Der Unternehmenssitz von Morpho Cards im Paderborner Gewerbegebiet "Campus an der Talle". - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Der Unternehmenssitz von Morpho Cards im Paderborner Gewerbegebiet "Campus an der Talle". | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn Morpho Cards verlässt Paderborn

140 Software-Experten verlieren Job

Björn Vahle

Paderborn. Der Chipkartenhersteller Morpho Cards hat überraschend angekündigt, den Entwicklungsstandort in Paderborn Mitte kommenden Jahres schließen zu wollen. Grund ist laut Geschäftsführer Holm Neuhäußer der hohe Wettbewerbsdruck. 140 Mitarbeiter des früheren Software-Entwicklers ORGA Kartensysteme verlieren ihren Arbeitsplatz. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter begründete Neuhäußer die Schließung damit, dass das Unternehmen seine Produkte schneller verfügbar machen wolle. Deshalb soll die Entwicklung und Forschung künftig in Frankreich gebündelt werden. Dort sitzt der Mutterkonzern Safran, der auf Sicherheitssysteme in Ausweisdokumenten bis hin zur Gesichtserkennungssoftware spezialisiert ist. "Insbesondere die Standardprodukte wie SIM-Karten unterliegen einem hohen Wettbewerbsdruck. Dies führt dazu, dass die Preise kontinuierlich sinken", sagte Neuhäußer. Um dem entgegenzuwirken, müsse Morpho die Produkte ständig und schnell den neuen Kundenanforderungen anpassen. Das sei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Teil der "Erweiterung der Strategie" von Morpho sei deshalb auch der Ausbau des firmeneigenen Entwicklungszentrums in Indien.Umfimierung 2010 Das Paderborner Unternehmen (früher ORGA Kartensysteme) hatte seit seiner Gründung 1984 Software unter anderem für EC- und SIM-Karten für Mobiltelefone entwickelt. 2005 war es von Sagem Securité übernommen worden. 2010 folgte die Umfirmierung der Sparte in den Markennamen "Morpho". Ein Jahr später wurde auch Sagem ORGA in Morpho Cards umbenannt. Für eine persönliche Stellungnahme war Neuhäußer nicht erreichbar. Aktuelle Umsatzzahlen gebe das Unternehmen grundsätzlich nicht heraus, teilte Unternehmenssprecherin Sonja Risse auf NW-Anfrage mit. Laut Bundesanzeiger lag der Umsatz des Gesamtunternehmens 2011 mit damals fast 2.700 Mitarbeitern bei knapp 390 Millionen Euro. 2003 hatte das Unternehmen (damals noch ORGA) zusammen mit IBM und SAP die technische Konzeptionierung und Einführung der europäischen Gesundheitskarte (eGK) begleitet.

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