Paderborn Beeindruckendes Hörerlebnis

Marienvesper zum Jubiläum der Theologischen Fakultät begeistert das Publikum

VON GUNTHER GENSCH

Unter der musikalischen Gesamtleitung von Thomas Berning brillieren das Johann-Rosenmüller-Ensemble aus Leipzig, zwölf Gesangssolisten und die Antiphon-Sänger der Schola Gregoriana am Hohen Dom zu Paderborn. - © FOTO: GUNTHER GENSCH
Unter der musikalischen Gesamtleitung von Thomas Berning brillieren das Johann-Rosenmüller-Ensemble aus Leipzig, zwölf Gesangssolisten und die Antiphon-Sänger der Schola Gregoriana am Hohen Dom zu Paderborn. | © FOTO: GUNTHER GENSCH

Paderborn. Die Theologische Fakultät der Universität Paderborn feiert ihr 400-jähriges Bestehen. Zur Eröffnung der Jubiläumsveranstaltungen gab es am Sonntag in der Marktkirche als Festkonzert die "Vespro della Beata Vergine, Marienvesper" von Claudio Monteverdi (1567-1643).

Musik der Renaissance verbreitet Feierlichkeit und geheimnisvolle Stimmungen, besonders dann, wenn sie auf Instrumenten erklingt, die aus der damaligen Zeit stammen. Das Johann-Rosenmüller-Ensemble aus Leipzig unter Arno Paduch spielt auf Zink, Dulzian und Chitarrone, ergänzt durch historische Trompeten und Posaunen. Auch Violine und Viola klingen strenger als die heutigen Prototypen, insgesamt entsteht ein Klangbild hoher Transparenz und strahlender Pracht.

Die Vesper als musikalische Abendandacht umfasst traditionell fünf Psalmen, deren Zusammenstellung nach den Anlässen des Kirchenjahres erfolgt, Monteverdi umrahmt die Psalmvertonungen zur Lobpreisung der Gottesmutter mit weltlichen Gesängen – "Concerti" –, die außerhalb der liturgischen Ordnung stehen.

Unter der Leitung von Thomas Berning singen vier Sopran-Solistinnen und weitere acht Männerstimmen, das gewichtige Werk wird vervollständigt durch die Antiphon-Sänger der Schola Gregoriana am Hohen Dom zu Paderborn. Spannung und Faszination charakterisieren die Aufführung in der voll besetzten Universitätskirche von Anfang an, wenn im Invitatorium der Ruf erschallt: "O Gott, komm mir zu Hilfe!" Die festliche Fanfare der Fürsten von Mantua ist musikalischer Auftakt und leitet zum "Gloria, Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist".

Das hohe Kirchenschiff ist erfüllt von orchestralem Jubel, dann folgt in klösterlicher Gregorianik der antiphonische Gesang, die hoch spezialisierten Stimmen erscheinen sorgfältig abgestuft und schaffen friedvolle Atmosphäre. Die "Concerti" gestaltet Thomas Berning mit Sinnlichkeit und Leidenschaft kontrastreich zu den inhaltsschweren Psalmen, mit funkelndem Sopran besingen Ina Siedlaczek und Monika Mauch im Wechselgesang die Lieblichkeit der Tochter Jerusalems. Stilvolle Übergänge und Pausen zwischen den Sätzen erhöhen die emotionale Neugier und Nachhaltigkeit, in der Stille nehmen die Herren der Schola Gregoriana Aufstellung zum Gegengesang: "Mein König liebt mich und hat mich in sein Brautgemach geführt."

Vielfältige kompositorische Techniken Monteverdis finden ihren Ausdruck in der differenzierten Vertonung der Psalmen; Streicher, Flöten und Blechbläser akzentuieren einzelne Passagen, die Mitglieder des Johann-Rosenmüller-Ensembles erzeugen fast neutönerische Klangeffekte. So wirkt das Concerto "Duo Seraphime" schwebend temperiert mit den Tenören Georg Poplutz und Nils Giebelhausen, geschmeidig und virtuos in den Koloraturen entfalten sich die Gesangsstimmen. Dynamische Arrangements und wechselnde Standorte einzelner Musiker und Sänger bescheren tiefgreifende Hörerlebnisse, ein überragendes Werk abendländischer Kirchenmusik fesselt das honorige Publikum, es gibt rote Rosen und lang anhaltenden Applaus für die Künstlerinnen und Künstler.

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