Paderborn Vom Bruder zum Weihbischof

Festakt: An diesem Sonntag wird Dominicus Meier im Dom geweiht. Er ist der erste Ordensvertreter seit 250 Jahren, der im Erzbistum Paderborn diese Würde tragen wird. Die Gläubigen verbinden damit ganz spezielle Hoffnungen

Holger Kosbab

Paderborn. Der künftige Weihbischof Dominicus Meier (56) schreibt schon vor seiner Weihe ein Stück Bistumsgeschichte: Mit ihm wird erstmals seit 250 Jahren wieder ein Benediktiner - und damit ein Ordenbruder - die Bischofswürden im Erzbistum Paderborn haben. Erzbischof Hans-Josef Becker wird die Weihe an diesem Sonntag um 15 Uhr im Paderborner Dom spenden. In Weihbischof Dominicus - so möchte er genannt werden - setzen fachkundige und interessierte Gläubige spezielle Hoffnungen. Vor allem aber wird er an Taten gemessen werden. Alle Ordensgemeinschaften haben und hatten innerhalb der katholischen Kirche Freiraum. Und bis zum 16. Jahrhundert war es in Paderborn durchaus üblich, dass Ordensleute Bischof wurden. Dominikaner, Minoriten, Augustiner Chorherren und Benediktiner, die allein drei residierende Bischöfe und fünf Weihbischöfe stellten: Der bislang letzte war Weihbischof Franz Joseph Graf von Gondola (1752 bis 1764). Für Annika Manegold, Vorsitzende des Diözesankomitees, der obersten Institution der katholischen Laien im Erzbistum, wird es die erste Bischofsweihe sein, an der sie teilnimmt. Die Wahl von Weihbischof Dominicus findet sie wie auch der ganze Vorstand "ziemlich gelungen". Mit ihm komme ein Weihbischof von einem anderen Schlag, sagte Manegold. Im Trio mit den beiden anderen Weihbischöfen Matthias König und Hubert Berenbrinker sei es eine gute Mischung. Manegold habe Weihbischof Dominicus als Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) für den Diözesanverband Paderborn schon früher einmal bei einer Firmung kennengelernt. Dabei habe sie den Eindruck eines Mannes gewonnen, der auf Menschen zu gehe, sich für Ehrenamtliche interessiere und sich auf die Basis besinne. Ob sich dieser Eindruck manifestiere, werde sich zeigen. "Man muss Leuten die Chance geben, in ihrer neuen Rolle anzukommen", sagte Manegold. Dennoch werde sie die Arbeit "konstruktiv beäugen". Immerhin gehe es darum, dass die Katholiken im Erzbistum auch "gut vertreten sind". Ohne jegliche Vorschlusslorbeeren startet der neue Weihbischof aus der Sicht Manfred Dümmers, Sprecher der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche", in sein Bischofsamt. "Ich lasse mich nur noch positiv überraschen", sagte er. Dies gelte jedoch für alles und alle in der katholischen Kirche. Auch er habe den Weihbischof Dominicus anlässlich einer Firmung in Bielefeld kennengelernt. Bei diesem Anlass sprach er ihn auf eine mögliche Öffnung der Kirche als Reaktion auf eine sich verändernde Gesellschaft an. "Da wirkte er Reformen gegenüber nicht aufgeschlossener als andere Kirchenvertreter", sagte Dümmer. Für Dümmer ist das kein Wunder: "Das Paderborner Domkapitel kann ja Vorschläge machen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die einen wählen, der nicht auf der Linie des Erzbischofs ist." Dümmer kritisiert auch die fehlende Transparenz des Verfahrens. Dies sei bei der evangelischen Kirche anders. Paderborn sei innerhalb der deutschen Bistümer eines der traditionelleren und konservativeren, betonte Dümmer. Interessant werde daher, wie Paderborn sich bei der Familiensynode der katholischen Kirche im Oktober in Rom verhalte. Dümmers Eindruck ist, dass vom Erzbistum keine Unterstützung zu erwarten sei hinsichtlich der von Papst Franziskus gewünschten leichten Öffnung. Vom neuen Weihbischof, der aus einem Orden und damit von außen komme, erwarte Dümmer jedoch etwas mehr Progressivität. Weihbischof Dominicus hatte von 2001 bis 2012 als Benediktinerabt ein Kloster in Meschede-Königsmünster geleitet. So ein Orden habe viel Freiraum, sagte Dümmer. Doch gemessen werden müsse er an seinen Taten. Der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn, Josef Meyer zu Schlochtern, glaubt, dass Weihbischof Dominicus als Benediktiner besonders sensibel ist für die Ordensgemeinschaften im Erzbistum. "Ich hoffe, dass er darauf auch sein Augenmerk richtet." Orden seien Lebenszentren der Kirche, da könnten Impulse gesetzt werden. Über die Ordensseite hinausgehend erwarte Meyer zu Schlochtern vom neuen Weihbischof, "dass er einen offenen wissenschaftlichen Blick hat und die Bedeutung der Theologie und das Anliegen unserer Fakultät einzuschätzen weiß - und vielleicht auch unterstützen und fördern kann". Meyer zu Schlochtern habe den Weihbischof als kommunikativ und humorvoll kennengelernt. "Und ich glaube, dass er nicht sofort gefrustet ist, wenn etwas mal nicht gleich läuft." "Weihbischof Dominicus ist ein hervorragender Kirchenrechtler und ein menschlicher Mitbruder", sagte Abt Aloysius Althaus aus der Abtei Königsmünster. Und er habe die Klostergeschäfte gut geführt. Während seiner Zeit wurde das Abteiforum angestoßen mit einer Mensa für die Schüler des Benediktiner-Gymnasiums und Räumen für Veranstaltungen sowie Ausstellungen. Besonders gut gearbeitet habe der neue Weihbischof bei der Vernetzung des Klosters in die Erzdiözese. Offenbar so gut, dass die Benediktiner jetzt an oberster Stelle vertreten sind.Wappen Das Wappen von Weihbischof Dominicus ist geteilt und halb gespalten. Das obere Feld bildet ein goldenes Kreuz auf rotem Grund, das Wappen des Erzbistums. Das kurkölnische Kreuz auf silbernem Grund und die Christuskrone aus dem Wappen seiner früheren Wirkungsstätte in Meschede sind im heraldisch rechten Feld dargestellt. Der Weihbischof stammt aus Lennestadt-Grevenbrück, einem Ort, der zum kurkölnischen Sauerland gehörte. Die heimische Heckenrose mit ihren fünf weißen Herzblättern und der goldenen Mitte auf blauem Grund im heraldisch linken Feld symbolisiert als Gabe und Aufgabe die Verbundenheit der Menschen mit Gott. Als „Weiße Rose“ ist sie eine herausfordernde Erinnerung an das mutige Eintreten von Studenten im nationalsozialistischen Deutschland für das Recht und die Würde des Menschen. Die Wappenzier besteht bei einem Bischof aus einem Kreuz und dem niedrigen geistlichen Hut mit breiter, flacher Krempe, aus dem an zwei verschlungenen Kordeln Quasten hängen. Der Wahlspruch „PER CHRISTUM CONGREGAMUR“ lautet übersetzt: „Durch Christus werden wir zusammengeführt.“Zeichen des Amtes An diesem Sonntag erhält Weihbischof Dominicus seine Pontifikalien, die Zeichen seines Amtes: Stab, Ring, Mitra, Brustkreuz. Der Stab besteht aus einer Krümme aus Silber und einem Holzstab aus Räuchereiche. Er wurde von der Silberschmiede Schnorrenberg in Paderborn gefertigt und erinnert in Gestaltung und Form an den Abtstab der Abtei Königsmünster in Meschede, wo er bis 2013 Abt war. Sein neuer Bischofsstab ist für den Weihbischof ein Zeichen der Verbundenheit mit seinem Orden. Die Mitra wurde von Schwester Ruth ( Benediktinerinnen-Abtei Unserer Lieben Frau in Varensell) gefertigt. Sie ist ein Geschenk der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul zu Paderborn, mit denen Weihbischof Dominicus täglich die Messe feiert. Das Brustkreuz ziert ein Kreuz-Stein aus Ruanda. Während seiner Habilitation im Fach Kirchenrecht lebte der neue Weihbischof bei den Clemensschwestern in Münster und eine in dem afrikanischen Land tätige Schwester schenkte ihm den Stein. Die vom Kreuz-Stein ausgehenden goldenen Linien im Bischofskreuz sind Symbol der tiefen und lebendigen Verwurzelung in Jesus Christus. Das Kreuz trug der neue Weihbischof bereits in Königsmünster. Der Bischofsring greift die goldenen Linien des Kreuzes auf. Zentrales Motiv ist die Christuskrone aus dem Wappen der Abtei Königsmünster. Ein ehemaliger Mitschüler des neuen Weihbischofs, der Goldschmiedemeister Rolf Seidenstücker aus Grevenbrück, hat das Brustkreuz und den Ring 2001 gefertigt anlässlich der Abtbenediktion von Weihbischof Dominicus.

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