Paderborn Wirtschaftsförderung in der Kritik

Stadt Paderborn: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn steht vor einer möglichen Neuausrichtung. Eine Unternehmensberatung nimmt die Arbeit und Strukturen der WFG unter die Lupe

Holger Kosbab

Paderborn. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Paderborn steht auf dem Prüfstand. Nach NW-Informationen wird das 100-prozentige Tochterunternehmen der Stadt Paderborn aktuell von einer Unternehmensberatung untersucht. Bürgermeister und WFG-Aufsichtsratschef Michael Dreier sagte auf Anfrage, es sei für ihn "das Entscheidende, die WFG für die Zukunft optimal aufzustellen". Dies betreffe die internen Verwaltungsprozesse und die Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Im Sommer 2016 soll die Neuausrichtung fertig ausgearbeitet sein. Wie sind die Strukturen und die Abläufe bei der WFG? Wie setzt sie ihr Budget ein? Wie effizient arbeitet sie? Was sind ihre Aufgaben und wo enden ihre Kompetenzen bei der Zusammenarbeit mit anderen Verwaltungseinheiten? Unter solchen Fragestellungen wird die WFG seit etwa einem halben Jahr von einer Unternehmensberatung aus dem Kreis Paderborn unter die Lupe genommen. Die ersten Ergebnisse wurden jetzt in der nichtöffentlichen Sitzung des WFG-Aufsichtsrats vorgestellt. Nach NW-Recherchen gibt es Kritik an der Arbeit der WFG. So übernehme sie beispielsweise zu viele Aufgaben, die ihr allerdings auch auferlegt worden seien. Daher werde die Konzentration aufs Wesentliche gewünscht. Genauso geht der Blick auf die Schnittstellen wie das Stadtmarketing, die technischen Ämter oder die Standort-Initiative "Paderborn überzeugt". So soll es in der Vergangenheit etwa ein Kompetenzgerangel zwischen den Wirtschaftsförderern und dem Technischen Rathaus gegeben haben. Genauso solle die Arbeit von "Paderborn überzeugt" und Wirtschaftsförderung stärker zusammengeführt werden. Aus den Reihen der örtlichen Unternehmen war zu hören, dass die WFG mehr machen könnte. Genauso werde sich gefragt, inwiefern sich die Wirtschaftsförderung einbringe, um Unternehmen nach Paderborn zu holen. Wirtschaft und Wirtschaftsförderung seien für ihn zentrale Themen, sagte Bürgermeister Dreier. Paderborn sei ein starker Standort, habe sich aber wandelnden Rahmenbedingungen zu stellen. Deshalb müsse die WFG ein optimaler Ansprechpartner sein. "Was erwartet die Wirtschaft von uns? Was können wir tun für bestehende Unternehmen und was, um weiterhin auch neue Unternehmen ansiedeln zu können?", sagte Dreier: "Ich bin als Bürgermeister angetreten, um Prozesse zu optimieren: Und wenn wir dafür an der ein oder anderen Stellschraube drehen müssen, machen wir das." "Entweder machen wir Wirtschaftsförderung richtig oder gar nicht", sagte der CDU-Fraktionschef und stellvertretende WFG-Aufsichtsratschef Markus Mertens. Da müssten "neue optimierte Ansätze her". Schon zu Beginn der Legislaturperiode habe seine Fraktion eine Neuausrichtung der WFG angeregt. Diese könne aber auch nur so gut arbeiten, wie sie von anderen Bereichen innerhalb der Stadtverwaltung Unterstützung erfahre. "Deswegen müssen auch alle Schnittstellen innerhalb des Hauses neu justiert werden", sagte Mertens. Zu fragen sei auch, ob die WFG im Technologiepark "richtig angesiedelt ist oder ob es eine engere räumliche Anbindung an den Bürgermeister geben muss". "Das bedeutet nicht - und das hat eine erste Bestandsaufnahme klar gezeigt - dass bislang schlecht gearbeitet wurde", betonte Mertens. Doch es bestehe Optimierungsbedarf, um Paderborn auch in diesem Bereich zukunftsfähig zu machen, "im Sinne von Neuansiedlungen, aber auch im Sinne der Pflege der ansässigen Unternehmen". Mit dem Blick auf mögliche Änderungen gehe jedoch "Qualität vor Schnelligkeit". Ursprünglich sei es das Ziel gewesen, bereits vor den laufenden Etatberatungen Informationen zu haben, um gegebenenfalls Änderungen beim WFG-Budget (bisher rund 400.000 Euro) zu beschließen. Aus Sicht von Reinhard Borgmeier, Fraktionschef der Demokratischen Initiative Paderborn, ist eine Neuausrichtung der WFG notwendig. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Paderborn einem möglichen Strukturwandel stellen muss. Borgmeier fragt, wie sich Paderborn in 30, 40 Jahren entwickeln kann auch jenseits des Schwerpunkts IT. SPD-Fraktionschef Franz-Josef-Henze sagte, die WFG habe sich wie alle in der Verantwortung Stehenden täglich der Frage zu stellen, ob die geleistete Arbeit nicht an der ein oder anderen Stelle verbesserbar sei. Ihm dränge sich dabei "nichts auf, dass der WFG nachhaltig und alleinverantwortlich zuzuordnen" sei.

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