Gute Laune vorm Rathaus: (v.l.) Landrat Manfred Müller, Michaela Lindner, Kim Pochalla, Christian Duczek, Josefine Ernstberger, Oliver Schneider, Janine Klöpping, stellvertretender Bürgermeister Dietrich Honervogt, Moderatorin Antje Huismann und Rapper Ferdi Cebi. - © Flüter
Gute Laune vorm Rathaus: (v.l.) Landrat Manfred Müller, Michaela Lindner, Kim Pochalla, Christian Duczek, Josefine Ernstberger, Oliver Schneider, Janine Klöpping, stellvertretender Bürgermeister Dietrich Honervogt, Moderatorin Antje Huismann und Rapper Ferdi Cebi. | © Flüter

Paderborn Pflegekräfte demonstrieren für ihren Stellenwert in der Gesellschaft

Kundgebung mit Autokorso: Warum die Pflegekräfte heraus wollen aus dem Jammertal. 96-Jährige klettert aufs Podest und entfacht einen großen Jubel

Karl-Martin Flüter

Paderborn. Die Pflegekräfte aus dem Kreis Paderborn haben am Samstag in der Paderborner Innenstadt für ihren Beruf geworben. Mit einem Autokorso und während einer Kundgebung vor dem Rathaus betonten sie die Bedeutung der Pflege für die gesamte Gesellschaft. In diesem Jahr wurde am "Tag der Pflege" ein gewachsenes Selbstbewusstsein der Pflegenden deutlich. Vor dem Rathaus berichteten Pflegekräfte, warum sie ihren Beruf gerne ausüben. Sie unterhielten Unterstützung von prominenter Seite. Landrat Manfred Müller betonte die Bedeutung der Pflege für das soziale Leben im Kreis. Pflege sei ein Beruf, der nah an den Menschen sei, einen sicheren Arbeitsplatz und gute Aufstiegschancen biete. Der Landrat ist Schirmherr einer Imagekampagne, mit der die Wohlfahrtsverbände für Pflege und Pflegeberufe werben. Vorm Rathaus löste der Landrat seine Aufgabe so gut, dass Moderatorin Antje Huismann lobte: Einen besseren Werbefachmann für die Pflege werde man so schnell nicht finden. Von so viel Enthusiasmus ließ sich Dietrich Honervogt, der stellvertretende Paderborner Bürgermeister, anstecken. Die Pflegekräfte seien so wichtig für Paderborn, dass auch für sie eine vergleichbar große Bühne hätte errichtet werden müssen wie für den SC Paderborn. 200 Teilnehmer an der Kundgebung Das war ein beeindruckendes Kompliment, denn die Veranstaltung fand am Samstagmittag auf dem großen Podest statt, auf dem wenige Stunden später die SCP-Kicker den Aufstieg feiern sollten. Dank Antje Huismann störte das für die etwa 200 Teilnehmer der Kundgebung doch etwas groß geratene Ambiente nicht. Die Kabarettistin brachte eine große Portion Spontanietät und den liebenswerten Tanten-Charme ihrer Kunstfigur Else Mögesie mit. Dass eine Kabarettistin den Tag der Pflege moderierte, war symptomatisch. Schon zuvor hatten Vertreter der Pflege im Kreis mitgeteilt, man wolle weg von der "Jammerkultur". Entsprechend klangen die Statements der Pflegemitarbeiter. Kim Pochalla, Auszubildende in der Diakoniestation St. Johannnisstift, sieht die große Attraktivität des Pflegeberufs auf dem Arbeitsmarkt. Janine Klöpping, Pflegeazubi im Caritasverband Paderborn, lobt die Vielseitigkeit der Pflege und die emotionale Nähe: "Es kommt etwas zurück. Ich gehe nach der Arbeit immer mit einem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause." Die große Verantwortung in seinem Beruf findet Oliver Schneider, Krankenpfleger im St. Johannisstift, als bereichernd. Und Christian Duczek, stellvertretender Pflegedienstleiter im Clemens-von-August-Haus in Delbrück, baut trotz des herrschenden Mangels an Pflegekräften auf die Zukunft: "Es gibt viel Potential. Jetzt kommt es nur darauf an, dass die Politik reagiert." Die gesamte Gesellschaft sei gefordert Die Probleme der Gegenwart können Pflegekräfte nicht alleine lösen. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert. Gemeinsamkeit und mehr Verständnis für die Pflege forderte Rapper Ferdi Cebi, selbst Altenpfleger im St. Johannisstift, mit dessen Songs die Kundgebung begann und endete. Aufmerksamkeit erregten auch die 53 Pkw von Pflegekräften, die in einem Autokorso zwei Mal um die Innenstadt fuhren. Am besten aber brachte es wohl die älteste Teilnehmerin der Veranstaltung auf den Punkt. Josefine Ernstberger wird von der Caritas zu Hause versorgt. Am Samstag klettere die 96-Jährige kurzentschlossen auf die Bühne und rief unter großem Jubel ihren Zuhörern zu: "Ihr seid alle wunderbar."

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