Gänsesäger: Wintergast auf Gewässern der Region. - © Christian Venne
Gänsesäger: Wintergast auf Gewässern der Region. | © Christian Venne

Paderborn Kuriositäten aus der Vogelwelt

Ornithologische Arbeitsgemeinschaft: 13.000 Beobachtungen notiert. Zwergschnäpper am Ostholzer Bruch gesichtet

Paderborn. Eine Fleißarbeit haben mehr als 200 Naturfreunde abgeliefert. Sie haben rund 13.000 vogelkundlichen Beobachtungen in der Region notiert und der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Paderborn (OAG) zur Verfügung gestellt. Christian Venne hat die Daten ausgewertet und daraus den fünften Sammelbericht erstellt, den die Arbeitsgemeinschaft jetzt vorgelegt hat. "Eine Reihe neuer oder seltener Arten ließ die Herzen der Vogelbeobachter höher schlagen", sagt Venne. Dazu zählen eine südamerikanische Schwarzkopf-Ruderente, Heiliger Ibis und Säbelschnäbler. Sie wurden erstmals beobachtet oder waren seit vielen Jahren aus dem Gebiet verschwunden. Auch ein Zwergschnäpper wurde im Naturschutzgebiet Oesterholzer Bruch bei Schlangen beobachtet. Die seltene Art - kaum größer als ein Zaunkönig - kommt nur in besonders naturnahen Vegetationsgebieten vor. An zwei Tagen wurde der Zwergschnäpper beobachtet und er war auch ausgiebig zu hören. Auch einige Kuriositäten fanden die Ornithologen. Weihnachten 2015 begegnete ihnen in Paderborn ein Nymphensittich. Im April wurde im Steinhorster Becken eine Silberente beobachtet. Beides waren wahrscheinlich Flüchtlinge aus menschlicher Haltung. Auch einige "Neubürger" in der heimischen Vogelwelt tauchten wieder auf. Nilgänse werden seit Jahren regelmäßig beobachtet. Aber auch Braut- und Mandarinenten, die ursprünglich in China beheimatet sind, wurden mehrfach gefunden. Sie gelten inzwischen als Neubürger in unserer Vogelwelt, stammen aber wahrscheinlich ebenfalls von Tieren ab, die aus einstiger Gefangenschaft ausgebrochen sind. Neben den Erfolgsgeschichten - zum Beispiel dem weiteren Anstieg des Brutpaarbestandes beim Weißstorch - zeigen die Beobachtungen auch negative Trends. So nehmen weiterhin die Bestände von Kiebitz und Turteltaube ab. Auch der leuchtendgelbe Pirol - schon immer eine Besonderheit in der heimischen Vogelwelt - wurde noch seltener beobachtet. Ergänzt wird der Bericht durch Kurzbeiträge. Darin geht es unter anderem um Bodenbruten des Graureihers sowie um die Entwicklung der Weißstörche. Nach 50 Jahren Unterbrechung brüteten 2007 erstmals wieder wilde Weißstörche im Kreis Paderborn. Seither nimmt der Bestand zu. 2015 hatten 24 freilebende Paare ein Nest bezogen und gebrütet - alle im Raum Salzkotten/Delbrück. 20 Paare davon zogen erfolgreich 50 Jungvögel auf. Das war die erfolgreichste Brutsaison seit der Rückkehr der Störche. Der Sammelbericht der Arbeitsgemeinschaft kann kostenlos als pdf-Datei von der Internetseite der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne heruntergeladen werden (www.bs-paderborn-senne.de). Dort steht auf der Plattform für Vogelbeobachtungen das Meldeformular zur Verfügung. Interessierte Naturfreunde sind eingeladen, dort ihre Beobachtungen einzugeben und damit zur Erforschung der heimischen Vogelwelt beizutragen. Etwa 7.000 Beobachtungen gingen über die Plattform ein. 6.000 weitere steuerten Beobachter über das Portal www.ornitho.de bei.

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