Maximilian Wilhelm, Freifunk Hochstift, Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär des Landes NRW für Bundesangelegenheiten, Helge Jung, Freifunk Hochstift und Sascha Fleiß, Geschäftsführer von Vega Systems nehmen sich die digitale Vernetzung des Hochstiftes vor. - © Christian Geisler
Maximilian Wilhelm, Freifunk Hochstift, Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär des Landes NRW für Bundesangelegenheiten, Helge Jung, Freifunk Hochstift und Sascha Fleiß, Geschäftsführer von Vega Systems nehmen sich die digitale Vernetzung des Hochstiftes vor. | © Christian Geisler

Paderborn Das gesamte Hochstift Paderborn soll online gehen

Internet: Die ehrenamtliche Initiative Freifunk Hochstift setzt sich für die flächendeckende Vernetzung der Kreise Paderborn und Höxter ein. Die Nutzung der WLAN-Verbindung ist kostenlos

Christian Geisler

Paderborn. Online sein. Egal wo. Ohne Kosten. Ohne Anmeldung. In Zeiten der digitalen Vernetzung wird der freie Datenverkehr immer bedeutender. Die ehrenamtliche Initiative Freifunk Hochstift macht es sich zur Aufgabe offene Funknetzwerke einzurichten und diese miteinander zu verbinden. "Ziel ist es, ein Kommunikationsnetzwerk zu schaffen, das überall verfügbar ist und von jedem genutzt werden kann", sagt Helge Jung vom Freifunk Hochstift. FÖRDERUNG VOM LAND Mit Hilfe sogenannter Knotenpunkte soll der Hochstift weitestgehend flächendeckend vernetzt werden. 900 dieser WLAN-Punkte gibt es bereits, werden von Privatpersonen oder Unternehmen zur Verfügung gestellt. Weitere sind in Planung. Um diese voran zu treiben, unterstützt das Land NRW den Freifunk Hochstift mit einer Förderung in Höhe von 22.575 Euro. "Der Freifunk Hochstift ist der erste organisierte Verein in NRW, der eine solche Förderung von uns erhält", sagt Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, und begründet die Entscheidung: "Die Lücken des Datenverkehrs sind hier im ländlichen Raum größer als in den Ballungsgebieten." EIN NETZ ZUM MITMACHEN Die Freifunk-Grundidee basiere darauf, Netze untereinander zu verbinden und zu einem Bürgernetz zusammen zu schließen. Nicht jeder Bürger nutze seine volle Internet-Kapazität aus. Indem er seinen Anschluss zur Verfügung stellt und somit einen Teil seiner Bandbreite abgibt, könne das offene Freifunk-Netzwerk weiter wachsen und weitere Flächen des Hochstifts erschlossen werden. Die Firma Vega Systems ist eines der ersten Unternehmen, das seine Internetleitung zur freien Nutzung bereitstellt. "Das ist ein Mitmachnetz. Der Aufwand ist gar nicht groß und es kostet einen gar nichts, zu teilen", sagt Helge Jung und Eumann ergänzt: "Das Netzwerk ist nicht darauf ausgelegt bestehende Anbieter zu ersetzen. Vielmehr bietet es Entlastung." UNTERSTÜTZER GESUCHTIm städtischen Gebiet Paderborns sei der Freifunk bereits verfügbar. Im Kreis Höxter sei der Verein aktiv, die Vernetzung aber bei weitem noch nicht so dicht wie in Paderborn. Kommunikationsausfälle in Privatwohnungen könnten durch den Freifunk aufgefangen werden. Zwar handele es sich um "ein sehr sicheres Netzwerk", eine Verfügbarkeitsgarantie könne seitens Freifunk Hochstift aber nicht ausgesprochen werden. Um mit den erhaltenen Fördermitteln weitere Knotenpunkte erschließen zu können, benötige der Freifunk Hochstift die Unterstützung von Privatpersonen und Unternehmen, die ihre Netze teilen. "Gerade im Kreis Paderborn, außerhalb der Stadt, sind wir noch auf der Suche nach hochgelegenen Gebäuden, Türmen oder Funkmasten", sagt Maximilian Wilhelm vom Freifunk Hochstift. Für den Betrieb ihres Equipments benötigen die Freifunker nur einen Stromanschluss sowie die Möglichkeit zur Anbringung von Antennen. Interessenten können sich per E-Mail unter kontakt@hochstift.freifunk.net melden. WLAN ALS KUNDENSERVICE Seit Mitte Dezember bietet auch die Galeria Kaufhof im Stadtzentrum ihren Kunden kostenloses WLAN an. "Die Menschen können jetzt ihre Daten abrufen, sich Informationen zu Produkten verschaffen oder Preise vergleichen. Das ging vorher nicht. Wir haben dafür eine Infrastruktur erschaffen", erzählt Hartmut Abel, Geschäftsführer der Kaufhof-Filiale in Paderborn. In jeder Etage des Geschäfts sei ein Tablet eingerichtet, mit dem Kunden Produktdetails abrufen, oder Waren direkt bestellen können. Im Weiteren sind einige Produkte mit sogenannten QR-Codes versehen. Indem der Kunde einen solchen Code mit seinem Smartphone scannt, gelangt er auf eine Internetseite mit näheren Informationen zur Ware. Das Online-Angebot der Kaufhof soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Es ist geplant den Kunden Push-Nachrichten über Tagesangebote auf ihre Mobiltelefone zu senden. ONLINE IM BUS Bis Ende 2016 soll der komplette Linienbusverkehr im Hochstift mit frei zugänglichen Internetverbindungen ausgestattet sein, sagt Siegfried Volmer, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph). Die Investitionen dafür betragen 350.000 Euro, die Instandhaltung koste jährlich 75.000 Euro. Die Nahverkehrs-Westfalen-Lippe-Verbandsversammlung (NWL) habe einer Förderung zugestimmt. "Unsere Gäste sind mobil mit dem Smartphone vernetzt", sagt Volmer und fügt an: "In den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford gibt es das Konzept seit 2014. Dort hat es sich bewährt." Um die Vernetzung zu gewährleisten, soll ein "hochwertiger LTE-WLAN-Router" in die Busse integriert werden. Diese seien bereits in vielen Fernbussen vorzufinden. Einen perspektivischen Nutzen habe das WLAN-Angebot des nph ebenfalls: "Mit der Zeit soll es eine mobile Fahrkarte über das Handy geben", sagt Geschäftsführer Volmer. Änderungen von Fahrpreisen seien nicht vorgesehen. Kommentar WLAN für alle Wenn der Mobilfunkanbieter schon nach zwei Wochen wieder ankündigt, demnächst die Surfgeschwindigkeit zu reduzieren, ist der Ärger groß. In den nächsten Tagen heißt es, sein restliches Datenvolumen aufzusparen. Das Smartphone bleibt unterwegs am besten in der Hosentasche – keine Videos ansehen, keine Bilder versenden, nicht whatsappen, offline bleiben. Nein, danke! Für viele ist ein solches Szenario undenkbar, zu sehr interessieren die neuesten Geschichten von Familienmitgliedern oder Freunden, zu neugierig ist man auf das vergangene Ergebnis des Lieblingsvereins. Durch ein frei zugängliches WLAN-Netz besteht dieses Problem nicht mehr. Der Freifunk Hochstift plant: mobil online sein im Hochstift, egal wann, egal wo. Zumindest Teile des Paderborner Stadtgebiets sind bereits vernetzt. Zwar seien schnelle Downloads oder Streaming nur bedingt möglich, mobile Kommunikation könne das Netzwerk aber herstellen. Da es sich um ein ehrenamtliches Projekt handelt, an dem sich niemand bereichert, kann man es nur unterstützen. WLAN für alle – und das kostenlos. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Kontakt zum Autor

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