Nach dem Großbrand bei Westfleisch in Paderborn: Von oben ist das Ausmaß der Zerstörung deutlich sichtbar. - © Manfred Müller
Nach dem Großbrand bei Westfleisch in Paderborn: Von oben ist das Ausmaß der Zerstörung deutlich sichtbar. | © Manfred Müller

Paderborn Nach dem Großbrand: Ermittlung der Brandursache abgebrochen

Rund 1.000 Schweine geschlachtet

Ralph Meyer

Paderborn. Nach dem Großbrand auf dem Betriebsgelände eines Fleischverarbeitungsbetriebes an der Halberstädter Straße hat die Polizei am Dienstag mit der Ermittlung der Brandursache begonnen. Da auch tagsüber immer wieder Brandnester aufloderten, war eine intensive Untersuchung des Brandorts noch nicht möglich. Am Mittwoch wollen die Brandermittler der Polizei gemeinsam mit einem Sachverständigen in die zerstörten Hallen vordringen. Das Feuer war Montagnachmittag gegen 16.40 Uhr im Zerlegebereich ausgebrochen. In dieser Abteilung arbeitete zu diesem Zeitpunkt niemand. Andere Mitarbeiter entdeckten das Feuer und setzten zunächst Feuerlöscher ein. Da sich der Brand schnell ausbreitete, wurde die Feuerwehr alarmiert und alle anderen Mitarbeiter aus dem Betrieb evakuiert. Zwei Beschäftigte kamen vorsichtshalber ins Krankenhaus. Sonst wurde niemand verletzt. Die Schadenshöhe wird im zweistelligen Millionenbereich liegen. Trotz des Großaufgebots von 321 Einsatzkräften, die mit rund 100 Einsatzfahrzeugen (davon acht Drehleitern aus Paderborn, Bad Wünnenberg, Borchen, Delbrück und Salzkotten) am Rosenmontag bei dem Großbrand bei Westfleisch im Einsatz waren, konnte eine Brandausbreitung auf die rund 11.250 Quadratmeter große Halle nicht verhindert werden. Immer wieder kam es während der Löscharbeiten zum Zerknall von Gasflaschen und kleineren Explosionen, die jeweils von Stichflammen begleitet wurden. Durch den Einsatz von sieben Wenderohren, fünf Wasserwerfern, zwei B-Rohren und zwei C-Rohren gelang es aber, den größten Teil des Verwaltungsbereiches und die Tierboxen, die mit rund 1.000 Schweinen besetzt waren, vor den Flammen zu retten. Die Tiere wurden in einer aufwendigen Rettungsaktion in bereitstehende Lastwagen verladen und zum Westfleisch-Betrieb Hamm transportiert. Dort wurden sie nach Untersuchung durch einen Veterinär geschlachtet. Unmittelbar an der Gebäuderampe abgestellten Lastwagen und Kühlzüge wurden rechtzeitig von Einsatzkräften und Betriebsangehörigen in Sicherheit gebracht. Aufgrund des hohen Wasserbedarfs an der Einsatzstelle mussten zahlreiche Schlauchleitungen zur Heranführung des benötigten Löschwassers gelegt werden. Hierzu wurde unter anderem auch ein Wechselladerfahrzeug der Wache Nord mit dem Abrollbehälter Schlauch eingesetzt. Durch die hohen Temperaturen im Brandbereich wurde auch die Kühlleitungen mit Ammoniak beschädigt, so dass es auch zum Austritt von Ammoniak aus zwei Lagertanks mit je fünf Tonnen Inhalt kam. Zur Messung von möglichen Schadstoffen wurden sieben sogenannte Erkunderfahrzeuge für Schadstoffe aus Delbrück, Bielefeld, Herford, Gütersloh und Versmold angefordert. Vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz wurden zwei weitere spezielle Messfahrzeuge zur Einsatzstelle beordert. Bei den Messungen wurden nur geringe Konzentrationen von Ammoniak im Bereich der Brandstelle nachgewiesen. Auch im Umkreis der Einsatzstelle konnten die eingesetzten Messfahrzeuge keine Überschreitung der Grenzwerte für Gefahrstoffe durch die Rauchausbreitung feststellen. In Spitzenzeiten pumpten die Feuerwehr pro Minute fast 6.000 Liter Wasser in in die Flammen. Das kontaminierte Löschwasser wird vom Stadtentwässerungsbetrieb (SteB) gesammelt und besonders behandelt. Zur Brandbekämpfung und zur Verlegung zusätzlicher Schlauchstrecken wurde weitere Einsatzkräfte aus Bad Lippspringe, Borchen, Delbrück, Hövelhof, Salzkotten und Bad Wünnenberg angefordert. Zum Ausleuchten der Einsatzstelle und zur Beurteilung der Standfestigkeit des vom Brand betroffenen Bereiches wurden Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerkes aus Paderborn angefordert. Gegen 20 Uhr meldete die Einsatzleitung „Feuer und Einsatzstelle unter Kontrolle". Gegen Mitternacht wurde das Personals durch frische Einsatzkräfte ersetzt. Seit 2 Uhr am Dienstag wurde die Zahl der Einsatzkräfte kontinuierlich angebaut. Am Dienstag flackerten immer wieder einzelne Brandnester auf. Einsatzkräfte der Delbrücker Feuerwehr unterstützen die Nachlöscharbeiten mit speziellen Löschschaum. Trotz der verheerenden Schäden am Standort Paderborn können Lieferanten ihre Tiere weiterhin an Westfleisch liefern. Die Viehtransporter werden nach Auskunft eines Unternehmenssprechers an andere Fleischcenter-Standorte disponiert. Der Produktionsausfall in Paderborn kann durch Mehrleistung der anderen Fleischcenter kompensiert werden. Am Standort Paderborn wurden für die rund 600 Mitarbeiter Anlaufstellen zur Betreuung eingerichtet. Nach Möglichkeit sollen sie in anderen Unternehmensteilen unterkommen. Kunden und Lieferanten waren bereits am frühen Dienstagmorgen über die Situation unterrichtet. Die Abnahme von Tieren und die Lieferungen an die Kunden sind jederzeit gewährleistet, so der Sprecher. Am Standort Paderborn wurden pro Woche bislang etwa 1.300 Rinder geschlachtet sowie 30.000 Schweine geschlachtet und zerlegt.

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