Konzertvortrag als Unterrichtserfolg: Victoria Kaiser und Fabian Rose spielten das Volkslied „Auf der Mauer, auf der Lauer". - © Kreismusikschule/Kleinschnittger
Konzertvortrag als Unterrichtserfolg: Victoria Kaiser und Fabian Rose spielten das Volkslied „Auf der Mauer, auf der Lauer". | © Kreismusikschule/Kleinschnittger

Kreis Paderborn Paderborner Kreismusikschule will mehr Geld

Wartelisten: Warum wieder mehr Dozenten eingestellt werden dürfen, sich die Ausbildungsstrukturen grundlegend verändern und in Delbrück fast die Hälfte aller Unterrichtsstunden stattfindet

Karl Finke

Kreis Paderborn. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler warten zur Zeit auf einen freien Platz in der Kreismusikschule Paderborn. Die Wartezeit beträgt offiziell ein halbes Jahr bis zu zwei Jahren. Damit die Warteliste und -zeit nicht noch länger wird, sondern möglichst kürzer, haben die Verantwortlichen im Kreiskulturamt in Büren mit Erfolg für eine Aufhebung des Einstellungsstopps und der bisherigen Kostendeckelung gekämpft. Der Kreis- und Finanzausschuss hat am Montagabend eine positive Empfehlung für eine Wieder-Ausschöpfung des Personalschlüssels (12 Vollzeitstellen) gegeben. In den vergangenen Jahren war der ursprüngliche Kostendeckel von 368.000 Euro (2008) mit Verweis auf Tarifsteigerungen auf 450.000 Euro fortgeschrieben und in etwa eingehalten worden. Zukünftig will die Kreismusikschule mit einem Zuschuss von bis zu 600.000 Euro kalkulieren, wenn der Kreistag am kommenden Montag zustimmen sollte. Eltern, die ihren Kindern Unterricht an einem Instrument ermöglichen wollen, haben dazu verschiedene Möglichkeiten: bei der kommunalen Musikschule, einer privaten Schule oder Person - oder in Begleitung eines Musikvereins. Instrumental-Unterricht kostet bei der Kreismusikschule zwischen 32 und 80 Euro für 45 Minuten - je nach Zahl der beteiligten Schüler (Sozial-Ermäßigungen möglich). Bei der Städtischen Musikschule Paderborn sind die Tarife günstiger. "Für eine musikalische Ausbildung muss man mit Ausleihe des Instruments im Monat 80-100 Euro rechnen", nennt Walter Berenbrinker, Vorsitzender des Blasorchesters Hövelhof noch etwas günstigere Beträge. Offiziell werden hier für 60 Minuten Unterricht zu zweit 50 Euro im Monat berechnet. Die Gemeinde Hövelhof ist aufgrund des früheren Volksbildungswerks vor Ort als einzige Kreiskommune neben Paderborn nicht in die Kreismusikschule eingebunden. Der Nachwuchs des Blasorchesters wird für eine solide Ausbildung am Instrument möglichst an eigene Mitglieder an der Musikhochschule Detmold oder Bundeswehrmusiker vermittelt. Berenbrinker wie auch die Kreismusikschule weisen darauf hin, dass sich die Rahmenbedingungen für eine Ausbildung an einem Instrument durch die längeren Regelschulzeiten der Kinder und Jugendlichen grundlegend verändert haben. Weil Eltern und Schüler oft erst am späten Nachmittag wieder zu Hause ankommen, wird eine instrumentale Ausbildung mittlerweile in die Schulen verlagert. Die Kreismusikschule arbeitet auf diesem Weg mit Schulen als Kooperationspartnern vormittags wie nachmittags und in Form von Projekten wie "Jedem Kind ein Instrument (JeKi) zusammen. "Um Kooperationen mit Schulen kommen auch Musikvereine nicht herum", so Berenbrinker: "Das macht es für die Ehrenamtlichen und die Vereine sehr schwierig." Die mit Abstand höchste Zahl von 569 Musikschülern im Bereich der Stadt Delbrück erklärt sich für die Kreisverwaltung aus der Zahl der dort realisierten musikalischen Projekte mit Kooperationspartnern. Als größte kreisangehörige Stadt nach Paderborn trug Delbrück allerdings mit 95.000 Euro 2017 auch die größte kommunale Teilsumme, gefolgt von Büren und Salzkotten mit jeweils rund 80.000 Euro. Die Kommunalpolitiker müssen für die nächsten Jahre höhere Beträge in ihre Haushaltsplanungen einstellen, damit wieder mehr Kinder und Jugendliche eine Instrumentalausbildung absolvieren können.

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