Bestens eingespieltes Trio: (v. l.) Jan Fride Wolbrandt, Peter Wolbrandt und Helmut Hattler. - © Ulla Meyer
Bestens eingespieltes Trio: (v. l.) Jan Fride Wolbrandt, Peter Wolbrandt und Helmut Hattler. | © Ulla Meyer

Paderborn Kraan begeistert Fans im Paderborner Berufskolleg

Die Band beweist, dass früher nicht alles besser war - dazu zählt auch die Stimme von Peter Wolbrandt

Ulla Meyer

Paderborn-Schloß Neuhaus. Pünktlich wie im Sinfoniekonzert um Acht beginnt die Nacht. Wer in Erwartung der musikalischen Hoffnungsträger seiner Jugend das früher übliche akademische Viertel verstreichen ließ, hatte am frühen Samstagabend schon was verpasst. Hellmut Hattler, Bass, Peter Wolbrandt, Gitarre, Synthesizer, Gesang und Jan Fride Wolbrandt, seit ihrem Comeback ohne den Keyboarder Ingo Bischof immer noch unter dem Markennamen Kraan unterwegs, legten pünktlich los. Nach eigenen Angaben in alter Frische unterwegs und besser drauf denn je. Sehen auch noch gut aus nach 45 Jahren auf der Bühne, alle drei so um die 65, im besten Jazz-Rocker-Alter also. Genau wie ihr Publikum im komplett ausverkauften Berufskolleg, das natürlich nur Stehplätze bereit hält. Sitzen geht wirklich nicht bei einem Sound, der weder zur Tanzmucke taugt, noch zum Headbanging, den der Körper einfach absorbiert und das geht nur im Stehen. Dabei ist es nicht wirklich laut, während die Krautrock-Kollegen von Epitaph vor ein paar Monaten noch ordentlich Dezibel rausbliesen, trauen die drei von Kraan scheinbar ihrem Sound. Der kommt perfekt ausgesteuert und transparent rüber und keineswegs so superlaut wie erwartet. Die letzte CD ist aus dem Jahr 2010 und heißt "Diamonds" und enthält sogar ein Stück, das ein bisschen an Dancefloor und anderen neumodischen Kram erinnert und heißt auch so - "Club 20" -, der Rest ist solider Krautrock, der sich immer wieder in inniger Kopulation von Bass und Gitarre entlädt und keinerlei Text braucht, um verstanden zu werden. Die Stimme von Peter Wolbrandt ist in 45 Jahren nicht besser geworden und er schont sie meistens. Dafür sind die Ansagen wunderbar, denn auch hier geht es um früher und wie toll alles war. Zum Beispiel der Marihuana-Duft, der in jedem Konzert bis auf die Bühne waberte, die Musiker wohlig umfing und natürlich auch inspirierte. Heute muss man zum Rauchen vor die Tür! Die Anmoderation von "Let it out" erinnert auch an die 80er, als alle immer alles rauslassen mussten. Es war halt doch früher nicht alles besser. Tribut an den Zeitgeist ist nicht nur der auf die Minute pünktliche Beginn eines Konzerts, sondern auch das zeitige Einläuten des Zugabenblocks, der allerdings nochmal richtig zündete und sämtliche Kraan-Hits in einem Medley zusammenfasste. Kurz, knackig, mit viel Power. Auch ein paar "Gassenhauer", die Wolbrandt in Aussicht gestellt hat. Als auf der durchgängig dezenten Videoanimation plötzlich brennende Kerzen und ein Kaminfeuer zu sehen waren, schien das Ende nah. Es kam dann aber doch noch was, aber zum Aktuellen Sportstudio waren alle wieder zuhause. Man trifft sich wieder im Berufskolleg, im November zum Konzert von Ten Years After.

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