Flüchtlingshilfe: Der Iraker Kalaf Malko (rechts) nutzt seit einiger Zeit das Angebot der Speisenkammer in Büren. Emma Klein arbeitet ehrenamtlich an der Essensausgabe und zeigt damit ihr bürgerliches Engagement. - © Marco Schreiber
Flüchtlingshilfe: Der Iraker Kalaf Malko (rechts) nutzt seit einiger Zeit das Angebot der Speisenkammer in Büren. Emma Klein arbeitet ehrenamtlich an der Essensausgabe und zeigt damit ihr bürgerliches Engagement. | © Marco Schreiber

Paderborn Bürgerliches Engagement legt kräftig zu

Andrang: Mehr als 500 Ehrenamtliche engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. 2015 ist das Interesse an freiwilliger Arbeit groß, seit 2016 stagniert es. Die Bereiche der Patenschaften und Sprachförderungen sind beliebt

Christian Geisler

Paderborn. "Ein Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe wird als gesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen. Den Helfern geht es hierbei um Kontakt mit den eingereisten Menschen", erzählt Verena Kopp, Koordinatorin der Flüchtlingshilfe der Stadt Paderborn. Mittlerweile seien 500 bis 600 Ehrenamtliche stetig in der Flüchtlingshilfe engagiert, weitere 300 Personen würden sporadisch helfen. "Im Mai 2014 waren es noch unter 80 Personen", vergleicht Kopp das aktuelle Interesse an Ehrenämtern mit der Bereitschaft zur freiwilligen Arbeit aus den Vorjahren. Aber: Im Jahr 2016 stagniere der Zuwachs an neuen Ehrenamtlichen, der "harte Kern" an uneigennützigen Helfern habe sich in Paderborn mit einer gleichbleibend hohen Anzahl gefunden. Wie die Bezeichnung des Ehrenamtes es erahnen lässt, sollte die Ausführung einer Position mit Ehrgefühl einhergehen. So erhalten ehrenamtliche Helfer kein Geld für ihre freiwilligen Tätigkeiten. "Manchmal reicht schon der Blick in die leuchtenden Augen von Kindern - das ist der Wahnsinn", sagt Bruno Weber, ehrenamtlicher Dolmetscher des Service-Projekts Sprachschlüssel des Marktplatzes für bürgerliches Engagement Paderborn. Auch er habe die große Bereitschaft zur freiwilligen Arbeit im Zuge der aktuellen Flüchtlingslage festgestellt. "Das ist ein sehr emotionales Thema. Die Menschen reflektieren die Bilder aus den Medien und treffen für sich die Entscheidung, helfen zu wollen", erklärt Weber. Viele Ehrenamtliche würden sich für die Bereiche der Patenschaft oder der Sprachförderung interessieren. "Wenn man die Landessprache nicht ausreichend versteht, ist das enorm wichtig. Die Stadt wird gezeigt, es geschehen Behördengänge, manche Ehrenamtliche gehen mit den Flüchtlingen zum Arzt", beschreibt Weber die ehrenamtliche Arbeit und fügt hinzu: "Die eigentliche Integration beginnt ja erst." Auch bei der Caritas ist ein gesteigertes Interesse an der Arbeit mit Flüchtlingen festzustellen, so Martin Strätling, Leiter des Migrationsdienstes der Caritas Paderborn. So seien im letzten Quartal 2015 etwa 25 Anfragen pro Tag für ehrenamtliche Arbeit eingegangen. "Sonst gab es vielleicht zehn Anfragen im Jahr", sagt Strätling. Da regelmäßig neue Unterstützerkreise entstehen, sei eine räumliche und inhaltliche Zuordnung der Interessenten häufig möglich. "Wir schauen immer, wo es Einsatzmöglichkeiten gibt, um die Interessenten an bestehende Projekte zu vermitteln", erklärt Strätling. Ähnlich verlaufe die Eingliederung Ehrenamtlicher beim Deutschen Roten Kreuz Paderborn. "Durch die vermehrte Nachfrage konnten wir unsere Kleiderkammer von drei Tagen auf vier Tage ausweiten. Das wäre ohne das enorme bürgerliche Engagement nicht möglich gewesen", erzählt Ulrich Brüll, Geschäftsführer der DRK Paderborn. Auch er macht die aktuelle Flüchtlingssituation als Grund für das rege Interesse an freiwilliger Mithilfe aus. "Der Anteil der über 40-Jährigen, weiblichen Personen ist besonders hoch. Aber es engagieren sich auch mehr Männer als vorher", sagt Kopp und ergänzt: "Aber auch Studenten engagieren sich für die Integration von Flüchtlingen. Das bürgerliche Engagement ist generationsübergreifend." Gesucht werden vor allem noch erfahrene Ehrenamtliche im Bereich der Sprachpädagogik, so Weber. Kontakt kann über ehrenamt-pb.de aufgenommen werden. Sportangebote, vorwiegend für junge Männer, können über die Mailadresse flüchtlinge@paderborn.de an Verena Kopp gemacht werden. Unter neue-nachbarn-paderborn.de können engagierte Bürger ein Kontaktformular ausfüllen - je nach Interesse der potenziellen Ehrenamtler besteht die Möglichkeit einem Aufgabenbereich zugeordnet zu werden. Auch unter drk-paderborn.org, johanniter.de/ehrenamt, diakonie-pbhx.de oder malteser-paderborn.de ist ein ehrenamtliches Engagement möglich. Kommentar Lob den stillen Helfern Von Christian Geisler Friede, Freude, Eierkuchen. Menschen jubeln ankommenden Flüchtlingsfamilien zu, halten Willkommensgrüße auf selbstgebastelten Schildern in die Höhe. Deutschland positioniert sich gegen Fremdenhass und überhaupt helfen wir wo wir können – dieses Bild vermitteln die Medien. Warum wird bei der Ankunft von Flüchtlingen geklatscht, gefeiert, gejubelt? Warum landen die Bilder davon im Internet auf der eigenen Facebook-Seite? Einige übertreiben es mit der Zurschaustellung ihrer „Hilfsbereitschaft", der sogenannte Gutmensch ist am Werk, brüstet sich selbst, weil er den „Nazis" womöglich ein Schnippchen geschlagen hat. Doch weniger ist manchmal mehr. Denn der Respekt gebührt denjenigen, die stillschweigend ihre Arbeit verrichten, in der Stille Geld und vor allem Zeit spenden – so wie die rund 500 ehrenamtlichen Helfer in Paderborn.

realisiert durch evolver group