Einsatz gegen die Planungen: Rechtsanwalt Hendrik Kaldewei (v. l.), Ortsvorsteher Christoph Quasten und Heiner Brinkmann (Bürgerinitiative Lärmstopp) an einer Landkarte mit bestehenden Windrädern rund um Neuenbeken. - © Arian Amedie
Einsatz gegen die Planungen: Rechtsanwalt Hendrik Kaldewei (v. l.), Ortsvorsteher Christoph Quasten und Heiner Brinkmann (Bürgerinitiative Lärmstopp) an einer Landkarte mit bestehenden Windrädern rund um Neuenbeken. | © Arian Amedie

Paderborn Kämpferisch gegen Windkraft

Infoabend: Zwischen Bad Lippspringe und Neuenbeken sollen neue Nutzungsflächen entstehen. Ortsvorsteher und Bürgerinitiative wollen das verhindern

Arian Amedie

Paderborn. Die Situation von Neuenbeken erinnert ein wenig an Asterix und Obelix. Ähnlich wie im Dorf der gallischen Comicfiguren, soll der Paderborner Ortsteil bald eingekreist werden. Doch statt römischer Kolonien bilden dann Windkraftanlagen die Grenzen des Dorfs. So zumindest kann man die Beschreibungen von Windkraftgegner Heiner Brinkmann verstehen. "Neuenbeken würde von Windrädern komplett eingeschlossen", sagt er. Hintergrund: Die Verwaltung von Bad Lippspringe hat im Teilflächennutzungsplan Windkraft neue Potenzialflächen für Windenergieanlagen veröffentlicht (die NW berichtete). Direkt an der Grenze zu Neuenbeken. Aus diesem Grunde hatten Ortsvorsteher Christoph Quasten und die Bürgerinitiative Lärmstopp, vertreten von Heiner Brinkmann, zum Informationstermin in die Beketalhalle geladen. Unter dem Titel "Bedrohung für Neuenbeken?" waren 2.500 Einladungen zum Informationsabend in der Umgebung verteilt worden, 250 Besucher aus Neuenbeken, Bad Lippspringe, Marienloh und Benhausen waren dieser gefolgt. "Wir haben mit diesem Andrang gerechnet", sagt Quasten. Zu den Erfolgschancen der Interessensgemeinschaft sagt er: "Ich weiß, dass es schwierig ist, ein laufendes Verfahren zu stoppen. Wir müssen also Mehrheiten bilden und die Bürger darüber informieren, was gerade passiert." Doch ähnlich wie die Helden der Comicreihe von Uderzo und Goscinny gibt man sich auf dem Informationsabend kämpferisch. Gemeinsam mit Rechtsbeistand Hendrik Kaldewei, der bereits Bürgerbewegungen in Greven oder Schüttdorf in ähnlicher Situation vertreten hatte, sind die Initiatoren der Anti-Windkraft-Bewegung auf ihrer Mission. Immer wieder kommen ähnliche Fragen aus dem Plenum. "Wofür benötige es noch mehr Windkraftanlagen? Warum braucht eine Kurstadt Flächen für Windenergie? Kann man die Pläne überhaupt noch verhindern?" Durch das Fehlen von Vertretern der Verwaltung in Bad Lippspringe war es nicht eindeutig möglich, diese Fragen am Informationsabend zu klären. "Die Stadt Bad Lippspringe hat keinen Vertreter geschickt. Wir haben eingeladen, auch der Bürgermeister hätte ja kommen können. Man sieht auf der Gegenseite keine Veranlassung, offizielle Vertreter in das Paderborner Stadtgebiet zu schicken", so Quasten. "Die Kommunalpolitiker handeln aus einer Verteidigungshaltung." Sinn und Zweck der Planungen der Stadt Bad Lippspringe seien die Ziele der Energiewende der Bundesregierung. Jede Kommune sei aufgefordert, daran durch planerische Steuerung mitzuwirken, so Hendrik Kaldewei. "Die Politiker im Rat handeln dann aus einer Verteidigungshaltung und wollen bloß keine Fehler machen", sagt der Rechtsanwalt und empfiehlt dem Rat, die Planungen einzustellen. "Ich bin guter Dinge, dass das Verfahren gestoppt werden kann, da unsere Argumentation rechtssicher ist. Die Politiker von Bad Lippspringe haben volle Handlungsfreiheit und energiepolitisch ist ein weiterer Zubau von Windkraftanlagen absolut nicht notwendig." "Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen", sagt Heiner Brinkmann. "Wenn der Rat in Bad Lippspringe unserem Rat folgt, könnten wir die Planung sicherlich noch verändern. Wir wollen die Umsetzung stoppen." Dabei helfe nur, wenn sich die Bürger positionieren und ihren politischen Vertretern gegenüber den Unmut äußern würden und ruft so zum Kampf gegen Windmühlen auf - im wahrsten Sinne. Ob der allerdings ähnlich wie bei Asterix und Obelix erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. Stadt Paderborn wünscht 1.000 Meter Abstand Da die Stadt Paderborn als Nachbarkommune eine Stellungnahme abgeben muss, hat sich am Donnerstag auch der Planungsausschuss des Rates mit den ausgewiesenen Windkraftkonzentrationszonen Bad Lippspringes beschäftigt. Thomas Jürgenschellert vom Stadtplanungsamt erklärte, dass Bad Lippspringe nicht viele Möglichkeiten habe, um entsprechende Zonen auszuweisen. Von der theoretisch denkbaren Fläche von 1.150 Hektar seien es 22 Prozent (in Paderborn beträgt dieser Wert 11 Prozent). Insgesamt umfasst die Konzentrationszone 250 Hektar. Die Standorte Richtung Benhausen und Neuenbeken seien aus Lippspringer Sicht gewählt worden, da es dort bereits Windräder gebe. In ihrer Stellungnahme befürchtet die Stadt Paderborn durch die Konzentrationszonen im Südosten von Bad Lippspringe „eine erhebliche Beeinträchtigung" von Benhausen und Neuenbeken, die künftig im Norden, Osten und Süden von Windkraftanlagen umstellt wären. Die Stadt Paderborn plädiert zudem dafür, die Abstandsflächen zur Siedlungsbebauung auf 1.000 Meter zu erhöhen – so wie sie es in ihrer planerischen Abwägung zur 125. Änderung des Flächennutzungsplanes gemacht habe. Bad Lippspringe hat hier nur 800 Meter angesetzt. Bis auf die drei Ausschussmitglieder der Grünen unterstützten alle Fraktionen die Stadt Paderborn. Claus-Jürgen Wagner (Grüne) bezweifelte, dass Bad Lippspringe seinen Flächennutzungsplan ändere, nur weil Paderborn 1.000 Meter Abstand wünsche. Er frage sich, weshalb Vertreter der umliegenden Kommunen nicht schon vorher miteinander gesprochen hätten. CDU-Fraktionschef Markus Mertens kritisierte Wagner , dass dieser „rein ideologisch" agiere. Warum solle man nicht versuchen, einen größeren Abstand zu erreichen. Hartmut Hüttemann (FBI) sagte, dass alles getan werden müsse, „um die Umzingelung von Neuenbeken und Benhausen weich zu halten".

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