Großes Angebot: Die Mitarbeiterinnen (v.l.) Wiebke Züll, Susanne Bornefeld, Wilma Schneider und Leonie Porzenheim zeigen eine Auswahl der Tornister. 150 wurden angeschafft, über 300 gespendet. - © Birger Berbüsse
Großes Angebot: Die Mitarbeiterinnen (v.l.) Wiebke Züll, Susanne Bornefeld, Wilma Schneider und Leonie Porzenheim zeigen eine Auswahl der Tornister. 150 wurden angeschafft, über 300 gespendet. | © Birger Berbüsse

Paderborn Immer mehr Bedürftige

In diesem Sommer werden vermutlich mehr als 1.100 Schüler ausgestattet. Über 80 Prozent von ihnen sind Migranten. Die Einrichtung sucht dringend weitere Spender

Birger Berbüsse

Paderborn. Wenn heute das neue Schuljahr beginnt, sind die Tornister und Rucksäcke der Schüler wieder prall gefüllt: Doch Stifte, Hefte, Bücher und Sportzeug haben ihren Preis. Und der ist für immer mehr Familien einfach zu hoch. Sie greifen deshalb auf das Angebot der Schulmaterialienkammer zurück, die die Utensilien kostenlos an Bedürftige verteilt. Die Einrichtung am Laugrund 5 hat in dieser Woche insgesamt vier Tage lang geöffnet, weil der Ansturm sonst gar nicht mehr zu bewältigen wäre. Um 5 Uhr hätten bereits die ersten Männer und Frauen vor den Türen des Lukaszentrums gestanden, berichtet die hauptamtliche Mitarbeiterin der Schulmaterialienkammer, Susanne Bornefeld. Drei Stunden später wurden die Listen ausgehängt, auf denen sich die Kunden eintragen können. Denn die Familien werden mittlerweile nur noch gestaffelt im Viertelstundentakt eingelassen, um einen ruhigen Ablauf zu gewährleisten. Bitter für einige Wartende: Nicht alle passen auf die Liste für den ersten Tag, sie müssen heute wiederkommen. Um 10 Uhr öffnen sich dann die Türen der Schulmaterialienkammer. Die ist in diesem Jahr "gut gefüllt", sagt Susanne Bornefeld und nennt einige Zahlen: 5.000 Hefte, 2.000 Collegeblöcke, je 1.000 Bleistifte und Farbkästen, 800 Buntstifte und 500 Geodreicke wurden für diese "Power-Woche" angeschafft. Außerdem kauften die Mitarbeiter 100 Rucksäcke und 50 Tornister. Weil die Spenden nicht ausreichten, musste Susanne Bornefeld auf Rücklagen zurückgreifen. Sie hofft deshalb auf weitere Großspender. Zumal einige Vorräte schon am Mittwochmittag zuneige gingen und sie deshalb noch mal an die Reserven muss. Denn eines verspricht Susanne Bornefeld: "Ich lasse niemanden mit leeren Händen gehen." Familie Thind hat es hineingeschafft, dafür musste Vater Kuldip Singh aber auch lange anstehen. Seit vier Jahren kommt er mit seinen drei Kindern zur Kammer. "Sonst würde es sehr schwierig für uns", sagt er. Tochter Ripandeep findet die Einrichtung deshalb "richtig gut" und lobt die Mitarbeiterinnen: "Die sind sehr nett." Dabei steuert die Schulmaterialienkammer auf einen traurigen Rekord zu: Im Juli wurden bereits 300 Erst- und Fünftklässler ausgestattet, für diese Woche, in der alle Klassen dran sind, rechnen die Mitarbeiter mit deutlich über 800 Schülern. Damit würde die Zahl von 1.060 aus dem Vorjahr übertroffen. In Elsen wurden 81 Schülern mit dem nötigen Material eingedeckt - so viele Kinder wie noch nie. Dabei macht sich auch die sogenannte Flüchtlingskrise immer deutlicher bemerkbar: Über 80 Prozent der Familien hätten einen Migrationshintergrund, schätzt Susanne Bornefeld. Allein bei den Sonderöffnungszeiten zwischen Januar und Mai wurden schon 100 Flüchtlingskinder versorgt. Gerade für diese Kinder sei die Kammer von besonderem Wert. Viele von ihnen, speziell die Mädchen, kommen zum ersten Mal in eine Schule. Die Ehrenamtliche Brigitte Junker, berichtet von einer Afrikanerin, die vor Freude weinte: "Sie war so dankbar, dass sie ihre Töchter zur Schule schicken konnte." Diese Momente und die "leuchtenden Kinderaugen" sind die Belohnung der 35 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die schon viele Stunden im Vorfeld aufwenden. Auch Elisabeth Stelbrink macht die Arbeit in der Schulmaterialienkammer bei allem Stress auch Spaß. "Aber es ist traurig, dass sie überhaupt nötig ist."

realisiert durch evolver group