Montage: Ausbilder Heinrich Hansmeier (l.) montiert mit Paul Willer, momentan in der Berufsvorbereitung, das Ruder unterm Boot. - © Marc Köppelmann
Montage: Ausbilder Heinrich Hansmeier (l.) montiert mit Paul Willer, momentan in der Berufsvorbereitung, das Ruder unterm Boot. | © Marc Köppelmann

Paderborn Bauprojekt: Anpacken fürs eigene Hausboot

Am Berufsförderungszentrum St.Lioba arbeiten rund 40 Jugendliche seit Mai an dem Boot mit Dachterrasse

Viktoria Bartsch

Paderborn. Der Vorgarten des Berufsförderzentrums St.Lioba ist zur Baustelle geworden - seit Mai steht dort ein Schiffsrumpf aus dem bis Ende November ein fertiges Hausboot werden soll. Bootsausflüge als erlebnispädagogische Maßnahme habe man bereits auf dem Ijsselmeer gemacht. Allerdings seien diese relativ teuer, "da haben wir uns gedacht, dass können wir auch selber machen", sagt Geschäftsführer Ludger Lamping. Lediglich der Rumpf wurde gekauft, alles andere fertigen die rund 40 förderbedürftigen Jugendlichen und sechs Ausbilder in Eigenregie. Gemeinschaftsraum, Küchenzeile, zwei Schlafkojen, zwei Toiletten plus Dusche - alles befindet sich auf einer Fläche von etwa 4,50 Meter mal 12,50 Meter. "Oben drauf entsteht die Dachterrasse mit Kunstrasen", sagt Lamping. Und eine Photovoltaikanlage. Auszubildende aus den Bereichen Trockenbau, Holztechnik, Haustechnik, Lagerwirtschaft und Hauswirtschaft packen für das Projekt Hausboot gemeinsam an. Nicht nur bei zukünftigen Bootsausflügen, auch in der Bauphase ist Sozialkompetenz und Teamfähigkeit der Jugendlichen gefragt. Mit dabei sind außerdem Jugendliche in der Berufsvorbereitung und in Reha-Ausbildung. Diese Maßnahmen werden von der Agentur für Arbeit finanziert. Zum Team gehört auch Marcel Schäfers, der sich im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung befindet. "Mir gefällt die Arbeit total gut, ist mal etwas Neues." Anstatt zu schweißen, "schrauben wir fast alles selbst", erzählt Lamping. Schätzungsweise 1.600 Schrauben wurden alleine für das Ständerwerk verarbeitet. Ausbilder Heinrich Hansmeier ist täglich vor Ort. Zusammen mit Paul Willer, der sich aktuell in der Berufsvorbereitung zum Produktionshelfer befindet, baut er das Ruder ein. "Das habe ich vorher noch nie gemacht", sagt er. Das mache aber nicht, an der Mechanik würde sich schließlich nichts ändern. Das Hausboot ist mit einem Mercedes Motor ausgestattet, der pflanzenöltauglich ist. "Der Motor an sich hat 120 PS. Damit er aber länger hält, wird er nur mit halber Kraft laufen", sagt Lamping. Das Boot, welches für bis zu zwölf Personen ausgelegt ist, wird künftig in Rinteln in der Weser liegen. "Drei Ausbilder haben bereits einen Führerschein", sagt Lamping. "Ich werde auch noch einen machen." Bis die Zulassung und auch die Versicherung geregelt ist, wird es wohl Frühjahr sein, schätzt er. Auch anderen caritativen Einrichten und Menschen, die sich einen solchen Ausflug nicht leisten können, soll das Hausboot zur Verfügung stehen. Die Kosten für das komplette Boot werden sich auf etwa 85.000 Euro belaufen. Immer noch um einiges günstiger als ein neues aus dem Laden, so Lamping. Unterstützt wird das Projekt vom Diözesanverband Paderborn, der Lotterie Spiel77 und der DGS-Stiftung aus Salzkotten, die 3.000 Euro beisteuerte.

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