Paderborn Rüdiger Hoffmann sinniert vor seinem Heimspiel über die Vorzüge der Langsamkeit

Gebürtiger Paderborner präsentiert sein 13. Bühnenprogramm "Ich hab's doch nur gut gemeint ..."

Holger Kosbab

Herr Hoffmann, in wenigen Tagen sind Sie wieder in Paderborn. Doch was ist Paderborn für Sie eigentlich: Geburtsort? Heimat? Lieblingsstadt? Frühere Inspirationsquelle? Sehnsuchtsort? Alterswohnsitz? Rüdiger Hoffmann: Es ist ein tolles Gefühl, wieder in Paderborn zu sein. Ich bin dort geboren, aufgewachsen und habe meine ersten Auftritte gehabt. In Paderborn sind meine Wurzeln verankert. Wohin zieht es Sie an der Pader? Früher waren es Chinarestaurants und das Sappho. Gibt's noch immer den Abstecher zu den acht Kostbarkeiten und den Absacker in der Disco an der Marienstraße? Und was ist mit Ihren ehemaligen WG-Buden - schlendern Sie auch heute noch durch die Kilian-, Marien- und Theodorstraße? Hoffmann: Dazu wird mir leider die Zeit fehlen, aber vielleicht lässt es sich irgendwann doch noch mal einrichten. Die Paderborner Innenstadt ist derzeit Weihnachtsmarkt-City. Ein Grund zur früheren Anreise oder zur sofortigen Flucht? Hoffmann: Wenn ich in einer Stadt einen Live-Termin habe, reise ich meistens schon in der Nacht zuvor an. So finde ich Zeit, zwei, drei Stunden durch die Stadt zu spazieren. So ist es auch für Paderborn geplant. Vor zwei Jahren, damals war der SC Paderborn noch Erstligist, haben Sie bei Ihrem bisher letzten Auftritt in der Stadt im SCP-Trikot ihre Späße gemacht. Seitdem gab es zwei Abstiege. Werden Sie dennoch im Vereinsjersey auf der Bühne stehen? Und können Sie über die aktuelle Lage des Clubs noch lachen oder nur noch weinen? Hoffmann: Natürlich! Was für eine Frage? Die Saison ist ja noch lang und der Verein arbeitet hart daran. Einen Wiederaufstieg hat sich der SC Paderborn verdient. Herr Hoffmann, dass Sie aus Paderborn stammen, ist bekannt. Doch dann ist oft von Ihrer Wahlheimat Köln die Rede. Müsste das nicht Ex-Wahlheimat Köln heißen, wo Sie doch offenbar in Bonn-Beuel leben? Hoffmann: Das stimmt. Ich bin vor einigen Jahren nach Bonn gezogen. Es ist ein bisschen wie in Paderborn - schön gemütlich und nicht so hektisch wie Köln. Früher haben Sie zweimal das Sportzentrum Maspernplatz gefüllt, heute reicht einmal die Paderhalle. Kritisch gefragt: Hat sich das Prinzip Langsamkeit vielleicht etwas überholt? Hoffmann: Naja, ich finde 1.000 Zuschauer in der Paderhalle ist immer noch groß genug. Die Zeiten der großen Stadien sind nun mal vorbei und um ehrlich zu sein, macht mir diese Größe auch viel mehr Spaß. In den großen Hallen dauert es ziemlich lange, bis die Reaktion des Publikums zu hören/spüren ist, aber in der Paderhalle zum Beispiel ist es besonders schön, weil man immer noch sehr nah am Publikum ist. Zusätzlich kann man sagen, dass die Zuschauer dankbar sind für diese Entschleunigung. Das Leben ist hektisch genug. Meine Geschichten brauchen eine gewisse Zeit und Ruhe, damit sie sich richtig im Kopfkino des Publikums entfalten können. Also ich würde sagen, genauso ist es richtig. Sie stehen seit 30 Jahren auf der Bühne, so zumindest steht es in den Informationen zu Ihrer aktuellen Tour. Aber sind es nicht bereits 35 Jahre - und hat nicht alles als Seppel angefangen an der Freilichtbühne Schloß Neuhaus? Klären Sie uns auf. Hoffmann: Ja, das stimmt. Ich müsste zu der Zeit 15 Jahre alt gewesen sein. Es war das Stück "Der Räuber Hotzenplotz" und ich war der Seppel. Wenn man dies noch hinzurechnet, stehe ich schon länger auf der Bühne. Das stimmt wohl. Zusammen mit Freunden haben wir dann unter dem Namen "Absurdes Theater" gespielt. Mein erstes eigenes Programm hatte dann am 15. Dezember 1985 Bühnenpremiere. In den Kammerspielen in Paderborn trat ich damals vor 220 Leuten auf. Das Publikum bestand vor allem aus Freunden und Bekannten. Was erwartet die Besucher Ihres 13. Programms "Ich hab's doch nur gut gemeint ..." am 1. Dezember in der Paderhalle? Hoffmann: Es geht um Alltagsgeschichten, wie beispielsweise einen Campingurlaub mit meinen Bekannten, Monika und Hans-Peter. Es geht auch um die aktuelle Situation in Deutschland und die Selbstoptimierung. Dass dies immer nur auf Kosten anderer Menschen geht, spreche ich an. Ich mache das aber sehr charmant und witzig und verzichte auf den erhobenen Zeigefinger. Kabarettist, Comedian, Musiker - als was sehen Sie sich selbst? Und was bringt die Zukunft? Hoffmann: Ich bin kein Kabarettist, der die aktuellen politischen Geschehnisse in seinem Programm aufbereitet. Ich bin Stand-up-Comedian: Erzähle auf der Bühne meine Geschichten und spiele auch gerne mal ein kleines musikalisches Stück. Live vor Publikum aufzutreten ist das größte, und es wird mir immer riesigen Spaß machen. Solange wie mein Publikum und ich Spaß haben an dem, was ich tue, solange werde ich auch noch auf der Bühne stehen.

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