Gebäude an der Andreasstraße: Der Blindenschrift-Betrieb wird Paderborn Ende des nächsten Jahres verlassen. - © Marc Köppelmann
Gebäude an der Andreasstraße: Der Blindenschrift-Betrieb wird Paderborn Ende des nächsten Jahres verlassen. | © Marc Köppelmann

Paderborn Blindenschriftverlag zieht nach Bonn

Im Jahr des 200. Geburtstags von Pauline-von-Mallinckrodt: Die Umsätze haben mit den Kosten nicht mitgehalten

Sabine Kauke

Paderborn. Die Geburtsstunde der Blindenschriftdruckerei in Paderborn schlug im Jahre 1845. Damals wurden erste tastbare Handschriften für blinde Kinder erstellt. 172 Jahre später, Ende nächsten Jahres, schließt der Blindenschrift-Verlag und -Druckerei Pauline-von-Mallinckrodt in Paderborn seine Türen. Im Jahr des 200. Geburtstages seiner Gründerin. Am 3. Juni 2017 jährt sich der Geburtstag von Pauline-von-Mallinckrodt zum 200. Mal. Ein halbes Jahr später, Ende Dezember 2017, wird der an der Andreasstraße beheimatete Blindenschrift-Betrieb nach Bonn umsiedeln. Dem Alleingesellschafter, das Deutsche Katholische Blindenwerk (DKBW), ist der Standort Paderborn zu teuer geworden. Nach Angaben des DKBV ist der Betrieb der führende Verlag für katholisches beziehungsweise katholisch inspiriertes Schrifttum für Blinde im deutschsprachigen Raum. Im Angebot sind Zeitschriften für verschiedene Alters- und Zielgruppen, liturgische und theologische Schriften sowie rund 120 Bücher im Jahr: Kinder- und Jugendbücher, Belletristik und Sachbücher, vor allem aus dem Bereich Lebens- und Glaubensberatung. "Im Laufe der Jahre sind die Kosten gestiegen, vor allem für Personal. Aber die Umsätze sind nicht entsprechend gewachsen", sagt Annette Pavkovic, Geschäftsführerin der Blindenschrift-Verlag und -Druckerei. Die 2.100 Quadratmeter große, mietfreie Immobilie, die im Eigentum der Schwestern der Christlichen Liebe ist, verschlinge viel Geld für Nebenkosten, die Bausubstanz sei relativ schlecht. "Es ist ein Punkt erreicht, wo der Gesellschafter nicht mehr zur Finanzierung bereit ist", sagt die Geschäftsführerin. Zumal auch das Blindenwerk rückläufige Spendeneinnahmen verzeichne. Sie gehe diesen Schritt "nicht leichten Herzens" mit, betont Annette Pavkovic, zumal an diesem Standort "viel Ideelles" hänge. Sie sehe aber auch die Synergieeffekte für das Katholische Blindenwerk. Seinen Namen behält der verschlankte Blindenschrift-Betrieb auch nach dem Umzug. In Bonn findet er eine neue Heimat in 300 Quadratmeter großen, frei werdenden Räumlichkeiten einer DKBW-Immobilie. In dem Gebäude befinden sich auch die Geschäftsstelle des DKBWs und die katholische Blindenbücherei. "Die Wege sind kurz, man kann Kräfte bündeln", betont Geschäftsführerin Pavkovic. "Wir werden dort beispielsweise verschiedene Punktschriftformate realisieren können, mehr Lose-Blatt-Sammlungen anbieten und mehr auf Schreibfolie drucken", macht sie "auch viele Chancen für den Verlag" aus. An der Pader verlieren 12 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz - in Bonn werden nur noch 5 bis 6 Beschäftigte eingestellt. "Für das Team in Paderborn, das ich sehr schätze, tut es mir leid", betont Pavkovic. Wer möchte, kann zwar nach Bonn wechseln, aber damit ist kaum zu rechnen. "Drei von Zwölf aus dem Team sind älter als 50 Jahre und wollen ihren Lebensmittelpunkt hier behalten", berichtet eine Mitarbeiterin. Doch es werde "sehr schwierig", vor Ort neue Arbeitsplätze zu finden. "Wir sind Spezialisten in Sachen Blindenschrift. Aber das ist eine Fähigkeit, die in anderen Betrieben nicht gefragt ist." "Grundsätzlich wäre es schon schön, wenn die Blindenschriftdruckerei in Paderborn bleiben könnte", sagt Schwester Maria Ancilla König vom Orden der Schwestern der Christlichen Liebe, dessen Gründerin Pauline-von-Mallinckrodt ist. "Aber ich kann die Beweggründe für den Umzug gut nachvollziehen". Die Verlagerung sei kein Bruch zur Ordensgemeinschaft und auch das Haus in Bonn sei mit dem Orden verbunden. Was aus der Immobilie an der Andreasstraße wird, steht noch nicht fest.

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