Paderborn Jüdische Kultusgemeinde ärgert sich über AfD

Neue AfD-Kundgebung: Kritik an Einladung für jüdische Mitbürger. Auch Bürgermeister Michael Dreier erteilt dem Werben der Partei eine Absage

Birger Berbüsse

Paderborn. Die angekündigte zweite AfD-Kundgebung in Paderborn ist noch gar nicht genehmigt, da sorgt sie schon für Ärger: Die jüdische Kultusgemeinde Paderborn verwehrt sich ausdrücklich gegen den Aufruf der AfD, dass sich jüdische Mitbürger an ihrer Demo beteiligen sollen. "Das ist ein Witz", sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Alexander Kogan, im Gespräch mit der NW. Er bezeichnete die Partei als "ultra-rechts". Ebenso bestritt Kogan, der seit Sommer in seiner zweiten Amtszeit ist, dass sich Gemeindemitglieder an der ersten AfD-Demo beteiligt hätten. Dies hatte die Partei in ihrer Pressemitteilung behauptet, vermutlich auch mit Blick auf eine geschwenkte Israel-Flagge. "Quatsch" sei das, so Kogan. Er habe vor der Demonstration die jüdischen Bürger Paderborns geraten, an keiner Veranstaltung teilzunehmen. Er selber war auch nicht vor Ort. "Wäre ich an dem Tag gewesen, hätte ich mich aber zu den Gegendemonstranten gestellt", so Kogan. Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit kritisiert ebenfals die Einladung der Afd. Die Vorsitzende Monika Schrader-Bewermeier vermutet bei der AfD folgenden Denkansatz: Wenn man etwas gegen Araber sage, sei es auch pro-jüdisch. "Das ist eine Funktionalisierung unserer jüdischen Mitbürger", so sagt sie, "das heiße ich nicht gut." Von der israelischen Flagge auf einen jüdischen Träger zu schließen, sei zudem "eine Unterstellung". Die AfD hatte formuliert: "Wir als AfD sind bei euch! Wir verstehen eure Ängste und Sorgen!" Auch beim ebenfalls eingeladenen Bürgermeister Michael Dreier handelte sich die AfD eine Absage ein. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte er: "Ich kann mich mit den Zielen und Aussagen der AfD in keinster Weise identifizieren und daher ist es eine logische Konsequenz, nicht ans Rednerpult der AfD zu treten." Unabhängig von der aktuellen Ankündigung der AfD und einer möglichen Gegendemonstration sei die CDU in Paderborn mit anderen Personen und Institutionen im Gespräch, parallel ein anderes öffentliches Zeichen zu setzen "Daran möchte ich mich gerne beteiligen", so Dreier, der für sein Fernbleiben bei der letzten Gegendemonstration in die Kritik geraten war. Am Mittwoch berät "Paderbunt" über eine mögliche Gegendemonstration.

realisiert durch evolver group