Paderborn Tabea-Theater bringt "Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner" auf die Bühne

Satire auf das Helfersyndrom

Ann-Britta Dohle

Paderborn. Das "tabea Theater" traut sich an eine aktuelle Satire auf unser hochanständiges Bedürfnis anderen Menschen Gutes zu tun- und dafür auch noch zu werben. "Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner" von Ingrid Lausund hatte am Freitag in der Kulturwerkstatt Premiere. Leicht und schwungvoll kommt die Komödie daher. Facettenreich nimmt sie den "Gutmensch" - das Unwort des Jahres sei in diesem Kontext einmal erlaubt - unter die Lupe und die fünf Schauspieler bringen fünf klassische Helfer-Typen überaus komisch und präzise gezeichnet auf die Bühne. Eine große Palme auf der einen Seite, eine Landkarte und eine gurgelnde Kaffeemaschine auf der anderen. Fünf Menschen planen ein Benefizveranstaltung - jeder verfolgt damit gleichzeitig aber auch ein persönliches Interesse. Da ist die karrierebewusste Christine (Simone Radhoff), die immer wieder versucht, die Veranstaltung an sich zu reißen. Eva (Cordula Block), Öko-Frau und Waldorfgeprägt, findet meistens "ganz schlimm, was die anderen da sagen" und steigert ihren Altruismus ins Unerträgliche. Eckhard (Friedhelm Kirst), Typ Lehrer, vermittelt auch schon mal gerne an Hand der Bibel. "Ist ein Menschenleben mehr wert als ein Cocktail?" Sein Pendant ist Leo (Michael Schneider), der leger und locker findet, Benefiz dürfe auch einfach mal Spaß machen. Motorradfahrerin Ute (Kornelia Sommer-Sowa) wird sich erst im Lauf der uferlosen Planung bewusst, auf was sie sich da eingelassen hat. "Heute Abend menschelt es. Erbarmen für die Armen?" Ihre gradlinigen und scheinbar naiven Fragen wie: "Ist ein Menschenleben mehr wert als ein Cocktail?" bringen Bewegung in die Gesellschaft. Dabei verlässt die Komödie nie ihren liebenswerten Charme, denn so unterschiedlich die Ambitionen der einzelnen, so eindeutig doch eine ihrer wirklichen Überzeugungen: Sie alle wollen die Welt ein bisschen besser machen. Mit einer Schule in Bissau. Bruno Mersch hat die "Benefizveranstaltung" temporeich und witzig mit vielen bösen "Highlights" in Szene gesetzt. Beispielsweise, wenn Christine die nicht vorhandenen Afrika-Dias referiert und heiß diskutiert wird, ob das tote Kind in der Schubkarre gezeigt werden soll oder nicht; die vielen "spontanen" Tränen, die wohl gemeint, dosiert und inszeniert in plötzlicher Konkurrenz zu einander fließen; das Einstudieren der richtigen Betonungen bei Wörtern wie "Hungerkatastrophe". Da sind die Fotos hilfsbedürftiger Kinder, die auf der Pinwand hin und hergeschoben werden und deren "Hoffnungslosigkeit" und "Erfolgsaussichten" gegeneinander aufgerechnet werden. Der Zuschauerraum wird zur Bühne Als die fünf Benefizakteure - verteilt im Publikum - ihr tägliches Essen Revue passieren lassen, wird die Ungleichgewichtung als subtile Auflistung (etwas lange) zelebriert. Aberwitzig dann die schwierige Findung eines Essens, das für alle verträglich ist. Man einigt sich auf den altbewährten Slogan: Reis für alle. Die ehrliche Absicht aller wird transparent, als die Akteure im impulsiven Duell ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Da gelingt Eckhard ein leidenschaftliches, mitreißendes Plädoyer, in der er seine Fassade der guten Erziehung verlässt und auch seiner Wut freien Lauf lässt. Da besticht Leo mit den Schlussworten, in denen er die Unmöglichkeit erläutert, die Spenden mit dem Sinn des Lebens und Gott in Einklang zu bekommen. Stattdessen genüge es einfach 10 Euro für einen guten Zweck zu spenden - ohne Überzeugungs- oder Rechtfertigungsdruck. Einfach so. Weils Spaß macht. Wie der ganze Abend. Und wer einen Afrikaner retten möchte, der hat im Realen dazu eine Chance, denn das Schulprojekt in Bissau gibt es wirklich und das "tabea Theater" sammelt mit seinem Stück für genau diesen guten Zweck.

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