Wissenschaftlerin mit Leib und Seele: Sveva Gai zeigt vor dem Josefs-Haus am Busdorfwall, wo die Stadtarchäologie beheimatet ist, die Überreste zweier Krüge. Sie wurden jüngst bei Grabungen im Stadtkern geborgen. - © Jutta Steinmetz
Wissenschaftlerin mit Leib und Seele: Sveva Gai zeigt vor dem Josefs-Haus am Busdorfwall, wo die Stadtarchäologie beheimatet ist, die Überreste zweier Krüge. Sie wurden jüngst bei Grabungen im Stadtkern geborgen. | © Jutta Steinmetz

Paderborn Sveva Gai ist neue Stadtarchäologin in Paderborn

Eine waschechte Römerin wird Nachfolgerin von Sven Spiong

Jutta Steinmetz

Paderborn. Was treibt eine waschechte Römerin aus der erstaunlichsten Stadt des Universums an die Pader? Die Antwort fällt Sveva Gai nicht schwer. Es ist die Archäologie, die Profession der 1961 geborenen Wissenschaftlerin. Sie hat jetzt die Nachfolge von Sven Spiong angetreten und ist Paderborns neue Stadtarchäologin. Und das ist eigentlich gar nicht so erstaunlich, denn die Forscherin ist schon seit vielen Jahren mit der Paderstadt eng verbunden. Dass sie Archäologin werden wollte, sei ihr schon in ganz jungen Jahren klar gewesen, sagt Sveva Gai. "In der Schule hatten wir eine archäologische Gruppe, mit der wir viele Prospektionen unternommen haben. Und in Rom ist überall etwas zu finden." Doch statt sich - wie es in der ewigen Stadt eigentlich auf der Hand liegt - der klassischen Archäologie, also der Erforschung der Antike, zu verschreiben, entschied sich Gai für das Mittelalter. "Aus Neugier." Die trieb sie dann nach dem Studium zunächst nach Aix-en-Provence und für die Promotion - in der sie sich übrigens mit deutschem Glas aus dem 12. bis 18. Jahrhundert beschäftigte - nach Tübingen, bevor sie die Forschung 1994 nach Paderborn in das Kaiserpfalz-Museum führte. Da gab es für die Wissenschaftlerin viel zu tun - wie Aufarbeitung und Publikation der Erkenntnisse, die in den 1960er Jahren Wilhelm Winkelmann bei seiner Ergrabung der karolingischen Kaiserpfalz gewonnen hatte, oder bei den umfänglichen Vorbereitungen der großen Ausstellungen von der Karolinger- bis zur Credo-Schau. Selbst nachdem Sveva Gai 2005 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe nach Münster versetzt wurde, um sich dort vor allem der Bodendenkmalpflege zu widmen, blieb die Paderstadt, in der sie schon längst auch ihre private Heimat gefunden hatte, weiterhin in ihrem beruflichen Fokus. "Ich habe mich hier immer wohl gefühlt", sagt sie. Und so ist ihr die Freude an ihrer neuen Aufgabe deutlich anzumerken, wenn sie von den aktuellen Grabungen auf dem Geländes des ehemaligen Landeshospitals oder auf dem Domplatz erzählt. Aber wohl nicht nur, weil sie spannende Neuigkeiten aus der Paderborner Historie erwartet, sondern auch weil sich die "Archäologie hier fast zu einem Stück Alltag entwickelt hat", sagt Sveva Gai und verspricht, dass auch künftig die Bürger ihre Nasen neugierig in die Gruben der Stadtarchäologie stecken dürfen.

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