Paderborn Kabarettistinnen machen in Paderborn Männer zur Frauensache

Gerburg Jahnke und ihre Gästinnen in der Paderhalle zeigen, wie sie die Herren sehen und was sie über sie denken. Klar wird aber auch, dass es ohne Männer nicht geht

Holger Kosbab

Paderborn. Wer als Mann zu Gerburg Jahnke und ihren Gästinnen geht, der weiß was ihn erwartet. Wer trotzdem lacht, und das dürfte auch bei den Herren eine beachtliche Zahl gewesen sein, der nimmt’s mit Humor oder nickt manche Dinge nur innerlich ab und denkt: So isses! Oder: So könnt’s werden! Bekommen die Männer zur Halbzeit des Kabarett-Festivals „Paderborn macht ernst mit lustig" doch präzise seziert widergespiegelt, was Frau sieht, erlebt und was in ihrem Kopf passiert. Nicht nur Thorsten in der ersten Reihe der Paderhalle muss hören, dass seine weibliche Begleitung eigentlich seine Betreuerin ist, die ihn nur nicht allein zuhause lassen kann, weil er dann Quatsch machen würden und keine Versicherung für entstandene Schäden zahle. Schließlich hätten die Frau ihre Aufsichtspflicht verletzt. Damit sind die Fronten an diesem Abend klar. Jüngliche Hänflinge sind für Jahnke Hähnchen, die isst sie nicht. Und bei joggenden Herren älteren Kalibers denke sie sich: Trainiert der noch oder stirbst der schon? Gegenüber Rotwein, bei dem sie nie einen Abgang erlebe, seien Männer leichter zu verkosten. Beides solle atmen, Männer würden jedoch durch langes Liegen nicht besser. Dennoch könne sie sich vorstellen, auch nach ihrer Bühnenkarriere weiterhin in Mann zu machen. Als Betreiberin einer Mäta, einer Männertagesstätte. Hinterher pfeifen ist frauenfeindlich, es zu lassen aber auch Ohne Männer geht’s auch nicht, wie Lioba Albus in Sauerland-Intonation und mit ihrer Sicht auf die Mehtoh-Debatte (MeToo) klar stellt. Pfeift ein Bauarbeiter einer Frau hinterher sei das schon fast sexuelle Nötigung. Genauso frauenfeindlich sei es aber, wenn die Pfiffe irgendwann ausbleiben. Sexuelle Übergriffe seien vor allem Chefsache, meint Albus. Und im Kampf gegen Antänzer rät sie zur Bockwurst in der Hose einer Frau: Seien doch die meisten Männer, die Frauen auf diese Weise bedrängten, homophob. Von den Parallelen zwischen Gehirn und Darm liest Bühnenliteratin Sarah Bosetti und landet nicht nur beim Klugscheißen. Dann hält sie ein Plädoyer für mehr Dankbarkeit und Applaus. Sie fragt, warum es keinen Beifall gibt fürs Atmen oder wenn man beim Bäcker Brötchen bekommt. Auch fürs Richtigverliebtsein biete sich Zustimmung an. Übrigens sollten Bikinis am besten im Winter getragen werden, dann sei alles erstarrt und in Form. Weibliche Körperselbstkritik gibt’s auch von Gastgeberin Jahnke: Körperformende Unterwäsche sorge beim Anziehen für einen Push-up-Effekt, beim Ausziehen zeige sich dann das Push-down-Gegenteil, da das Fleisch raus wolle. Aus Pierre Gilbert wird Perschelbär Mut und Ängsten widmet sich Sarah Hakenberg. Nun kennt jeder Aulophobie und Arachibutyrophobie, die Ängste vor Flöten und am Gaumen kleben bleibender Erdnussbutter. Folgenschwerer seien jedoch jene, die etwa die Angst vor Islamisierung oder Fremdenfeindlichkeit schüren. Die müssten dann aber auch mit einem wie Markus Söder leben. Anderen werde ein falscher Vorname wie Perschelbär zur Last, zumindest wenn das Kind eigentlich Pierre Gilbert heißt. Sich selbst am Klavier begleitend, leidet auch Hakenberg: an ihrem Sohn, der Schalke-Fan ist als Folge zu geringen Elterneinflusses. Und damit Paderborner es verstehen können: Wenn der Sohn Bielefeld-Fan ist! Für all dies und ihre Abschlussnummer über die fünf Standard-Bewegungen der Schlager-Interpreten, eine prächtige Parodie, gibt’s den größten Einzelapplaus. Ihr sei aber keinesfalls Mut zu attestieren, dass sie auf die Bühne gehe. Dieser Drang sei bloß ein Gendefekt. Zuletzt entführen die Zucchini Sistaz stilvoll und musikalisch in swingende Zeiten. Mit Egon besingen sie einen Mann, der es nicht hinkriegt, seiner Liebsten einen Heiratsantrag zu machen, während in der Halle alle „Ja!" rufen. Wenig originell war dann die x-te Coverversion von Grönemeyers „Männer" – trotz der klanglich-minimalistischen und eigenwilligen Interpretation.

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