André Wiersig ist Extremschwimmer und sucht immer nach neuen Herausforderungen. Nun will er die Tsugaru Strait in Japan durchschwimmen. - © A. Wiersig
André Wiersig ist Extremschwimmer und sucht immer nach neuen Herausforderungen. Nun will er die Tsugaru Strait in Japan durchschwimmen. | © A. Wiersig

Paderborn/Honshu Paderborner Extremschwimmer will die japanische Tsugaru Strait durchqueren

André Wiersig startet zu seiner fünften Etappe der Oceans Seven - er könnte der erste Deutsche sein, der die sieben Meerengen auf fünf Kontinenten durchschwimmt

Paderborn/Honshu. Zwischen dem 9. Juli und dem 13. Juli ist es soweit: Der Paderborner Extremschwimmer André Wiersig schwimmt für die Oceans Seven Challenge durch die japanische Tsugaru Strait. Der genaue Termin wird – je nach Wetterlage - in Abstimmung des Kapitäns des Begleitbootes festgelegt. Die Oceans Seven ist für Schwimmer das, was bei Bergsteigern die Seven Summits sind. Sieben Meeresengen auf fünf Kontinenten müssen durchschwommen werden. Dabei spielt die Zeit keine Rolle. Wichtig ist: der Athlet startet an Land und kommt auch an Land wieder an. André Wiersig hat bereits vier Kanäle erfolgreich durchschwommen: Ärmelkanal (2014, 9 Stunden, 43 Minuten), Kawai Channel (2015, 16 Stunden, 26 Minuten), North Channel (2016, 12 Stunden, 17 Minuten) und den Santa Catalina Channel (2017, 9 Stunden, 48 Minuten). In diesem Sommer will er nun die fünfte Etappe meistern, die bisher nur von 31 Menschen bewältigt wurde. Wenn Wiersig erfolgreich ist, wird er der erste Deutsche sein. Auf 20 Kilometern Strömungen, Strudel und Haie Die Tsugaru Strait, die zwischen den Inseln Honshu und Hokkaido liegt, ist 20 Kilometer breit. Dort trifft die Japanische See auf den Nordpazifik. In der Tsugaru Strait gibt es starke Strömungen und Strudel, die André Wiersig entweder in der Durchquerung unterstützen oder ihn einige Stunden länger im Wasser halten, wenn er gegen eine Strömung oder einen Strudel ankämpfen muss. Die Durchquerung dauert schätzungsweise zwischen neun und 15 Stunden. Zum Schutz vor Haien hat der Paderborner zwei Begleitboote dabei. Zwischen diesen wird eine unterwasserlaufende Boje gezogen, die verhindert, dass der Schwimmer als Beute von den Haien wahrgenommen wird. Ein Haikäfig ist bei der Challenge nicht erlaubt. Wiersig bezahlt an diesem Tag die örtlichen Fischer, damit diese nicht auf das Meer herausfahren, in der Hoffnung, dass diese Vorsichtsmaßnahme dazu beiträgt nicht so viele Hai anzulocken. In dem Kanal tummeln sich auch Humboldkalamare - die als Raubtiere geltenden Tintenfische haben einen Rumpf von einem Meter Länge und zehn Tentakeln, die bis zu zwei Meter lang sein können. Sie gelten als sehr aggressiv und treten in der Regel in großen Schwärmen auf. In der Regel startet Wiersig in der Dunkelheit und schwimmt durch die Nacht. Das minimiert das Risiko, von Haien gesichtet zu werden. Ihn begleitet sein Schwager Jürgen Peters in einem Kanu. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Vom Begleitboot aus, auf dem auch zwei Vertreter der Swim Association mitfahren die bestätigen, dass alles nach den Regeln abläuft, erhält Wiersig in Abständen von circa 30 Minuten über ein Netz Nahrung gereicht: eine hochkalorische, breiige Maße. „Das Schwimmen im Ozean kann man mit dem Bahnziehen in einem Schwimmbad nicht vergleichen. Hier gibt es nie einen Rhythmus, dem man sich anpassen kann. Die Wellen klatschen immer gegeneinander und da muss ich dann durch. Manchmal sehe ich sogar das Kanu nicht mehr, weil Jürgen dann grade auf einer Welle paddelt, die drei oder vier Meter über mir ist", so der zweifache Familienvater. „Wenn ich im offenen Meer schwimme, dann empfinde ich das als großes Privileg. Es ist nicht jedem vergönnt nachts im offenen Meer zu schwimmen. Ich fühle mich dem Wasser dann noch stärker verbunden. Ich personifiziere es regelrecht, spreche mit dem Meer, dem Wasser, das mich umgibt. Dieses Urgefühl empfinde ich als bedingungslose Liebe", sagt Wiersig. Und: "Ich schäme mich dafür, was wir Menschen unseren Meeren zumuten. Angefangen beim Anstieg von Co2-Emissionen, über die Belastung mit Plastikmüll, bis hin zur Versauerung der Meere. Diese Entwicklungen stimmen mich sehr nachdenklich." Verantwortung für Familie und Fulltime-Job Der 46-Jährige arbeitet als Vertriebs- und Marketingleiter für ein IT-Unternehmen in Hamburg. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wohnt er in Paderborn. „Meine Frau gibt mir die nötige Unterstützung, die ich für diese Vorhaben brauche. Sonst könnte ich das alles gar nicht schaffen", sagt er. Auch die finanzielle Herausforderung hat bisher die Familie getragen. „Die Japan-Reise kostet mit allem Drum und Dran rund 20.000 Euro, da ist es schon sehr hilfreich, wenn Unterstützung von Sponsoren kommt", so der Extremschwimmer. Mittlerweile buchen ihn Unternehmen für Motivationsvorträge für Kunden- und Mitarbeiter-Events. Diese Honorare tragen ebenfalls zur Finanzierung der Expeditionen bei.

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