Letzte Rede: Vorstandschef Jürgen Wunram trat nach der Hauptversammlung ab. Nachfolger ist Ulrich Näher. - © Wilfried Hiegemann
Letzte Rede: Vorstandschef Jürgen Wunram trat nach der Hauptversammlung ab. Nachfolger ist Ulrich Näher. | © Wilfried Hiegemann

Paderborn Aktionäre bei Diebold-Nixdorf: "Der Schwache hat den Starken übernommen"

Diebold Nixdorf AG: Die Aktionäre sorgen sich um die Zukunft des Paderborner Börsenunternehmens und fürchten eine Fremdsteuerung durch den US-Mutterkonzern

Andrea Frühauf

Paderborn. Die meisten Stühle bleiben leer. Nur 40 Aktionäre der Paderborner Diebold Nixdorf AG sind in den Schützenhof gekommen. Auf dem Podium sitzen ihnen immerhin 20 Vertreter von Vorstand und Aufsichtsrat gegenüber - und die bekommen vor allem Kritik zu hören. Den Aktionären stößt die Übernahme des Geldautomatenherstellers durch den amerikanischen Wettbewerber übel auf. Der Aktienkurs sei mit 62 Euro weit von seinem Höchststand im Jahr 2017 (74 Euro) entfernt, sagt der Aktionärsvertreter Josef Gemmeke (SdK). Beim US-Mutterkonzern Diebold Nixdorf Inc. sei die Kursentwicklung noch dramatischer. "Der Kurs ist von 20 auf zwölf Dollar gefallen." Und er konstatiert: "Man hat den Eindruck, der Schwache hat den Starken übernommen." Aktienkurs ist abgestürzt Ulrich Back (DSW) schlägt in dieselbe Kerbe, fragt kritisch: "Welche Möglichkeiten hat der Vorstand - wird er von Amerika fremdgesteuert?" Beide Aktionärsschützer stimmen später gegen Punkt acht der Tagesordnung, sprich den Verzicht auf die individualisierte Offenlegung der Vorstandsvergütung. Der Aufsichtsratschef Alexander Dibelius begründete dies zuvor mit andersartigen US-Vorschriften. Damit würde eine individualisierte Ausweisung sehr aufwendig. Doch die Aktionäre fordern mehr Transparenz für die deutsche AG. Ein Aktionär wundert sich vor allem über die massive Gehaltserhöhung. So habe Vorstandschef Jürgen Wunram statt 125.000 Euro allein im Rumpfgeschäftsjahr 2017 (Oktober bis Dezember) 535.000 Euro erhalten. Die Vorstände Ulrich Näher und Olaf Heyden hätten je 470.000 Euro statt 105.000 Euro kassiert. Ein Squeeze-out steht nicht an Wunram begründet dies damit, dass die Zielvorgaben des US-Mutterkonzerns, nach denen sich der variable Vergütungsanteil richte, im Geschäftsjahr 2016/17 "noch nicht erfüllt wurden". Dieser sei daher erst im Rumpfgeschäftsjahr ausgezahlt worden. Die variable Vergütung sei mit Wirkung zum Januar 2017 um sieben beziehungsweise um neun Prozent erhöht worden. Er betont auf Nachfragen: Ein Herausdrängen der restlichen Aktionäre (Squeeze-out) stehe nicht an, "weil der Anteilsbesitz dies nicht zulässt". Der US-Mutterkonzern hält 76 Prozent der Anteile. Wunrams Rede ist vor allem von Rückblick geprägt. Das stark rückläufige Banking-Hardware-Geschäft habe den Gesamtumsatz der AG gedrückt. Geldautomaten seien mit der Digitalisierung weniger gefragt. In Asien gebe es zudem starke Wettbewerber, sagte der scheidende Vorstandschef, dessen Nachfolger Ulrich Näher im Juni wird. Für 2018 erwartet er einen stabilen Umsatz, allerdings sei die Vergleichbarkeit der Zahlen mit dem Zusammenschluss beider Unternehmen nur eingeschränkt möglich. Auch könne die US-Mutter jederzeit Anweisungen geben und Einfluss auf die AG nehmen, so Wunram. ¦ Meinungsbörse

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