Um sie rum, da schwirren Bienchen: Imker Thomas Rikus (2.v.r.) zeigt die Waben eines der Bienenstöcker unterhalb der Sakristei. (v.l.) Ornithologe Thomas Benkel hält zwei Gläser mit der ersten Honigernte dies Frühjahres, Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Björn Kastrup vom Bauamt des Generalvikariats freut’s. - © Birger Berbüsse
Um sie rum, da schwirren Bienchen: Imker Thomas Rikus (2.v.r.) zeigt die Waben eines der Bienenstöcker unterhalb der Sakristei. (v.l.) Ornithologe Thomas Benkel hält zwei Gläser mit der ersten Honigernte dies Frühjahres, Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Björn Kastrup vom Bauamt des Generalvikariats freut’s. | © Birger Berbüsse

Paderborn Paderborner Dom bietet Tieren ein Zuhause

Bienen und Falken haben sich bereits angesiedelt. Fledermäuse sollen demnächst folgen

Birger Berbüsse

Paderborn. „Lasset die Kindlein zu mir kommen", sagte Jesus. „Lasset die Tierlein zu mir kommen", sagt das Paderborner Domkapitel. Bienen, Falken und andere Vögel haben in der Kathedrale ein Zuhause gefunden und auch Fledermäuse sollen sich ansiedeln. Am Sichtbarsten für die Passanten sind die fünf Bienenstöcke, die rund um den Dom aufgebaut wurden. Zwei befinden sich unter der Treppe zur Sakristei am Domplatz, zwei auf dem Kapitelsfriedhof links vom Dreihasen-Fenster und ein weiteres an der Mauer der Domsingschule. Aufgestellt hat sie der Paderborner Imker Thomas Rikus, der mit seiner Idee Dompropst Monsignore Joachim Göbel schnell begeistern konnte. Nun konnten Rikus und Göbel buchstäblich die ersten Früchte dieser Zusammenarbeit ernten. Sie präsentierten bei einem Pressegespräch die Frühlingsernte des „Paderborner Domhonigs". Unter diesem Namen, so die Vorstellung der Beiden, soll das laut Rikus biozertifizierte Produkt vermarktet werden. „Wir wollen allerdings den anderen Imkern keine Konkurrenz machen", fügt Göbel hinzu. Der Honig solle stattdessen gegen eine Spende für ein soziales Projekt erworben werden können oder an die Paderborner Tafel gehen. 30 bis 40 Kilo Honig pro Bienenstock Und da könnte einiges zusammen kommen: Ein Bienenvolk schafft pro Jahr einen Ertrag von 30 bis 40 Kilogramm, sagt Rikus. Er schätzt, dass der Dom Potenzial für 25 Bienenvölker bietet. Jedes Volk besteht aus rund 50.000 Bienen. Angst brauchen die Passanten am Dom aber nicht haben, bereits nach drei Metern Flug haben die Bienen eine so hohe Flugbahn erreicht, dass niemand sie mehr bemerkt, so Rikus. Einen bestimmten Geschmack hat der Domhonig übrigens nicht, der ändere sich mit der Jahreszeit und den jeweils blühenden Blumen. Man darf aber wohl annehmen, dass in die erste Ernte so manch Nektar der Rosen nahe der Sakristei eingegangen ist. Am Standort Dom fühlten sich die Bienen wohl, weil er ein sehr gutes Mikroklima habe und die Bienenstöcke geschützt stünden. Die Dombienen sind übrigens nicht die ersten Völker in der Innenstadt, weiß Rikus. Denn die stelle für Honigbienen einen überaus interessanten Standort dar, weil sie viel erkunden können und es eine breite Vielfalt an Pflanzen gibt. Doch nicht nur Bienen, auch Falken haben am Dom ein Zuhause gefunden. Seit 15 Jahren kommt ein Turmfalken-Männchen zum Nisten an der Südseite des Turms, im „vergangenen Jahr kam ein junges Weibchen hinzu. Beide hielten sich an das biblische Wort „Seid fruchtbar und mehret euch" und zeugten vier Jungtiere. Erstmals zog 2017 auch ein Wanderfalken-Pärchen in eine der Turmnischen der Westseite ein. Für die Vögel sei der Dom einfach ein rieser Felsen, sagt der ehrenamtliche Ornithologe Thomas Benkel. „Den finden die richtig gut." Um den Tieren beste Nistbedingungen zu ermöglichen, sei bei den Baumaßnahmen am Turm besondere Rücksicht genommen worden. So wurde im Gerüst extra eine Flugnische offen gelassen, berichtet Björn Kastrup aus dem Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariats. Und die Falken, die derzeit ihr Domnest verlassen haben und in der Nachbarschaft nisten, sollen nach Abschluss der Arbeiten noch optimalere Bedingungen vorfinden. So sollen die oberen Gesimse am Domturm nicht abgedeckt werden, denn diese Vorsprünge nutzen junge Wanderfalken für erste Sprungübungen. Für sie soll auch ein Nistkasten gebaut werden, auch eine Webcam zur Beobachtung ist geplant. Rotschwänzchen hinter Marias Rücken Zu den weiteren Vögeln,die den Dom zu ihrem Zuhause gemacht haben, gehören der Mauersegler und das Rotschwänzchen, das gut behütet am Paradiesportal hinter dem Rücken der Jungfrau Maria nistete. Angesiedelt werden sollen zudem Fledermäuse, die an der Nordseite des Turms ideale Bedingung vorfinden. Für sie werden dort spezielle Öffnungen geschaffen. Für Dompropst Göbel ist der Einsatz für Tiere ein kirchlicher Auftrag: „Schon in der Bibel steht, dass wir die Schöpfung bewahren sollen." Nur bei einem Tier hört die christliche Nächstenliebe auf: Tauben sieht man am Dom überhaupt nicht gern, weil sie mit ihrem Dreck die Bausubstanz beschädigen. Da trifft es sich gut, dass Turmfalken ein Tier ganz besonders gerne fressen: Tauben.

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