Partystimmung vor der Bühne: Bereits am frühen Abend war beim Auftritt der „Giant Rooks" kaum noch ein Durchkommen möglich. Und besonders die Fans in den vorderen Reihen gingen bei der krachenden Live-Show ordentlich mit. - © Birger Berbüsse
Partystimmung vor der Bühne: Bereits am frühen Abend war beim Auftritt der „Giant Rooks" kaum noch ein Durchkommen möglich. Und besonders die Fans in den vorderen Reihen gingen bei der krachenden Live-Show ordentlich mit. | © Birger Berbüsse

Paderborn So feierte Paderborn das AStA-Sommerfestival

Knapp 14.000 Besucher kommen auf den Uni-Campus. Der gestrichene Auftritt der Gangster-Rapper bleibt ein großes Thema

Birger Berbüsse
Viktoria Bartsch

Paderborn. Die umstrittenen Gangster-Rapper „187 Strassenbande" traten zwar nicht auf, waren auf dem AStA-Sommerfestival aber dennoch allgegenwärtig. Nachdem zunächst der geplante Auftritt und dann die aufgrund von angekündigten „Störaktionen" kurzfristig erfolgte Absage für reichlich Kritik, Diskussionen und Shitstorms in sozialen Medien gesorgt hatte, war vielen „Strassenbande"-Fans der Unmut auch auf dem Festival immer noch anzumerken. „187! 187!" erschall es immer mal wieder trotzig vor den Bühnen. Zwei dieser Fans sind Johannes Krumme (22) und Justin Kriesche (25). „Zum ersten Mal seit drei Jahren hab ich mich auf den Top-Act gefreut und bin nicht nur wegen der Party gekommen", sagt Johannes Krumme. Die beiden jungen Männer seien zwar keine „Mega-Fans", würden die „187er" aber ordentlich feiern. „Wir können schon zwischen Kunst und Realität unterscheiden", verteidigen sie die Hamburger Hip-Hopper, denen unter anderem Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung vorgeworfen wurde. Ähnlich sieht das Felipe Reich. „Die Strassenbande war der Hauptgrund, warum wir her gekommen sind", sagt der 28-Jährige. Er stehe auf ihre Musik und die Texte. „Ich kann Humor und Ernsthaftigkeit sehr wohl auseinander halten", betont er die Kunstfreiheit. Jürgen Schell (33) sieht in der massiven Empörung über den Auftritt ein „Spiegelbild der Gesellschaft" und erinnert besonders an jene Fans, die sich nur wegen „187" ein Ticket gekauft hätten. „Das ist Mist." Der Ersatz-Headliner „257er", der am späten Abend auf der Hauptbühne seine bekannten Songs „Holz" und „Holland" performte, sei in Ordnung, aber eben auch nicht gleichwertig. Dass auch die „257er" neben ihren Spaß-Songs ein ziemlich unflätiges Gossen-Vokubalar ihr Eigen nennen, war im Vorfeld ihres Auftritts in Paderborn erstaunlicherweise gar nicht mehr diskutiert worden. Das Hip-Hop-Duo heizte dem Publikum ordentlich ein und stellte gleich zu Beginn ihres Auftrittes klar: "Auch wir sind Fans von 187." Es folgte vor der Hauptbühne eine ordentliche Partie mit vielen fetten Beats, greller Lichtshow und einer riesigen tanzenden Menge. "Danke schön dafür, dass ihr keine Karte von uns gekauft habt und trotzdem gekommen seid", sagten die "257ers" zum Abschied. Antifuchs teilt aus Mindestens ebenso deftig wie die im Rampenlicht stehenden Männer kann Rapperin Antifuchs austeilen. Als einzige Frau im Line-Up war ihr Song „Wie ein Mann" da schon symptomatisch. Und obwohl sie recht früh und nur auf Bühne 2 auftrat, zog sie reichlich Fans an. Denise Wille (23) zum Beispiel, die mit ihren Freundinnen eigens wegen der Füchsin gekommen war: „Das ist endlich mal ein weiblicher Rapper. Da gibt es mal was von der anderen Seite." Beim diesmal nur fast ausverkauften AStA-Sommerfestival war außer reichlich Hip-Hop aber auch sonst für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Auf vier Bühnen performten 22 Bands und DJs, deren musikalische Bandbreite dabei von Techno über Pop und Rock bis hin zu krass-lautem Metalcore reichte. Für die meisten der knapp 14.000 Festival-Besucher begann die Party an dem zwar kühlen, dafür aber sonnigen Donnerstag schon lange bevor am Nachmittag die Tore öffneten. Wer nachmittags in der Stadt unterwegs war, der erblickte scharenweise junge Menschen mit reichlich alkoholischen Getränken in der Hand. Dass nicht mehr jeder der gut 14.000 die Headliner des Abends bewusst erlebte, mag da kaum verwundern. Eindrücke des Sommerfestivals hier zum Nachlesen im NW-Liveticker:

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