Optimistisch ins Jahr 2016: Weihbischof Dominicus Meier, Bürgermeister Michael Dreier und Ehefrau Beate. - © Marco Schreiber
Optimistisch ins Jahr 2016: Weihbischof Dominicus Meier, Bürgermeister Michael Dreier und Ehefrau Beate. | © Marco Schreiber

Paderborn Dreier bekennt sich zum Hoppenhof

Neujahrsempfang: Bürgermeister Michael Dreier wirbt für die Bündelung der Stadtverwaltung am Ex-Orga-Standort. Herausragendes Thema bleibt die Flüchtlingsfrage

Marco Schreiber

Paderborn. Zuerst wird in Paderborn die Geistlichkeit begrüßt. So hielt es zumindest Bürgermeister Michael Dreier bei seinem Neujahrsempfang im Historischen Rathaus am Sonntag. An erster Stelle wurde der katholische Weihbischof Dominicus Meier genannt, der später die Festrede hielt, danach Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften, Ehrenbürger, Politiker und weitere Entscheidungsträger. In seinem Grußwort blickte Dreier auf ein "spannendes Jahr" mit vielen Ereignissen zurück. Paderborn sei eine Stadt, in der man sich gern aufhalte. Alteingesessene wie Neubürger und Gäste bestätigten dies immer wieder. Ob Kultur, Sport oder Stadtentwicklung, "wir haben gemeinsam viel geschafft". Auch Zukunftsthemen stelle man sich. Dazu gehört die Neuansiedlung der Stadtverwaltung Am Hoppenhof 33, zu der sich Dreier bekennt. "Ich habe mich dafür ausgesprochen, die Bürotürme zu kaufen", sagte er. Der Politik, die noch keine Grundsatzentscheidung getroffen habe, werde er im ersten Jahresviertel eine Konzeption vorlegen. "Dies wird auch eine attraktive Entwicklung des Standorts Am Abdinghof einschließen", so Dreier. Internationale Aufmerksamkeit erhofft sich der Bürgermeister vom Kabarettfestival rund um die Preisverleihung des Salzburger Stiers im Mai. Groß gefeiert wird auch im Herbst, wenn Mitte September 1.000 Jahre Schloss Neuhaus zelebriert werden. Negative Schlagzeilen sieht Dreier einzig bei der Wirtschaft. Die Schließung von Fujitsu, die Insolvenz von Periscope und die Fusion von Wincor Nixdorf seien Hiobsbotschaften für den IT-Standort. Allein bei Fujitsu seien 600 Mitarbeiter betroffen. Dreier versprach alles zu tun, um so viele Jobs wie möglich zu retten. Insgesamt sei der Wirtschaftsstandort stabil und habe eine positive Zukunftsprognose. Die Wirtschaftsförderung bezeichnete er als Herzensanliegen. Gemeinsam mit der Universität soll eine Gründungsoffensive gestartet werden. Die Hochschule mit ihren 20.000 Studierenden sei Zugpferd und Standortfaktor schlechthin. Seit 1. Januar gibt es in Paderborn ein unabhängiges Fraunhofer-Institut. Dem zur Zeit wohl größten und viele Diskussionen bestimmenden Thema wandte sich Dreier erst am Ende seiner Rede zu, der Flüchtlingssituation. Ganz bewusst, sagte er, da es sich letztlich auf alle anderen Bereiche auswirke. Man stehe vor "einer der bedeutendsten Herausforderungen der deutschen Nachkriegsgeschichte". Einer "Jahrhundertaufgabe". Etwa 3.000 Flüchtlinge leben derzeit in der Stadt, mehr als die Hälfte in kommunalen Unterkünften. Zu den 59 Übergangsheimen und den fünf Gruppenunterkünften komme ab Januar der ehemalige Praktiker-Baumarkt in Elsen für etwa 150 Menschen hinzu. Mit der räumlichen Unterbringung sei es allerdings nicht getan, so Dreier. "Integration und Betreuung der Flüchtlinge sind eine besondere Herausforderung." Ohne ehrenamtliches Engagement wäre die Stadt in Sachen Willkommenskultur nicht dort, wo sie heute ist. Etwas wolkig formulierte Dreier eine Absage an "öffentliche Veranstaltungen zum Flüchtlingsthema an prominenten Plätzen der Stadt". Gemeint hat er wohl die geplante Kundgebung der AfD am kommenden Freitag. An die Offenheit und Gastlichkeit der Paderborner appellierte Festredner Dominicus Meier. Er träume von offenen Türen, sagte der Paderborner Weihbischof. "Eine Tür ist Ende des einen und Anfang des anderen Raumes", so Dominicus. Er möchte einladen, Türen zu öffnen, statt sie aus Ängstlichkeit zuzuschlagen. Die Flüchtlinge klopften nicht ohne Grund bei uns an, sagte Dominicus und rief dazu auf, sie als Menschen zu sehen, denen geholfen werden müsse. In der mönchischen Tradition habe jeder Gast eine Botschaft und sei wie Christus aufzunehmen. "Ich bin überzeugt, auch die hier gestrandeten Flüchtlinge haben eine Botschaft an uns." Nämlich sich einzusetzen gegen alles, "was dem Menschen seine Würde und Rechte rauben will".

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