Hinter der Theke: Wolfgang und Cornelia Tölle haben knapp 32 Jahre gemeinsam die Gaststätte am Bogen in Paderborn geführt. „Wir hoffen, dass die Gerichtsklause in guter Erinnerung bleibt", sagt Cornelia Tölle. - © Marc Köppelmann
Hinter der Theke: Wolfgang und Cornelia Tölle haben knapp 32 Jahre gemeinsam die Gaststätte am Bogen in Paderborn geführt. „Wir hoffen, dass die Gerichtsklause in guter Erinnerung bleibt", sagt Cornelia Tölle. | © Marc Köppelmann

Paderborn Paderborner Kneipe "Gerichtsklause" schließt nach 87 Jahren

Ende einer Ära: Viel haben Wolfgang und Cornelia Tölle in ihrer Gaststätte erlebt

Viktoria Bartsch

Paderborn. Die "Gerichtsklause" am Bogen in der Innenstadt ist für viele eine echte Institution - nach 87 Jahren schließt die Gaststätte zwischen Dom und Gericht. Damit endet eine Ära in der Paderborner Kneipenszene. Im Jahr 1929 eröffnete Franz Tölle die Gaststätte. Sein Sohn Anton übernahm sie 1952. Nach dessen Tod führte Ehefrau Ruth den Betrieb weiter, bis ihr Sohn Wolfgang offiziell am 3. Januar 1985 den Betrieb übernahm. Gemeinsam mit Ehefrau Cornelia hat er die Gerichtsklause nun fast 32 Jahre geführt. "Meine Gäste werden mir fehlen", sagt der 57-Jährige. Besonders die Montage seien immer toll gewesen. "Da hatte man immer was zum quatschen. Egal, ob Fußball oder Politik." Das Haus gegenüber dem Gericht wurde verkauft, das Ehepaar habe eine Angebot erhalten, welches sie nicht hätten ausschlagen können. In all den Jahren haben die beiden viel in ihrer Gaststätte erlebt: Das ein oder andere Scheidungsbier wurde getrunken, einige Anwälte haben dort ihre Strategien aufeinander abgestimmt und an der Holztheke gab es sogar einen Heiratsantrag. "Wir wurden dann zur Hochzeit eingeladen und waren sogar die Trauzeugen", sagt Cornelia Tölle. Auch Costa Cordalis kam zu Besuch - Wolfgang Tölle erzählte ihm damals, dass der Song "Griechischer Wein" sein Lieblingslied sei. Blöd nur, dass Udo Jürgens und nicht Costa Cordalis das Lied geschrieben hat. "Und ich wusste erst gar nicht, warum die anderen alle so lachen." Neben den vielen Stammgästen, kamen auch die Paderborner Baskets, der Domchor und die Maspernkompanie oft vorbei. Einmal besuchte ein Patient aus dem Krankenhaus das Lokal. Mit Tropf am Arm und nur mit einem Krankenhaushemd bekleidet. "Der bestellte einen halben Liter Bier und einen Korn", sagt Wolfgang Tölle. Zu trinken gab er dem Mann nichts. "Beim Herausgehen sah ich, dass er keine Unterhose trug." Auch Papst Johannes Paul II. fuhr einmal direkt an der Kneipe vorbei und Rudolf Wansleben, ehemaliger Landrat, feierte 1993 seinen Wahlsieg in der Eckkneipe. "Damals hat sogar der WDR live übertragen. Aber wir beide waren auf einer Kegelfahrt", erzählt Wolfgang Tölle. Also fand die Party ohne die beiden statt. War aber auch kein Problem, denn Tölles hatten immer ein kleines Team um sich herum, auf das sie zählen konnten. Besonders Mitarbeiterin Celestina habe bis zum Ende ihres Studiums immer mit angepackt. Auch Onkel Wilfried spielt in der Geschichte der Gerichtsklause eine besondere Rolle. Von 1970 bis 2006 stand er mit hinter der Theke, auch noch im hohen Alter. "Dem konnte man alles anvertrauen. Der hat nie etwas weitererzählt", sagt die 56-Jährige. Wilfried sei in den Jahren eine echte Unterstützung gewesen. "Ich hatte ja die beiden Jungs. Sonst hätte das alles gar nicht funktioniert", sagt Cornelia Tölle. Beruflich haben sich die Söhne anders orientiert als ihre Eltern. Am Donnerstag, 27. Oktober, wird nun endgültig das letzte Bier gezapft. Viel ausräumen werden die beiden aber nicht. "Einige wenige Erinnerungsstücke nehmen wir natürlich mit. Den Rest lassen wir so", sagt Cornelia Tölle. Aber eins ist auf jeden Fall klar: Die Schalke-Ecke von Wolfgang Tölle wird eingepackt und kommt mit nach Hause. 32 Jahre lang ist er bereits Schalke-Mitglied. Aber auch alle anderen Fußballfans waren in der Gerichtsklause willkommen. Konkrete Zukunftspläne haben Wolfgang und Cornelia Tölle momentan noch nicht. "Das lassen wir alles auf uns zukommen", sagt der Wirt.

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