Paderborn IG Metall kritisiert Periscope wegen des Insolvenzverfahrens

Periscope: Die Beschäftigten erklärten sich schon im letzten Jahr zu hohen Einbußen bereit. Jetzt stehen sie erneut unter Druck

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Für Carmelo Zanghi, den 1. Bevollmächtigter der IG Metall Paderborn, ist klar, wer für die Insolvenz des Paderborner Unternehmens Periscope verantwortlich ist: Die neuen Eigner, die die Firma 2014 von Flextronics übernahmen. Er wirft der Münchener Investmentfirma 4 K vor, von Anfang an nicht wirklich an eine Zukunft der Paderborner Firma mit 330 Mitarbeitern geglaubt zu haben. Zanghi sieht hier ein "typisches Verhalten von Finanzinvestoren, die den Markt nicht kennen". Typisch dafür sei die zwischenzeitliche Verflechtung mit einer italienischen Firma von 4 K, die inzwischen schon wieder rückgängig gemacht wurde. Der Paderborner IG-Metall-Chef auf Anfrage der NW: "Es tut mir für die Beschäftigten unendlich leid. Die haben bereits viele Opfer gebracht und aufs Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet sowie 220 Stunden unbezahlt gearbeitet. Dazu hat sie das Management mit vagen Versprechungen genötigt." Als die Unternehmensleitung in den Verhandlungen im letzten Jahr von der IG Metall einen Ergänzungstarifvertrag verlangt habe, in dem schlechtere Bedingungen akzeptiert werden sollten, habe man das abgelehnt. Zanghi: "Und zwar, weil uns das Management keinen nachhaltigen Plan für die Zukunft vorgelegt hat. Das war für uns keine Verhandlungsgrundlage." Als Folge der geplatzten Verhandlungen sei das Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband ausgeschieden, habe sich aber bis dato an die Tarifbindung gehalten. Zanghi kritisierte auch das seitens der Unternehmensleitung angeführte Argument, die Personalkosten lägen 20 Prozent über dem Wettbewerb: "Wer den Wettbewerb nur über den Lohn gewinnen will, der kann gleich auswandern. Das geht nur über Innovationen und Prozesse."

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