Paderborn "Stoppt den Terror"

Jesiden und Christen gedenken mit einer Mahnwache allen Opfern der Terrormiliz im Irak

Diese junge Frau erinnert mit einem Foto an das Blutvergießen in der irakischen Region Shingal, einer Hochburg der Jesiden. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Diese junge Frau erinnert mit einem Foto an das Blutvergießen in der irakischen Region Shingal, einer Hochburg der Jesiden. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. "Es lebe Shingal" tönt es in Sprechchören über den Rathausplatz. "Wir wollen Frieden", rufen mehrere hundert Menschen bei der Mahnwache der jesidischen Gemeinde Paderborns für die Opfer im Nordirak: In der vor allem von Jesiden bewohnten kurdischen Region Shingal fliehen noch Zehntausende vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Richtung Syrien.

"Tausende Menschen wurden bereits ermordert. Wir gedenken aller Opfer, nicht nur der Jesiden, die getötet, verdurstet, vergewaltigt oder entführt worden sind", sagt der Jeside Zeya Mirza. Etwa 50 bis 100 jesidische Familien leben in Paderborn, schätzt der 28-Jährige, der in der Domstadt Lehramt studiert und die Veranstaltung organisiert hat.

Die Jesiden (auch Yeziden oder Eziden) sind eine Minderheit unter den mehrheitlich muslimischen Kurden. "Aber IS-Terroristen verfolgen alle Minderheiten, die nicht in ihr Weltbild passen", klagt Zeya Mirza an: "Wir sind hier, um die Menschheit zu mahnen, Kriege und Terrorismus zu verhindern." Und Solidarität mit den bedrohten Menschen zu zeigen, sagt Christin Ninwa Aras (22) am Mikrofon.

Im Nordirak sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen gegenwärtig noch Zehntausende der unmittelbaren Gefahr von Massakern durch die extremistischen Kämpfer der IS ausgesetzt. "Stoppt den Völkermord" steht am Rathaus in großen Buchstaben auf Plakaten, oder "Schützt die Jesiden im Irak". Auf der Treppe ist ein Meer aus Blumen und Lichtern für die Opfer entstanden, während die Teilnehmer laut fordern: "Stoppt den Terror!".

Unterstützung signalisieren auch Vertreter aller Parteien. "Solidarität ist wohl das Mindeste", betonte die neue CDU-Ratsfrau Sonja Ergin. "Wir wollen nicht Hass predigen, aber wir können, wollen und dürfen nicht wegschauen", fordert sie eine Schutzzone für Minderheiten im Irak. Ein "humanitären Korridor" müsse aufgebaut werden, um die Menschen in Sicherheit zu bringen, appelliert Sigrid Beer, Landtagsabgeordnete der Grünen, und setzt auf politischen Druck und Soforthilfe für die betroffenen Menschen. Mit politischer Hilfe könnten die Verhältnisse in der Region nachhaltig stabilisiert werden, betont ebenso SPD-Ratsherr Martin Pantke.

Den Stopp von Waffenlieferungen an Länder wie Saudi-Arabien, Katar und die Türkei fordert Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete der Linken. "Wir verlangen von Deutschland das Ende von Rüstungsexporten in diese Länder, die die Terroristen unterstützen", betont auch Zeya Mirza.

Es sei "zynisch", wenn es hieße, Deutschland liefere keine Waffen in sogenannte Krisengebiete, moniert Thomas Schroedter vom Projektbereich "Eine Welt" an der Uni. Und Ressourcen wie Wasser oder Öl dürften nicht dazu dienen, einigen Wenigen Macht und Reichtum zu verschaffen, sondern müssten allen Menschengehören: "Das wäre ein wirklicher Schritt in der Bekämpfung fundamentalistischen Terrors gleichgültig welcher Färbung".

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