Mariam Ben Chagra, Anja Dirkes, Matthias Surall, Prof. Dr. Helga Kuhlmann und Prof. Dr. Nikolaus Risch (v. l.) schauen sich den Raum der Stille an. - © FOTO: ANDREAS GÖTTE
Mariam Ben Chagra, Anja Dirkes, Matthias Surall, Prof. Dr. Helga Kuhlmann und Prof. Dr. Nikolaus Risch (v. l.) schauen sich den Raum der Stille an. | © FOTO: ANDREAS GÖTTE

Paderborn Oase für Gebet und Glauben

Uni eröffnet Raum der Stille für alle Religionsgemeinschaften im Mensagebäude

VON ANDREAS GÖTTE

Paderborn. Ruhe ist im studentischen Alltag an der Universität in Paderborn eher ein Fremdwort. Die Jagd nach Leistungsnachweisen sorgt mitunter für enormen Leistungsdruck. Doch seit diesem Semester gibt es einen Ort der Ruhe. Im Mensagebäude wurde gestern der Raum der Stille offiziell eröffnet.

In ihm können die Mitglieder der Uni aller Religionsgemeinschaften ein Stück weit ihren Glauben leben, beten, meditieren und zu sich selbst finden. Das Angebot ist auch für Nichtgläubige offen, um eine Rückzugsmöglichkeit zu geben.

Die Idee stammt vom Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaft an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Für Dekan Prof. Dr. Volker Peckhaus ist das neue Angebot ein Zeichen der neuen Uni. Vor zehn Jahren hätte so etwas noch keinen Erfolg gehabt.

Der Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde, Matthias Surall, freute sich über "einen klar definierten Raum für die Religionsausübung". Die Gemeindereferentin der Katholischen Hochschulgemeinde, Anja Dirkes, hätte sich einen Raum mit Fenstern und einer stillen Lüftung gewünscht. Mit Hilfe von Fördergeldern und Kunststudenten soll der Raum noch verschönert werden.

Für Uni-Präsident Prof. Dr. Nikolaus Risch fördert das neue Rückzugsgebiet auch den Dialog der Kulturen und sorgt für ein besseres Verständnis.

Die Zeiten, in denen die Muslime an der Uni in dunklen Kellernischen beten mussten, sind auch vorbei. Diese Zustände bemängelte gestern noch einmal Mariam Ben Chagra, Sprecherin vom Deutschsprachigen Multinationalen Muslimkreis. Seit langem habe man einen angemessenen Gebetsraum gefordert, sagte sie. Wer zu innerem Frieden komme, könne Aufgaben besser erledigen.

Kulturreferent David Martinez Leon freute sich über "einen Ort der Begegnung, um zu innerer Gelassenheit zu kommen", so das Mitglied des Allgemeinen Studierendenauschusses (Asta). Die religiöse Vielfalt brauche einen Platz an der Uni. Für Jörg Sickelmann von der Psychosozialen Beratung der Uni ist der neue Raum unter anderem auch ein Platz für Träume, welche die Kreativität fördern könnten.

Seit Beginn des Sommersemesters wird der Raum für Stille in der Uni gut angenommen. "Der Raum ist einfach zu klein. Ich fände es auch besser, wenn die Glaubensgemeinschaften jeweils einen separaten Raum bekämen", meint Doktorand Ahmed Shaban (32).

Nach Angaben von Initiatorin Prof. Dr. Helga Kuhlmann soll der Raum nur eine Übergangslösung darstellen. "Nach der Renovierung des J-Gebäudes werden wir dort einen größeren Raum beziehen", erläutert Kuhlmann.

Der neue Raum darf auch für Rituale von religiösen Gruppen gebraucht werden. Dafür gibt es feste Zeiten. Während dieser Zeit darf auch gesungen und gesprochen werden. Das Angebot an der heimischen Uni in der aktuellen Form hat durchaus Modellcharakter. Die Verantwortlichen hoffen, dass es Vorbild für andere Universitäten und Bildungs- und Kultureinrichtungen haben könnte. Die Notwendigkeit von Ruhezonen werde mittlerweile immer häufiger erkannt, heißt es.
www.uni-paderborn.de

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