Wollen Internet-Banker werden: Roman Herzog (v. l.), Philipp Austrup, Victor Meyer und Laurenz Rath sind dabei, ihre eigenen Kryptowährung "RIM" zu etablieren. - © Hans-Hermann Igges
Wollen Internet-Banker werden: Roman Herzog (v. l.), Philipp Austrup, Victor Meyer und Laurenz Rath sind dabei, ihre eigenen Kryptowährung "RIM" zu etablieren. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner Studenten erfinden Krypto-Geld neu

Weil die Kurse von Bitcoin & Co. stark schwanken, gelten die digitalen Zahlungsmittel als hoch spekulativ. Dagegen setzen vier Studenten ihre eigene Investitionsstrategie

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Von Bitcoin haben wohl viele schon gehört. Die Kryptowährung, mit der man inzwischen nicht nur im Internet, sondern gelegentlich auch an realen Orten zahlen kann, hat es (nicht zuletzt wegen immenser Kurschwankungen) zu großer Bekanntheit gebracht. Das fordert Nacheiferer heraus. Vielleicht steht demnächst auch "RIM Crypto" eine Erfolgsgeschichte bevor. Darauf hoffen jedenfalls ihre Erfinder, vier Paderborner Studenten der Wirtschaftsingenieurwissenschaften bzw. Wirtschaftswissenschaften. "RIM" steht für "Reinvestment in market". Philipp Austrup, Roman Herzog, Laurenz Rath und Victor Meyer glauben, damit den Schlüssel für den Erfolg gefunden zu haben: Sie wollen Gewinne aus Kurssteigerungen gezielt dazu benutzen, den Kurs des neuen Kryptogeldes zu stützen, falls er über ein Limit hinaus fallen sollte. Umgekehrt soll das Geld aus automatischen Verkäufen bei überproportionalen Kurssteigerungen einerseits in den Geldpool für solche Transaktionen, aber auch in ganz herkömmliche, konservative Börsentitel fließen. Roman Herzog sagt: "Wir wollen übergroße Schwankungen ausmerzen und so Stabilität und damit Vertrauen in die Währung erreichen." Dafür haben sie ein Computerprogramm ausgetüftelt, das selbstständig auf Marktschwankungen reagiert. Dabei treten die vier als Monopolisten auf: Sie kontrollieren den Markt ihrer Kryptowährung allein. Studenten wollen Geld über Crowdfounding auftreiben Doch zunächst muss überhaupt erst einmal ein Markt entstehen. Dazu wollen die vier Paderborner bis zum Jahresende über die einschlägigen Krypto-Foren im Internet und sonstige Kontakte eine Million Euro per Crowdfunding auftreiben. Das heißt, so Philipp Austrup: Sollte das Geld nicht binnen der fest gesetzten Frist komplett vorhanden sein, bekommen alle Anleger ihre Euro komplett zurück. Falls aber - und davon sind die vier überzeugt - die Million zusammen kommt, gilt: Ein sogenannter Token, also eine virtuelle Münze in RIM, wird zum Markstart genau einen Euro wert sein. Danach soll sich das Spiel der Kräfte entfalten. Anfangs rechnen ihre Schöpfer mit einem Kursrückgang, weil viele der Token-Zeichner vermutlich schnelle Gewinne einfahren, die dadurch entstehen, dass frühe Investitionen rabattiert werden. Danach rechnen sie allerdings mit einem dauerhaften Aufwärtstrend. Doch mit dem neuen Geld soll nicht nur (in Maßen) spekuliert werden, man soll sich damit auch etwas kaufen können. Deshalb wollen die Paderborner Studenten, die momentan noch an ihren Studienabschlüssen sitzen, auch eine Plattform ins Leben rufen, auf welcher der Handel von Konsumgütern mit RIM ermöglicht wird. Und auch eine App ist in der Planung: Sie soll den Investoren einen einfachen und mobilen Zugang zu ihrer digitalen Brieftasche, genannt "wallet", ermöglichen. Denn: An- und Verkauf der virtuellen Währung durch reales Geld soll jederzeit möglich sein. Zuversicht, dass dieses Projekt klappt Ob's klappt? Die Studenten sind zuversichtlich. "Sie haben bis jetzt zumindest eines richtig gemacht", sagt Artus Krohn-Grimberghe. Der Wirtschaftsinformatiker ist Junior-Professor an der Universität Paderborn und Experte für "Analytische Informationssysteme und Business Intelligence". Als solcher hat er schon gelegentlich über Kryptowährungen veröffentlicht. Er sagt: "Es ist richtig von ihnen, sich noch vor dem Start Fachexpertise zu holen." So bekam nicht nur der Professor selbst, sondern auch die Start-Up-Schmiede der Universität Paderborn, Garage 33, Besuch von den vier Krypto-Bankern in spe. Unter dem Strich ist Krohn-Grimberghe jedoch noch nicht überzeugt von dem Modell. "Wenn das so einfach wäre, hätten es sicher andere auf anderen Märkten auch schon versucht", meint er. Und fügt hinzu: "Aber vielleicht klappt es ja doch."

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