Vorredner: Dean Ruddock gehört zum ubiquitären Quintett und erklärt den Sputnik-Besuchern das Showkonzept. - © FOTO: DIETMAR GRÖBING
Vorredner: Dean Ruddock gehört zum ubiquitären Quintett und erklärt den Sputnik-Besuchern das Showkonzept. | © FOTO: DIETMAR GRÖBING

Paderborn Frische Idee ohne Klischee

Das ubiquitäre Quintett stellt originelles Unterhaltungsformat im Sputnik vor

Dietmar Gröbing

Paderborn. Braucht die Welt eine neue Comedy-Show? Wenn sie so unkonventionell ausfällt wie im vorliegenden Fall, dann ja. Braucht Paderborn ein neues Kleinkunstformat im Rahmen einer mehrköpfigen Projektsatire? Durchaus, was der Sonntagabend belegte. Da nämlich trat das ubiquitäre Quintett zum ersten Mal in Erscheinung. Im öffentlichen Raum und wie es sich für ein multimediales Start-up-Unternehmen gehört, im Sputnik. Folglich erwuchs die Riemekekneipe zum Premierenort für fünf Wort-, Klang- und Bildkünstler, die eine Vision in die Tat umsetzten. Poetry, Musik, Videoeinspielungen und Frontalbeiträge fundierten die Live-Performance der fünf Paderborner Otto Farke, August Klar, Anatoli Penner, Dean Ruddock und Philipp Wachowitz. Manchmal solistisch, manchmal im Gleichschritt versuchten sich die Studenten unter anderem an einem Rückblick, der ein Vorausblick war. Per hellseherischer Note wurde das Jahr 2015 elf Monate vor seinem Ende bilanziert. Dafür braucht man entweder eine Glaskugel, eine Zeitmaschine oder jede Menge Humor. In Ermangelung erstgenannter Utensilien griff die Gruppierung auf letzteres zurück, erkannten die Herren doch in ihrem Thema die Chance auf wissenschaftlich fundierten Blödsinn. Der erfordert statt mathematischer Beweise lediglich Mut – den Mut sich selbst und seinen Gegenstand auf die Schippe zu nehmen. Also konzentrierte sich Anatoli Penners Vorhersage auf die Dinge, die garantiert nicht eintreten: „Studenten beenden ihr Studium innerhalb der Regelzeit; die Welle der Fortsetzungsfilme ebbt ab und es gibt endlich haltbare Akkus.“ Womit die Überleitung zum nächsten Block hergestellt war. Dean Ruddock erkundigte sich per Campusumfrage nach den „Lieblingsängsten der Studierenden im Jahr 2015“. Zahlreiche zeitlose Phobien wurden genannt, denn „Mathe, Weltkrieg 3, Höhenangst und Spinnen“ haben alle Jahre wieder Hochkonjunktur. Einzig die Antwort „Eiscreme“ fiel aus dem schockgefrorenen Rahmen. Eiskaltes ließ sich auch August Klars Poetry-Slam-Beitrag entnehmen. Nach Befragung seiner „fragmentierten Klangschale“ kam August Klar zu dem Schluss dass „2015 alles beim Alten bleibt“. Warum? „Weil wir uns auch in 1.000 Jahren noch lieben und abschlachten werden.“ Zeit, um das Gesagte musikalisch zu manifestieren, woraufhin August Klar, Philipp Wachowitz und Otto Farke zu ihren Instrumenten griffen. Ein (Anti-)Lovesong hatte sich die „Band, das Brot“ betitelte Gruppierung ausgedacht. Folglich wartete man(n) geduldig auf die Angebetete, doch „nichts geschieht und nichts wird besser“. Was nur die halbe Wahrheit war, denn „Dean or No Dean“ band das Publikum aktiv in die Show ein. Es durfte gerätselt werden. Über eine nächtliche Pinkelattacke in der Königstraße. Hatte sich ein bekiffter Student tatsächlich auf den Kopf eines britischen Mitbürgers erleichtert? Die Antwort kennt nur der Gott des (Fremd-)Urins. Und natürlich Philosophenpapst Theodor Adorno: „Kunst ist Magie ohne Wahrheitsanspruch.“ Das ubiquitäre Quintett tritt am Sonntag, 8. März, erneut in Erscheinung. Wieder im Sputnik, wieder ab 20 Uhr.

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