Will in den Düsseldorfer Landtag: Markus Pretzell, Mitglied des Europarlamentes und AfD-Spitzenkandidat für NRW. - © Reinhard Peters
Will in den Düsseldorfer Landtag: Markus Pretzell, Mitglied des Europarlamentes und AfD-Spitzenkandidat für NRW. | © Reinhard Peters

Paderborn Nach Merkel-Besuch: AfD kündigt weitere Kundgebungen an

250 Teilnehmer bei Protestveranstaltung der "Alternative für Deutschland" gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel

Sabine Kauke
Reinhard Peters

Paderborn. Während Kanzlerin Angela Merkel am Samstag der Jungen Union im Schützenhof ihren Besuch erwies, wurde die Innenstadt rund ums Rathaus zu einer kleinen Arena der Demonstrationen: Die Alternative für Deutschland (AfD) mobilisierte am Rathaus gegen die (Flüchtlings-)Politik Angela Merkels. Das "Bündnis gegen Rechts" und das "Bündnis für Demokratie und Toleranz" wiederum demonstrierten nach einem Marsch durch die Stadt an Marienplatz und Kamp gegen die Positionen der rechtspopulistischen AfD. 800 Teilnehmer hatte Günter Koch, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Paderborn, erwartet. Nach Polizeiangaben kamen 250. Mit etwa 600 Gegendemonstranten war die Resonanz damit auf beiden Seiten kleiner als bei der letzten Afd-Kundgebung im Mai: Damals hörten 500 AfD-Anhänger Hauptredner Björn Höcke zu, während sich 1.200 Menschen an vier Gegen-Veranstaltungen beteiligten. "Merkel und ihr Wespennest sind noch schlimmer als der Rest" oder "Unsere Stimme nie wieder, Frau Merkel", prangte es am Samstag auf Transparenten der AfDler. Ordner verteilten Deutschlandfahnen und Parteiplakate. "Im Schützenhof jubelt die Junge Union jetzt Frau Merkel zu. Das ist ein Mechanismus, wie man ihn aus der ehemaligen DDR kennt", rief Markus Roscher-Meinel, Direktkandidat aus Bad Lippspringe für die Land- und Bundestagswahl für den Wahlkreis Paderborn-Gütersloh. "Da gibt es keinen Streit, keine Auseinandersetzung. Das ist keine Demokratie", schimpfte der Jurist. "Was ist das für eine Entwicklung in der JU?", fragte auch Markus Pretzell, Mitglied des Europaparlamentes und Spitzenkandidat der AfD in NRW. Und die CDU, die jüngst bei einer Umfrage unter die 30-Prozent-Marke rutschte, habe "die Kraft verloren, sich von Angela Merkel zu befreien". Lautstarker Applaus und Sprechchöre von den Zuhörern: "Merkel muss weg". Ob Zuwanderung, Europa- politik, Energiewende, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Euroeinführung, EU-Rettungsschirm oder Bundeswehr - aus Sicht der AfD betreibt Merkel eine "Politik gegen Deutschland", wie Armin-Paul Hampel, Mitglied des Afd-Bundesverbandes und Sprecher der AfD Niedersachsen, betonte: "An das Gemeinwohl, an Volk, Nation wird nicht mehr gedacht." "Die AfD ist eine Partei, die bürgerliche Freiheit ernst nimmt", betonte der Europaabgeordnete Pretzell. Aber: "Freiheit braucht Grenzen und Schranken nötiger als alle andere." Womit er schon beim Thema Zuwanderung war. Denn Flüchtlinge dürften sich nicht, so Pretzell, "das Land aussuchen, wo es die besten Sozialsysteme gibt und wo man am heimeligsten Terroranschläge vorbereiten kann." Armin-Paul Hampel hat für sie einen anderen Vorschlag: "Im Irak und in Syrien könnte man Schutzzonen für die Menschen schaffen und sie mit Zelten, Ärzten, Lebensmitteln und Schulen versorgen." Das würde Deutschland "einen Bruchteil" der Ausgaben für hier lebende Asylbewerber kosten. Vom Kamp sowie vom Marienplatz versuchten die Gegendemonstranten mit lauter Musik, Pfiffen und "Nazis- raus"-Rufen die AfDler zu stören. Weil klar war, dass Inhalte am Samstag auf der Strecke blieben, hatten sich beide Bündnisse bereits am Freitag vor dem Rathaus für sozialen Zusammenhalt und gegen rechtspopulistische Tendenzen stark gemacht. Mehr als Polit-Klamauk, um Aufmerksamkeit zu erregen, habe die "selbst ernannte Alternative für Deutschland" nicht zu bieten, sagte Johannes Menze (Grüne), Sprecher des Bündnisses für Demokratie, am Samstag. Mit ihrer Politik ginge es zurück ins Mittelalter, ,,wo Hexen verbrannt wurden und der Adel über die Untertanen herrschte". Die Parole könne deshalb nur heißen "Wehret den Anfängen". Günter Koch kündigte indes weitere AfD-Kundgebungen in Paderborn an: "Jetzt geht es erst richtig los." Schließlich, so Hampel, wolle die AfD, aktuell in 10 Landtagen vertreten, im Mai nächsten Jahres "mit "15, 16, 18 Prozent oder mehr" in den Düsseldorfer Landtag einziehen.

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