Eine brennende Kerze erinnert an die Tote: An ihren Schreibtisch bei der Deutschen Vermögensberatung in Büren kehrt Elena G. nicht mehr zurück. Hier hatte die 19-Jährige eine kaufmännische Ausbildung im Büro ihrer Tante begonnen. - © Purucker
Eine brennende Kerze erinnert an die Tote: An ihren Schreibtisch bei der Deutschen Vermögensberatung in Büren kehrt Elena G. nicht mehr zurück. Hier hatte die 19-Jährige eine kaufmännische Ausbildung im Büro ihrer Tante begonnen. | © Purucker

Paderborn Missbrauch von Amphetaminen: Ecstasy-Konsum steigt deutlich

Tod nach Techno-Party: Was die Jugend- und Drogenberatungsstelle (DROBS) in Paderborn zum Missbrauch von Amphetaminen vor allem unter Studierenden sagt

Karl Finke

Paderborn. Der Tod der 19-jährigen Elena G. aus Büren nach einer Techno-Party in Köln mit Spuren von Amphetaminen in ihrem Blut ist ein seltener tragischer Fall. Der Konsum von Ecstasy allerdings sei „in den letzten Jahren deutlich angestiegen", sagt Dominik Neugebauer, Leiter der Jugend- und Beratungsstelle (DROBS) in Paderborn. Diese kennt Gründe, warum besonders junge Leute das Aufputschmittel einsetzen, und dort werden auch die Risiken von so genannten K.o.-Tropfen eingeordnet. Die Bürener Familie hält es für möglich, dass der Tochter und Nichte andere Personen Drogen in ein Getränk gemischt haben könnten. Die Staatsanwaltschaft prüft ein denkbares Fremdschulden. Als „Liquid Ecstasy" (GHB) werden K.o.-Tropfen gern bezeichnet. „In einem Cocktail schmeckt man die Inhaltsstoffe nicht", erklärt DROBS-Leiter Neugebauer die Problematik. Das ursprüngliche Narkosemittel würde für einen „totalen Blackout" sorgen. Die Betroffenen könnten nicht mehr nachvollziehen, was während einer gewissen Zeitspanne passiert sei. Daher würden die Tropfen auch mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht, so Neugebauer weiter. Bei vermuteten Fällen dieser Art wird die DROBS-Abteilung der Caritas allerdings nur „ganz vereinzelt" in Anspruch genommen. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass ein Nachweis des Stoffes schwierig sei. Ecstasy an dritter Stelle Zur illegalen Droge Ecstasy ist die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 2017 dagegen mehr als 50-mal von Hilfesuchenden über 18 Jahren aufgesucht worden. Bei Jugendlichen würden die Amphetamine, zu denen Ecstasy zählt, hinter Cannabis und Alkohol an dritter Stelle der Drogen rangieren. Neugebauer spricht bezüglich des Amphetamin-Konsums von einem „deutlichen Anstieg in den letzten Jahren". Der Leiter der Drogenberatungsstelle sieht dafür zwei äußerliche Gründe: „Die Pillen kriegt man relativ leicht und sie sind nicht so teuer wie Kokain." Ein innerer Grund zielt auf die erhoffte Steigerung der Leistungsfähigkeit. Neugebauer ordnet den vermehrten Ecstasy-Konsum vor allem „im Bereich der Studierenden" ein. Diese würden Risiken oft unterschätzen. Wer die Droge über längere Zeit konsumiere, „mutet seinem Körper oft mehr zu als der verträgt". Als körperliche Folgen bei längerem Ecstasy-Konsum nennt Neugebauer „schlechte Zähne". Größere Gefahren sieht er in der psychischen Abhängigkeit: „Die Leute fallen danach in ein Loch und wollen das Glücksgefühl gern neu gewinnen." Über ein weiteres Risiko seien sich vor allem Gelegenheits-Konsumenten von Ecstasy kaum im Klaren. „Die zweite Pille sieht vielleicht genau so aus, aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass der gleiche Inhalt drin ist." Wenn die Wirkung einer ersten Pille sich verzögere, werde auch gern mal eine weitere eingeworfen – mit dieser summiere sich die Wirkung unberechenbar.

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