Guter Wille und enormes Fachwissen: Peter Witte (Aktionskreis Freie Senne, v. l.), Roland Sossinka, Bernadette Grawe und Uwe Kastens beim 1. Bürgerforum des Aktionskreis Freie Senne. - © Foto: Wolfgang Hofmann
Guter Wille und enormes Fachwissen: Peter Witte (Aktionskreis Freie Senne, v. l.), Roland Sossinka, Bernadette Grawe und Uwe Kastens beim 1. Bürgerforum des Aktionskreis Freie Senne. | © Foto: Wolfgang Hofmann

Paderborn Was nach dem Abzug der Briten aus Sennelager wird

Wolfgang Hofmann

Paderborn-Sennelager. Der Umbruch nach dem Abzug der britischen Streitkräfte aus Sennelager wird viele noch lange beschäftigen. Einmal mehr wurde dies auf der Veranstaltung des Aktionskreises Freie Senne deutlich, zu der die Mitglieder unter dem Thema "Die Zukunft der Senne" am Dienstagabend Interessierte in den Kaisersaal im Hotel Zur Senne eingeladen hatten. Ziel war es, Informationen zu bündeln und den Austausch über Zukunftsperspektiven der Senne und der angrenzenden Orte zu intensivieren. Betroffene sollten miteinander ins Gespräch kommen und ihrerseits Vorstellungen, Ideen oder mögliche Lösungsvorschläge in die Diskussionsrunde einbringen. Dass durchaus Fragen unbeantwortet bleiben würden, dafür baten die Verantwortlichen um Peter Witte um Verständnis, weil kompetente Ansprechpartner aus Verwaltung und Politik fehlten. Zur Perspektive von Sennelager im Jahr 2020 entwarf Uwe Kastens, ehemals Professor an der Uni Paderborn, ein realistisches Bild. Der Ort werde sich nach dem Truppenabzug enorm verändern. Seit über 100 Jahren habe er gut mit und vom Militär gelebt, aber ein schlechtes Imageprofil entwickelt. Als Wohnstadt läge sie unter dem Bundesdurchschnitt. Und ein Viertel aller Wohnungen sei mittlerweile an britische Armeeangehörige vergeben. Die würden letztendlich leerstehen. "Für Sennelager", so Kastens, "wird es keine einfache Konversionslösung geben". Profitieren könne Sennelager am ehesten mit einem, derzeit allerdings noch kontrovers diskutierten, Nationalpark Senne als Nachfolger für den Truppenübungsplatz, so Roland Sossinka, Professor der Biologie von der Uni Bielefeld. Es sei eine weltweit einzigartige "Hot-Spot" Region, deren biologische und geologische Besonderheiten mit allem Einsatz zu beschützen sei. Auch für Fritz Buhr (Pro Grün), sei ein Nationalpark Senne die cleverste Lösung, da sie den Anrainern, und somit auch Sennelager, künftig enormes touristisches Potential bieten und die drei angrenzenden Kommunen finanziell entlasten würde. Weniger die Probleme um eine militärfreie Senne, als vielmehr die eigenen Sorgen und Nöte über die Entwicklung im Ort brachte schließlich das interessierte Publikum in die Runde: Was passiert mit der Kaserne im Ort? Was mit den Wohnungen der Armeeangehörigen? Gibt es konkrete Konversionspläne von der Stadt und wie weit sind die vorangetrieben? Welche finanzielle Unterstützung können wir erwarten? Und, von einer Bürgerin aus dem benachbarten Mastbruch nachgefragt: was geschieht mit Schadstoff- und Munitionsrückständen, wer zeichnet für die korrekte und sichere Entsorgung verantwortlich? Zumindest im letzten Punkt hat der Aktionskreis bereits einen Ansatz gefunden und ist aktiv geworden. Auf Initiative des mittlerweile verstorbenen Bernhard Krewet erstellt der Kreis eine Katasterkarte mit allen bekannten Schadstoffstellen. Weit gefährlicher seien aber, so die Mitglieder des Aktionskreises, die über die ganze Senne verstreuten Rückstände aus den Weltkriegen. Die Stadt Paderborn setze sich mit dem Thema Truppenabzug schon seit langem gewissenhaft auseinander, wusste Fritz Buhr eine weitere Frage zu beantworten. Zudem habe sie sich mit der Beratungsgesellschaft Urban auch offizielle Hilfe mit ins Boot geholt. Über den Fortschritt könne aber auch er nichts sagen. Weitere Fragen blieben danach allerdings unbeantwortet oder konnten nicht mit aktuelleren Ergebnissen belegt werden. Was nicht ganz kritiklos von einem Teil der Besucher hingenommen wurde, die sich doch mehr von der Veranstaltung versprochen hatten. Bernadette Grawe in ihrer Funktion als Moderatorin des Abends nahm die Kritik allerdings gelassen auf und wertete sie als durchaus positiv. Schließlich zeige sie, so die Professorin in ihrer Zusammenfassung, dass die Überlegung, Bürger über das öffentliche Forum in das Thema mit einzubeziehen, vollkommen richtig sei.

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