Studenten aus Cardiff sammeln Grabungserfahrungen: Hier legen sie Gruben frei, die unter anderem früher zur Konservierung von Getreide genutzt wurden. - © Jana Tessaring
Studenten aus Cardiff sammeln Grabungserfahrungen: Hier legen sie Gruben frei, die unter anderem früher zur Konservierung von Getreide genutzt wurden. | © Jana Tessaring

Paderborn Britische Studenten legen Grubenhäuser frei

Grabungsarbeiten am Landeshospital sind im vollen Gange/ Keramiktopf aus dem 9. Jahrhundert gefunden

Jana Tessaring

Paderborn. Acht Studenten aus Cardiff im britischen Wales helfen zurzeit bei der Fortsetzung der Ausgrabungsarbeiten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Landeshospital in der Kisau. Mit ihren Werkzeugen tragen sie behutsam dünne Erdschichten ab und entdecken immer wieder Umrisse von halbunterirdischen Grubenhäusern, die sie detailliert auf Zeichnungen festhalten. Ihr neuester Fund: Ein fast vollständiger bauchiger Keramiktopf, den Kai Mückenberger, örtlicher Grabungsleiter, auf das 9. Jahrhundert datiert. Jens Oliver Mühlenbein hat ihn gefunden. Er ist einer von zwei Praktikanten des Museums in der Kaiserpfalz, die zusammen mit den britischen Studenten auf den neu eröffneten Grabungsflächen arbeiten. Die Grubenhäuser stammen teilweise aus den ersten fünf Jahrhunderten nach Christus. In diesen halbunteririschen Holzhütten lebten und arbeiteten die Menschen. Darüber hinaus fanden sich Zeugnisse aus der Zeit der ersten Siedlungsgründung, die unter Karl dem Großen stand. "Die Grabungen hier geben einen Einblick in alle Zeitperioden, mit Ausnahme der Steinzeit", erklärt Mückenberger. Die Studenten der School of History, Archaeology and Religion der Cardiff Universität und ihre beiden Betreuer haben die Exkursion nach Deutschland selbst organisiert und in eigener Regie umgesetzt. Erfahrungen mit den hiesigen Arbeitsmethoden zu sammeln gehört zu ihren Studieninhalten. Dabei ist Paderborn nur ein Ziel ihrer Exkursion. Weiter geht es in Bielefeld. Der Kontakt zur Cardiff Universität kam durch das Freilichtmuseum Oerlinghausen zustande. "Solche internationalen Kooperationen sind auch für uns wertvoll, weil sie einen regen Austausch mit den Institutionen ermöglichen", schildert Sveva Gai, Leiterin der Paderborner Stadtarchäologie. Die Arbeit der Studenten wird durch das aktuell anhaltende heiße Wetter erschwert. Abhilfe schaffen sie sich, indem sie Sonnenschirme aufstellen. Peter Forward, Archäologiestudent der Cardiff Universität, findet die Hitze nicht so schlimm. Paderborn scheint es ihm angetan zu haben: "Die Altstadt ist besonders schön." Am Montag gehen die Lehrgrabungen dann mit Studenten aus Bochum und Münster weiter. Interessierte haben am Donnerstag, 13. August, um 16 Uhr die Möglichkeit, die Ausgrabungen am Landeshospital zu besichtigen. Archäologin Sveva Gai wird die Führung leiten. Treffpunkt ist der Eingang des Landeshospitals. Des Weiteren ist eine weitere Ausstellung der Fundstücke im Museum der Kaiserpfalz in Planung.Archäologen entdecken Skelette Die Archäologen fanden auf der Ausgrabungsfläche des Landeshospitals Gräber mit zum Teil komplett erhaltenen Skeletten. Nordwestlich der 1660 geweihten und noch bestehenden Kapelle wurden drei Gräber, in denen Nonnen bestattet wurden, freigelegt. Die Kapelle gehört zu dem 1629 gegründeten Kapuzinessen-kloster. Außerdem haben die Archäologen Mauerreste der ehemaligen Sakristei sowie einen zwei Meter tiefen und vier Meter breiten Hofgraben entdeckt. Die neuen Funde dokumentieren Spuren der karolingischen Besiedlung.

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