Gewinnerin Vanessa von Dahlen hatte am Ende das meiste Geld in ihrem Sparschwein. - © lvn
Gewinnerin Vanessa von Dahlen hatte am Ende das meiste Geld in ihrem Sparschwein. | © lvn

Paderborn "Kunst gegen Bares" in der Kunstwerkstatt

Künstler präsentieren ihr Talent in der Kulturwerkstatt.
 Die Zuschauer entscheiden letztlich über den Gewinner

Paderborn. Egal ob Zauberei, Poetik oder Tanz – hier ist jedes Talent willkommen: Am Mittwochabend lud der bekannte Kulturveranstalter Karsten Strack Künstler in die Kulturwerkstatt, um beim Wettbewerb „Kunst gegen Bares“ das Publikum mit kreativen Ideen zu begeistern. Dabei hat jeder Künstler ein eigenes Sparschwein, das nach den Auftritten darauf wartet, gefüllt zu werden. Wer am Ende das meiste Geld zählt, wird das sogenannte Kapitalistenschwein des Abends. Anfang des Jahres hat Karsten Strack das innovative Konzept nach Paderborn geholt. Für ihn ist „Kunst gegen Bares“ eine neue Form, die Wertschätzung für Künstler zum Ausdruck zu bringen. Ursprünglich kommt das Konzept aus Köln und hat sich mittlerweile dort und auch in vielen weiteren deutschen Städten fest im Kulturprogramm etabliert. „Ich sehe das Ganze als Versuch an und glaube, dass sich das Konzept allmählich in Paderborn rumspricht und auch gut weiterlaufen wird“, erzählt Strack. Das Besondere an dieser neuen Form sei in erster Linie der bunte und kurzweilige Stilmix der Künstler. Am Mittwochabend kamen rund 70 neugierige Showliebhaber in die Kulturwerkstatt. Allerdings mussten sie anfangs viel Geduld mitbringen, denn kurz vor Beginn der Show musste Karsten Strack sein Improvisationstalent unter Beweis stellen: vier von sechs Künstlern hatten abgesagt. Spontan suchte Strack nach Ersatz. Dean Ruddock und Jennifer Uelfer präsentierten spontan jeweils einen eigens verfassten Text im Stil eines klassischen Poetry Slams. Ruddock erzählte mit ruhiger aber ausdrucksstarker Stimme, wie es sich anfühlt, erwachsen zu werden und Bekannte oder Freunde aus der Kindheit wieder zu treffen. Er stellte sich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, an alte Zeiten anzuknüpfen und inwieweit man das selber eigentlich möchte. Jennifer Uelfer hingegen sprach über Liebe und die Hoffnung, jemanden zu finden, der einen so akzeptiert, wie man ist – mit allen Ecken und Kanten. Dabei verglich sie die Liebe mit einem Kieselstein. Es gibt zahlreiche kalte Steine, doch wenn man den einen findet, der zu einem passt und ihn in die Hand nimmt, dann wird er warm. Der Paderborner Student David Wedegärtner verzauberte das Publikum mit magischen Tricks. Passend zum Motto des Abends „Kunst gegen Bares“ verwandelte er einen 20 Euro Schein mit einer Handbewegung in einen 50 Euro Schein. Und auch sein Outfit wechselte der Hobbyzauberer in einem Atemzug vom Hemd zum Superman Shirt. Außerdem ließ er Zuschauerin Hannah ungläubig gucken, als er ihr genau die Skatkarte präsentierte, die Hannah sich zuvor ohne sein Wissen ausgesucht hatte. Ganz spontan wurden zwei alte Paderborner Kulturhasen dann vom Zuschauer zum auftretenden Künstlerersatz: Der Maler Herman Reichold brachte in Windeseile lustige Katzen, Gänse und Frösche mit schnellen Strichen auf eine improvisierte Leinwand. Angefangen vor über 30 Jahren mit Vogelmotiven für Postkarten entschied Reichold sich irgendwann von seinem eigentlich rundlichen Malstil zu geraden Linien zu wechseln. Heute führt er damit ein erfolgreiches Atelier in Paderborn und gibt immer wieder Workshops für Interessierte. Kabarettist Stani präsentierte einige kurze Passagen aus seinem neuen Programm „Wir hatten ja nichts“ und sprach darüber, wie es früher war, als man für neue Gläser nicht schnell zu Ikea fahren konnte. Letztlich überzeugte aber Valeska von Dahlen die Mehrheit des Publikums. Sie präsentierte ihre eigens kreierte Schwarzlicht-Tanzchoreografie, die sie allein im Aufbau über zweieinhalb Stunden gekostet hatte. Zu ständig wechselnder Musik und in unterschiedlichen Outfits heizte von Dahlen den Zuschauern mit passenden Lichteffekten ein. Ihr Sparschwein zählte am Ende über 57 Euro. „Ich freue mich riesig, dass heute Abend so viele Leute gekommen sind“, erzählt sie anschließend glücklich. Die nächste Runde „Kunst gegen Bares“ gibt es am Mittwoch, 11. November um 20 Uhr, ebenfalls in der Kulturwerkstatt.

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