Sie koordinieren den Abriss und die späteren Neubauten an den Königsplätzen: (v. l.) Reiner Glowienka (BIG/Baugesellschaft für Ingenieurwesen Glowienka), Andreas Syring (AGC/Aqua Geo Consult), Roland Forner (Bauleiter Stadt Paderborn) und Tristan Brockmeier (BIG). Sie stehen neben einer Metallschere, mit der ein Bagger unter anderem die Aufbauten im Bereich der Rolltreppe durchtrennt.An dem Bagger hinten kommt eine Betonschere - auch Zerbröseler genannt - zum Einsatz. - © Marc Köppelmann
Sie koordinieren den Abriss und die späteren Neubauten an den Königsplätzen: (v. l.) Reiner Glowienka (BIG/Baugesellschaft für Ingenieurwesen Glowienka), Andreas Syring (AGC/Aqua Geo Consult), Roland Forner (Bauleiter Stadt Paderborn) und Tristan Brockmeier (BIG). Sie stehen neben einer Metallschere, mit der ein Bagger unter anderem die Aufbauten im Bereich der Rolltreppe durchtrennt.An dem Bagger hinten kommt eine Betonschere - auch Zerbröseler genannt - zum Einsatz. | © Marc Köppelmann

Paderborn Auf den Königsplätzen haben die Abrissarbeiten begonnen

Paderborns zentraler Innenstadtbereich ist für die nächsten zwei Jahre eine Baustelle

Holger Kosbab

Paderborn. Seit einigen Tagen ist der Königsplatz ein Hingucker. Die Betonmassen werden zunehmend löchrig, langsam ändert sich der bekannte Anblick. Nach langer Planung, politischer Diskussion und vielen Gesprächen mit den Anliegern ist die zentrale Fläche nördlich der Westernstraße eine Baustelle. Das Ziel ist es, den Königsplatz attraktiver zu machen und für alle Paderborner - besonders die Anwohner - aufzuwerten. In den Gedanken der Planer ist der Königsplatz schon seit drei Jahren eine Baustelle. Doch auch sie freuen sich, dass seit einigen Tagen nun wirklich mit Baggern und Spezialwerkzeugen an den Königsplätzen genagt wird. Schon in sechs Wochen, so der Plan, soll mit dem Bau des Zentralen Erschließungselements (ZEE) nördlich vom Broer-Imbiss, der nach dem Umbau hierhin zurückziehen wird, begonnen werden. Dann wird auch ein erster Teil der Paderborner Platte, wie die obere Königsplatzebene auch genannt wird, Geschichte sein. Zwei Tiefgaragengeschosse sowie die untere Verkehrs- und obere Fußgängerebene wird das neue Eingangsportal künftig verbinden. Acht verschiedene Gewerke sind am Bau beteiligt. Möglicherweise wird dieses Portal noch im diesem Jahr komplett stehen. Etwa eine Million Euro wird das ZEE kosten. Insgesamt schlägt das Projekt "Revitalisierung Königsplätze" mit 13 Millionen Euro zu Buche. Wenn alles glatt laufe - und nicht etwa längere Frostperioden Verzögerungen bringen -, dann könnte die komplette Neugestaltung Anfang 2018 abgeschlossen sein, sagt Lea Giesen, Baustellenkommunikatorin der Stadt Paderborn. Als Letztes wird in jedem Fall die Rampe zwischen Galeria Kaufhof und Klingenthal abgerissen. Die Königsplätze sind dabei für etwa zwei Jahre eine Baustelle seltenen Ausmaßes. Unter anderem werden mehr als 2.000 Tonnen Beton abgerissen. Die Dimension an sich ist schon beachtlich, kniffelig wird?s im Detail. "Der Abriss eines so komplexen Bauwerks ist ein kompliziertes Unterfangen", sagt Giesen. Bisher habe es aber noch keine Überraschungen gegeben, sagt Roland Forner, zuständiger Bauleiter der Stadt Paderborn. Um vorbereitet zu sein, wurden im Vorfeld 20 Probelöcher gebohrt. Dennoch ist nicht alles klar: Bei gewissen Leitungen wisse man nicht, zu wem sie gehören. Dabei müssen die für die Bauleitung (Aqua Geo Consult) und Bauausführung (Baugesellschaft für Ingenieurbau Glowienka) zuständigen Büros viel beachten. So beträgt die Deckenlast der oberen sogenannten Fußgängerebene der Königsplätze lediglich fünf Tonnen. Dem angepasst ist das Arbeitsgerät. Auf der unteren Verkehrsebene könnten Lasten von bis zu 60 Tonnen stehen oder bewegt werden. Durch den Abriss von Elementen, die mit bleibenden Teilen verbunden sind, könne es Veränderungen in der Statik geben. Dies wird mit Stützen ausgeglichen. Bereits im Herbst starteten die notwendigen vorbereitenden Arbeiten. Die Lüftung der Tiefgarage wurde verlegt und die Saugpumpe zur Entwässerung der mehrgeschossigen Parkmöglichkeit stillgelegt. Um die Statik trotz kommender Änderungen zu erhalten, sind die unterirdischen Parkebenen mit Stützen gesichert. Und es wurden Versorgungsleitungen im Königsplatz-Zugang im Düstern durch das Unternehmen Westfalen-Weser-Netz erneuert. Durch eine metallene Verkleidung geschützt ist Paderborns wohl bekannteste Imbissbude Broers, die zurzeit in der Westernstraße Würstchen und Pommes verkauft. Schließlich soll durch den der darüber liegenden 70 Zentimeter starken Decke das Dach nicht zerstört werden. Diese Platte wird ab kommenden Montag eingeschnitten - und zwar mit einer Diamantsäge und einem Sägeblatt von 1,50 Meter Durchmesser. Der nächste Hingucker. Kommentar Platz des Gefallens Lange mussten die Paderborner warten. Nun sehen sie: Es tut sich was am Königsplatz. Endlich! Doch das künftige Aussehen des Platzes mit einem Königsbalkon ist noch immer eher abstrakt. Daran können auch noch so viele Grafiken und Entwürfe nichts ändern. Ob die Betonreduzierung am Ende den gewünschten Erfolg haben wird, muss also zunächst abgewartet werden. Die Stadt hat jedenfalls ein städtebaulich hohes und ambitioniertes Ziel: die Revitalisierung eines Bereichs, errichtet in den Jahren 1974 bis 1976 und 1978 bis 1980, der heute unfassbar unzeitgemäß erscheint und optisch unglaublich abgerockt ist. Eine üppige Kosmetik werden die 13 Millionen Euro ohne Frage bewirken. Doch notwendig ist ein Platz, der den Paderbornern gefällt. Und den sie nicht nur nutzen, weil er zufällig die schnellste Verbindung von A nach B ist. Kontakt zum Autor.

realisiert durch evolver group