur individuellen Lernzeit führen zwei Wege: Entweder bilden die Schulen nach der 6. Klasse einen drei- und einen vierjährigen Zweig zur Oberstufe, die weiterhin drei Jahre dauern soll. Oder sie bieten allen Kindern in diesem Zeitraum neben dem Unterricht individuelle Lernzeiten an, mit Wahlpflichtfächern und dem Besuch des Unterrichts von höheren beziehungsweise niedrigeren Jahrgangsstufen, je nach Lernfortschritt. Auch an Gesamtschulen soll die Schullaufbahn künftig noch individueller gestaltet werden können. Die Grünen wollen unmittelbar nach der Landtagswahl im Mai eine Schulgesetznovelle auf den Weg bringen. Ihr Fahrplan sieht bereits 2017 eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte vor, ab 2018 soll die zweite Fremdsprache wieder in Klasse 7 beginnen. Spätestens ab 2019/20 soll die individuelle Lernzeit dann an allen Schulen angeboten werden. Kritik hat es an der "Flexi-Schule" schon reichlich gegeben, unter anderem vom Verband Bildung und Erziehung sowie Elterninitiativen. Löhrmann verteidigte das Konzept im Gespräch mit der NW. Es sei der "sanfteste und offenste Weg", weil an die Reformen der Schulen angeknüpft werde und verschiedene Möglichkeiten gegeben würden. Sigrid Beer hob hervor, dass das Modell vom Kind ausgehe. Auch zum Thema Windkraft, das derzeit in Paderborner Land die Gemüter erhitzt, äußerte sich Ministerin Löhrmann. "Wir wollen den Ausbau", bestätigte sie. Dies solle aber möglichst mit den Menschen zusammen geschehen. Manchmal müsse es aber eine Leitendscheidung des Landes geben. Zu den Folgen des Windkrafturteils in Borchen empfahl Sigrid Beer allen Parteien, "sich zusammenzusetzen und zu schauen, wie der Weg jetzt gegangen werden kann." Die Grünen in Paderborn ziehen mit "doppelter Frauenpower" in den Wahlkampf. Neben Sigrid Beer, die auf Listenplatz 5 fest mit dem Wiedereinzug planen darf, will auch die Kreisvorsitzende Norika Creuzmann nach Düsseldorf. "Wir haben die Chance, mit zwei Frauen auf Landesebene vertreten zu sein." Für Creuzmann wird es allerdings schwieriger, sie liegt auf Listenlatz 31.

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