Abstimmung: Die Kreissynode ist das Beratungs- und Beschlussgremium, das 81.000 Protestanten in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie im lippischen Lügde vertritt. Sie tagte im Martin-Luther-Zentrum in Paderborn. - © Heide Welslau
Abstimmung: Die Kreissynode ist das Beratungs- und Beschlussgremium, das 81.000 Protestanten in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie im lippischen Lügde vertritt. Sie tagte im Martin-Luther-Zentrum in Paderborn. | © Heide Welslau

Paderborn Der Kirchenkreis stärkt seine Rücklagen

Kreissynode: Die Gemeinden sollen mehr Planungssicherheit bekommen

Paderborn. 85 stimmberechtigte (von 114) sowie sechs beratende Mitglieder der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn tagten am Freitag im Paderborner Martin-Luther-Zentrum. Die Kreissynode vertritt 81.000 Protestanten in 17 Gemeinden in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie Lügde im Kreis Lippe. Zum Populismus In der Andacht zu Beginn der Synode sagte Pfarrerin Kerstin Heibrock: "Mit Gottes Geist im Rücken können wir aufstehen gegen die Geister der Vergangenheit, die in unserem Land ihre alten Parolen im neuen Kleid verkünden. Wir müssen nicht dem Ungeist folgen, der von Obergrenzen spricht und unser sicheres Boot für voll erklärt, wenn im Mittelmeer Menschen sterben." Superintendent Volker Neuhoff stellte in seinem Kurzbericht vor dem Hintergrund der parallel laufenden Veranstaltung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz als Antwort auf die AfD-Kundgebung in Paderborn fest: "Populismus hilft nicht weiter. Wir brauchen den Diskurs aller gesellschaftlichen Kräfte. Wir als Kirche haben auf dem Fundament unserer Botschaft Wichtiges dazu beizutragen." Auch das gehöre für ihn dazu, wenn er - wie vor einem Jahr bei seiner Vorstellung auf der Wahlsynode - sage, dass er mit den Menschen im Kirchenkreis eine "Kirche vor Ort leben möchte, nah bei den Menschen". Zum Haushalt Die Synode beschloss den Haushalt für das Jahr 2017 in Höhe von insgesamt rund 18,08 Millionen Euro. Die Auswirkungen des Rückgangs bei den Kirchenmitgliedern würden durch die günstige wirtschaftliche Entwicklung kompensiert, erklärte Verwaltungsleiter Jürgen Jurczik angesichts der aktuell hohen Kirchensteuereinnahmen. Martin Gasse, Vorsitzender des Finanzausschusses, betonte, dass sich dennoch kein "Hochgefühl" einstelle. Er erinnerte an die ebenfalls steigenden Ausgaben, etwa durch höhere Sachkosten, Tarifsteigerungen sowie die erheblichen Kostensteigerungen beim Trägeranteil für die Kindertageseinrichtungen. Deshalb komme von den höheren Einnahmen so wenig in den Kirchengemeinden an. "Wir müssen weiter mit Umsicht agieren", sagte Gasse mit Blick auf den für 2018 erwarteten Rückgang der Kirchensteuereinnahmen. Erzielte Überschüsse im Haushaltsjahr 2015 (rund 1,12 Millionen Euro) und erwartete Überschüsse für 2016 werden in die Strukturrücklage des Kirchenkreises eingestellt. Das Geld aus diesem Topf habe vielen Gemeinden bei strukturellen Veränderungen und Aktualisierungen im Gebäudebestand geholfen, hob Gasse hervor. Die Diakonie Paderborn-Höxter wird von 2017 bis 2021 weiterhin einen Zuschuss in Höhe von fünf Prozent der Brutto-Kirchensteuerzuweisung des Kirchenkreises Paderborn erhalten. Zur neuen Finanzsatzung Die Synode beschloss eine neue Finanzsatzung des Kirchenkreises für 2017 bis 2021. Sie regelt die Verteilung der Kirchensteuereinnahmen an die Gemeinden (innersynodaler Finanzausgleich). Wesentliche Neuerung ist, dass die Kreissynode die zu verteilende Kirchensteuersumme im Voraus festlegen kann. Mehreinnahmen gehen in Rücklagen. Bei Mindereinnahmen wird der fehlende Betrag durch Entnahmen aus der Rücklage aufgestockt. "Das gibt den Kirchengemeinden eine Planungsgarantie", erklärte Verwaltungsleiter Jürgen Jurczik. Das System stehe und falle mit der zu verteilenden Kirchensteuersumme, unterstrich er. Die bisherige Finanzsatzung vom Februar 2013 ersetzte das bis dahin geltende reine Bedarfsdeckungs- durch ein Pauschalsystem. Zum Kirchenkreisverband Vom positiven Verlauf der Gründung des Kirchenkreisverbandes Gütersloh/Halle/Paderborn zum 1. Januar 2017 berichtete Superintendent Neuhoff. Im November fand die konstituierende Sitzung in Gütersloh statt, dem zukünftigen Standort des gemeinsamen Kreiskirchenamtes der eigenständig bleibenden Kirchenkreise. Der Verbandsvorstand wählte Volker Neuhoff zum Vorsitzenden. Der Verband hat die Aufgabe, die drei Kirchenkreise und deren Gemeinden zu unterstützen. Übernommen werden soll auch die Geschäftsführung für den Verbund der Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Paderborn mit einer halben Stelle, beschloss die Synode einstimmig. Bisher hatte Verwaltungsleiter Jürgen Jurczik diese Aufgabe zusätzlich übernommen. Zu den Pfarrstellen Auch der Kirchenkreis Paderborn ist davon betroffen, dass in der Evangelischen Kirche von Westfalen Pfarrstellen im Entsendungsdienst für spezialisierte Bereiche wie die Klinikseelsorge zukünftig zugunsten von Gemeindepfarrstellen auslaufen. "Unter Maßgabe größtmöglicher Mitfinanzierung" durch weitere Kostenträger möchte Superintendent Neuhoff diese spezialisierte Seelsorge dauerhaft absichern. Eine Stelle ist durch einen früheren Beschluss der Synode bereits auf den Weg gebracht. Eine zweite Stelle soll es geben, wenn die Rahmenbedingungen für die Finanzierung stehen. "Die Frage, welche Pfarrstellen wir in Zukunft noch brauchen und was uns der jeweilige Seelsorgebereich wert ist, sollte uns auch zukünftig beschäftigen", so der Superintendent. Zum Personalstand In seinem jährlichen Personalbericht informierte Verwaltungsleiter Jürgen Jurczik, dass es im Kirchenkreis aktuell 321,15 Stellen (Vorjahr 321,75) gibt. Diese sind mit 558 Personen (Vorjahr: 543) besetzt, einschließlich der Theologinnen und Theologen im Kirchenkreis und in den Gemeinden. Den höchsten Anteil haben mit 182,4 Stellen (Vorjahr: 181,01) die Kindertageseinrichtungen. Da die Zahl der teilnehmenden Kirchengemeinden an den Camps für Konfirmanden gestiegen ist, beschloss die Synode eine zusätzliche Viertelstelle im Jugendreferat des Kirchenkreises für die Organisation. Aktuell nehmen jährlich rund 500 Personen daran an.

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