Salestag: Anlässlich des Gedenktages des heiligen Franz von Sales (24. Januar), Schutzpatron der Journalisten und Schriftsteller, lädt das Erzbistum Paderborn Medienschaffende traditionell zum Austausch ein. Das Foto zeigt Erzbischof Hans-Josef Becker und Claudia Nieser, Redakteurin der Presse- und Informationsstelle im Erzbischöflichen Generalvikariat, die den Gedankenaustausch moderierte. - © pdp
Salestag: Anlässlich des Gedenktages des heiligen Franz von Sales (24. Januar), Schutzpatron der Journalisten und Schriftsteller, lädt das Erzbistum Paderborn Medienschaffende traditionell zum Austausch ein. Das Foto zeigt Erzbischof Hans-Josef Becker und Claudia Nieser, Redakteurin der Presse- und Informationsstelle im Erzbischöflichen Generalvikariat, die den Gedankenaustausch moderierte. | © pdp

Paderborn "Christliches Abendland": Hans-Josef Becker verwehrt sich gegen einen Missbrauch des Begriffs

Dagegen müsse protestiert werden

Birger Berbüsse

Paderborn. Erzbischof Hans-Josef Becker hat Flüchtlingsgegner dafür kritisiert, dass ausgerechnet sie sich für das "christliche Abendland" stark machen. Hier werde der christliche Glaube für etwas instrumentalisiert, was seiner Kernbotschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen direkt entgegenstehe, sagte Becker am Donnerstagabend vor rund 50 Medienvertretern in Paderborn. Niemand könne sich über diese neue Popularität des Begriffs "christliches Abendland freuen, sagte Becker anlässlich des Gedenktages des Heiligen Franz von Sales, Schutzpatron der Journalisten, in der Bildungsstätte Liborianum. "Im Gegenteil, man muss sogar dagegen protestierten", forderte der Paderborner Erzbischof angesichts der häufigen Verwendung des Wortes bei Protesten gegen Flüchtlinge und Ausländer. Becker suchte in seiner Rede auch nach den möglichen Gründen, warum das "christliche Abendland" plötzlich so attraktiv und populär werde. "Eine tatsächliche und echte Begeisterung für christliche Werte, Ideale und Lebensführung dürfte weniger dahinter stecken", vermutet er. Möglicherweise wirke das Christentum deshalb so attraktiv, weil es im Gegensatz zum Islam als "harmlos" wahrgenommen werde. Der Islam gelte vielen wohl schon deshalb als verdächtig, weil Muslime ihren Glauben sichtbar in der Öffentlichkeit leben. Das sei "etwas, das man bei der Mehrzahl der Christen in dieser Form nicht mehr gewohnt ist", so Becker. Der Erzbischof warnte deshalb vor der Gefahr, dass sich die Kirche angesichts ihrer Herausforderungen zu sehr und fast ausschließlich mit sich selbst beschäftige. Sie müsse sich auch nach außen richten. Er sprach sich in diesem Kontext für ein authentisch gelebtes Christsein, das sich gerade auch im Einsatz für Flüchtlinge zeige. "Dieser Dienst wird seit Monaten in beeindruckender Weise in unseren Gemeinden und Einrichtungen geleistet", würdigte Erzbischof Becker das Engagement in den heimischen Gemeinden. Im Anschluss an seine Rede bekräftigte Erzbischof Becker die Absicht, dass auch der Finanzbericht der Erzbischöflichen Stuhls 2017 oder spätestens 2018 veröffentlicht werden solle. Im vergangenen Jahr hatte das Erzbistum erstmals sein Vermögen veröffentlicht. Mit der Bilanzsumme von rund vier Milliarden Euro liegt es sogar vor Köln.

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