Mittendrin: Jonas (9) und Elise (8) kamen mit ihrer Gruppe aus dem Pastoralverbund Nord-Ost zum Auftakt des Dreikönigssingens. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Mittendrin: Jonas (9) und Elise (8) kamen mit ihrer Gruppe aus dem Pastoralverbund Nord-Ost zum Auftakt des Dreikönigssingens. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn Kinder singen gegen den Hunger

2.500 Sternsinger treffen sich erstmals in Paderborn / Ernährung auf den Philippinen im Fokus

Katrin Clemens

Paderborn. Als moderne Nachfolger von Caspar, Melchior und Balthasar haben rund 2.500 Sternsinger das Dreikönigssingen eröffnet. Von Paderborn aus tragen sie den Segen in der kommenden Woche bundesweit von Tür zu Tür und sammeln Spenden. Im Blickpunkt sollen dabei die Kinder auf den Philippinen stehen. Für Maja, Nina und Ricarda geht ein wahrhaft königliches Jahr zu Ende. Anfang Januar standen sie noch mit Krone auf dem Kopf neben Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin, nun haben sie zur Eröffnung des Dreikönigssingens 2015 stellvertretend für alle Sternsinger aus dem Erzbistum Paderborn eine goldene Sternschnuppe durch die Straßen getragen. Obwohl viele Gleichaltrige ganz andere Dinge im Kopf haben, ziehen die dreizehnjährigen Mädchen gerne mit ihrem Stern von Tür zu Tür. Schließlich geht es um etwas. „Wir wollen für die Kinder auf den Philippinen sammeln, damit sie annähernd so leben können wie wir“, sagt Maja. Fast jedes vierte Kind auf den Philippinen ist nach Angaben des Kindermissionswerks untergewichtig. Die Philippinen sollen als Beispielland im Mittelpunkt stehen – die Hilfe soll jedoch weltweit verteilt werden. Jedes Jahr sterben rund 2,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Mangel- oder Unterernährung. „Diese Zahlen sind erschreckend, insbesondere wenn man bedenkt, dass theoretisch genug Nahrung für alle Menschen auf der Welt da wäre“, sagt Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks. Mit dem Dreikönigssingen will die katholische Kirche ein Zeichen gegen diese ungleiche Verteilung setzen. Im vergangenen Jahr sammelten die Sternsinger insgesamt 44,5 Millionen Euro, in allen 27 Diözesen waren junge Könige unterwegs. Allein im Bistum Paderborn kamen knapp 2,6 Millionen Euro zusammen. Hinzu kommen weitere Spenden, die direkt in den Etat des Kindermissionswerks fließen. Mehr als 63 Millionen Euro konnten so im vergangenen Jahr weltweit investiert werden. Mit den Spendengeldern finanziert die Kirche Projekte zu sozialer Integration, kirchlicher Arbeit, Bildung, Ernährung und Gesundheit. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in Afrika, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Asien. Das Erzbistum Paderborn empfing nun zur Eröffnung des Dreikönigssingens 2015 Gäste aus ganz Deutschland, darunter Gruppen aus Münster, Essen, Fulda und Mainz. Trotz Nieselregen und Kälte kamen sie alle auf dem Rathausplatz zum Auftaktkonzert der Kinderrockband „Randale“ zusammen. „Ihr zeigt ein Beispiel dafür, dass Solidarität in unserer Gesellschaft immer noch einen hohen Stellenwert hat“, sagte Bürgermeister Michael Dreier bei der Begrüßung. Die beeindruckende Zahl von 2.500 Sternsingern beeindrucke ihn umso mehr, als dass er den Rathausplatz zuletzt bei der Aufstiegsfeier des SC Paderborn so gut gefüllt gesehen habe. Im Paderborner Dom feierten die Sternsinger später einen Gottesdienst mit Erzbischof Hans-Josef Becker und Weihbischof Matthias König. Trotz sinkender Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen, sich am Sternsingen zu beteiligen, ist König positiv eingestellt. „In vielen Pfarreien ist das immer noch ein Selbstläufer“, sagte er. Dort, wo es an Nachwuchs mangele, setzten sich auch Erwachsene die Krone auf.

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