Klagt nicht mehr: Beate Cassau vor ihrem Laden in der Grube, den sie nicht modernisieren kann. - © Holger Kosbab
Klagt nicht mehr: Beate Cassau vor ihrem Laden in der Grube, den sie nicht modernisieren kann. | © Holger Kosbab

Paderborn Cassau in der Paderborner Innenstadt bleibt unter Denkmalschutz

Besitzerin Beate Cassau zieht ihre Klage zurück

Holger Kosbab

Paderborn. Die Eingangstür ist kaputt beim Geschäft Cassau in der Grube. „Jeder Kunde kriegt eine Krise, wenn er sie öffnet und sie dann laut zuknallt", sagt Beate Cassau, Inhaberin des Fachbetriebs für Priesterkleidung. Doch ein einfacher Austausch oder eine normale Reparatur ist ebenso wenig möglich wie größere Änderungen im Ladeninneren: Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz – und bleibt es auch endgültig. Beate Cassau hat ihre Klage beim Verwaltungsgericht Minden zurückgezogen, mit der sie die Unterschutzstellung verhindern wollte, um das Gebäude nach ihren Wünschen umbauen zu können. Seit gut 60 Jahren werden in dem Bau mit der markanten Schaufensterfront in der Nähe des Paderborner Doms Priestergewänder genäht und verkauft. Da es im Winter mächtig kühl ist, wollte Beate Cassau die Einfachverglasungen der Fenster gegen eine Doppelverglasung austauschen. Auch etwas mehr Platz im Laden hätte sie gerne. Im September 2016 hatte Cassau daher entsprechende Umbaupläne bei der Stadt Paderborn eingereicht. Woraufhin das LWL-Denkmalpflegeamt das Gebäude zum 1. Dezember 2016 vorläufig unter Denkmalschutz gestellt hatte. Jetzt bleibt das Wohn- und Geschäftshaus Grube 13/15 mit rückwärtiger Werkstatt endgültig als Denkmal eingetragen. Federführend in diesen Fragen ist das Denkmalpflegeamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Angesichts der festgestellten Denkmalwürdigkeit des Hauses durch den LWL seien der Stadt Paderborn die Hände gebunden, sagte Paderborns Stadtdenkmalpfleger Thomas Günther mehrfach. Denkmalschutz übernimmt keine Kosten „Wir sind jetzt gefordert, Frau Cassau bei ihren Problemen, die sie mit der Fassade hat, zu unterstützen", sagte Günther. Ein Schlossermeister, mit dem er zusammenarbeite, würde sich die kaputte Tür anschauen. Zudem werde geprüft, ob man aus der Einfach- eine Doppelverglasung machen könne oder ob man von innen eine zweite Scheibe dahinter setze. Günther betonte zwar, dass Cassau jede Änderung beantragen müsse. Allerdings „könne die Stadt hier Brücken bauen". Klar sei aber auch, dass der Denkmalschutz keine etwaigen Kosten übernehme. Eine finanzielle Förderung sei aber möglich. Bereits vor sechs Wochen hatte es einen Besichtigungstermin mit Beate Cassau und ihrem Anwalt, Stadtdenkmalpfleger Günther, sowie Vertretern des LWL-Denkmalpflegeamts und des Verwaltungsgerichts Minden gegeben. Schon bei diesem Termin habe ihr der Richter deutlich gemacht, dass er „den Ausführungen des Denkmalschutzes folge", sagte Cassau. Um Geld zu sparen, riet er ihr, die Klage zurückzuziehen. Cassau verzichtete dann auch auch auf die Möglichkeit, noch eine weitere Stellungnahme abzugeben. Dabei ist Cassau doppelt betroffen: Es ist nicht nur so, dass sie selbst nicht frei umbauen kann. Auch eine spätere Verpachtung könnte schwierig werden. „Die Mieteinnahmen sind meine Rente", sagt sie. Bei Stadtführungen ist das Gebäude schon ein negatives Beispiel Es war das erste Mal überhaupt, dass Beate Cassau mit dem Gericht zu tun hatte. Als bekannt wurde, dass ihr Gebäude ein Denkmal werden soll und sie deshalb nicht modernisieren kann, wurde ihr von vielen Menschen Unverständnis gegenüber der Unterschutzstellung geäußert. Einige wollten ihr anbieten, sich etwa mit ihrer Unterschrift für sie einzusetzen. Auch die Mitglieder des Kulturausschusses des Stadtrats hatten Verständnis für die Hausbesitzerin. Doch auch ihnen waren die Hände gebunden, sie mussten die Eintragung in die Denkmalliste nur formal abnicken. Aus Sicht der Denkmalschützer ist das Gebäude Paderborns einziges Dokument der frühen Wirtschaftsgeschichte der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Lokal und Werkstatt dokumentieren demnach durch ihre zeittypische formale Gestaltung den raschen Ausbau der kirchlichen Infrastruktur in der Domstadt. Das ist eine mögliche Sicht. Eine andere Perspektive hört Cassau, wenn Stadtführungen an ihrem Geschäft vorbeikommen. „Da ist das Gebäude schon ein negatives Beispiel für Denkmalschutz."

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