Forscher aus Leidenschaft: Fast zwölf Jahre lang war Sven Spiong als Stadtarchäologe der Paderborner Geschichte ganz dicht auf den Fersen. Klar, dass der Wissenschaftler bei Grabungen auch immer gern selbst den Kratzer in die Hand nahm, um freizulegen, was die Altvorderen hinterließen. - © Foto: Marc Köppelmann
Forscher aus Leidenschaft: Fast zwölf Jahre lang war Sven Spiong als Stadtarchäologe der Paderborner Geschichte ganz dicht auf den Fersen. Klar, dass der Wissenschaftler bei Grabungen auch immer gern selbst den Kratzer in die Hand nahm, um freizulegen, was die Altvorderen hinterließen. | © Foto: Marc Köppelmann

Paderborn Spiong legt den Kratzer aus der Hand

Wissenschaftler wechselt nach Bielefeld und wird OWLs oberster Archäologe

Jutta Steinmetz

Paderborn. Ob Volksbank-Neubau, Kanalsanierung in der Heierstraße oder Parkplatzbau hinter dem Landgericht - fast zwölf Jahre lang hat Sven Spiong in nahezu jede Grube geschaut, die sich in der Paderborner Kernstadt auftat. Aber nicht aus purer Lust, sondern aus beruflicher Neugier. Schließlich hat der 49-Jährige als Stadtarchäologe die Aufgabe, die Geschichte Paderborns im Blick zu behalten. Doch damit ist Schluss. Sven Spiong wechselt nämlich nach Bielefeld und übernimmt dort die Leitung der Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Der Abschied wird dem promovierten Wissenschaftler wohl nicht ganz leicht fallen. "Super" sei die Zeit an der Pader gewesen. "Es hat viel Spaß gemacht. Jede Grabung war ein neues Erlebnis." Und dabei denkt Sven Spiong ausdrücklich nicht nur an große archäologische Kampagnen wie die im Kötterhagen, als der 49-Jährige zusammen mit seinem Team 18 Monate lang in die Tiefen der Paderborner Geschichte bis in einen Steinbruch aus der Meinwerkzeit hinabstieg und dabei unter anderen historischen Kostbarkeiten einen 600 Jahre alten Gartenzaun, das frühneuzeitliche Privatsiegel eines Paderborner Bürgermeisters sowie etliche feine Lederschuhe aus dem 14. Jahrhundert ans Tageslicht beförderte. 22 Grabungen hat er während seiner Amtszeit betreut und unzählige Male bei kleineren Bauprojekten, die in der Stadt in die geschichtsträchtige Tiefe gingen, alte Mauern, Keller oder Brunnen angeschaut und dokumentiert."Viele interessierte Paderborner" "Was das archäologische Highlight war, das ist schwer zu sagen", schmunzelt Spiong. Aber eins weiß er ganz sicher: "Das Schönste in Paderborn war, dass ich das alles nicht allein erlebt habe, sondern dass viele interessierte Paderborner unsere Arbeit über Jahre hinweg auf Führungen und bei Vorträgen mitverfolgt haben." Denn eins ist für den Wissenschaftler überaus wichtig: "Die Leute müssen sehen und verstehen, was wir machen." Folglich entwickelte Spiong einen archäologischen Stadtrundgang und lud die Paderborner stets zu Besuchen der Grabungen ein. So wie zuletzt auf den Domplatz oder auf das Gelände des Landeshospitals, wo zurzeit noch kräftig gebuddelt wird. Als da zwischen 120 und 140 Archäologie-Fans kamen, "sind wir dann doch an unsere Grenzen gestoßen", sagt Spiong und erzählt schmunzelnd, dass er sich zum Tag des Denkmals von einem Paderborner Bestatter spontan eine Sprechanlage ausleihen musste, um sich den zahlreich herbeigeeilten Geschichtsfreunden akustisch verständlich zu machen. Das Interesse der Menschen, aber auch der Wissenschaft an der Paderborner Archäologie kommt nicht von Ungefähr, findet Spiong. "Die Die Stadt hat ein unheimlich reiches Archiv an Bodendenkmälern. 2.000 Jahre Siedlungsgeschichte haben hier ihre Spuren hinterlassen." Klar, dass die Paderstadt ihren Archäologen nicht noles volens in die Fremde entlässt. In der Woche vor Ostern legten die Experten auf dem Domplatz ein altes Pflaster frei, das aus der Zeit Karls des Großen stammt - ein angemessenes Abschiedsgeschenk also. Paderborner Land bleibt im Fokus Sven Spiongs Stelle in der Stadtarchäologie, die von der Stadt Paderborn finanziert und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) betrieben wird, wird nicht vakant bleiben. Wahrscheinlich wird im Mai bekannt gegeben, wer seine Nachfolge antreten wird. Indes verlässt der 49-Jährige das Paderborner Land nicht ganz. So bleibt er weiterhin mit seiner Familie in Schloß Neuhaus wohnen. Auch beruflich verliert er die Region nicht aus den Augen. Schließlich ist die Außenstelle der Archäologie des LWL für die Betreuung der Bodendenkmäler in ganz OWL verantwortlich. Und da demnächst zum Beispiel in Bad Lippspringe große Baumaßnahmen geplant sind, wo heute Äcker sind, aber weiland Menschen lebten, wird das Knowhow des Wissenschaftlers in seiner alten beruflichen Heimat weiter gefragt sein.

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