Paderborn Glück bringen: Erwin Grosche trifft Schornsteinfeger Olaf Meiners

Padersönlichkeiten – Geschichten aus der Nachbarschaft (14): Olaf Meiners gewinnt seinem Beruf viele schöne Seiten ab

Paderborn. Es ist wieder kalt geworden in Paderborn. Wir sind mit Schornsteinfegermeister Olaf Meiners verabredet, uns um 16 Uhr 30 zu treffen. Eine ungewöhnliche Zeit, wenn man auf Kuchen und Kaffee hofft. Wie verwöhnt man denn um diese späte Uhrzeit? Ich schaue in den Himmel. Wie friedlich Paderborn auf diesen Winterrückschlag reagiert. Die Schornsteine qualmen auf den Dächern, und an den Fenstern stehen Kinder, die mir zuwinken. Meine Fotografin Juliane Befeld wartet schon auf mich. Sie hat einen Kursus über die Hintergrundgestaltung in der Porträtfotografie hinter sich und will ihre neuen Erkenntnisse einbringen. Olaf Meiners wohnt mit seiner Freundin Ewa auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Kilian, wo 16 Reihenhäuser entstanden sind. Hier kennt man seinen Nachbarn, und wenn einer grillt, bekommen alle eine Wurst. Nach dem Gang durch den Schneematsch empfängt uns im Hause des Schornsteinfegers ein Kaminofen, der wärmt und traulich leuchtet. Ich bin beruhigt, dass die Reinigung seines Rauchgasweges von einem Fachmann vorgenommen wurde. Das Rauchrohr muss in der dafür vorgesehenen Reinigungsöffnung mit einer flexiblen Rohrbürste gereinigt werden, sonst zieht nichts ab. Olaf Meiners trägt keinen Zylinder Ich schaue meine Fotografin Juliane Befeld an, die auf den gedeckten Tisch zeigt, auf dem Apfelkuchen- und Bananenkuchen auf uns warten. „Ich suche für Herrn Meiners einen passenden Hintergrund, der sein Leben erklärt", flüstert sie mir zu. Die beiden Kuchen locken mit einer gewissen Schlichtheit. Sie wollen beim Schmecken entdeckt werden und passen gut zur fortgeschrittenen Tageszeit. Zwischen Kaffeezeit und Abendbrot verwöhnt man den Gast mit einem Kuchen, der nicht zu süß ist und schon mit einer gewissen Sachlichkeit zum Abend überleitet. Apfel und Banane sind auch die klassischen Beigaben einer Schornsteinfeger-Vesper. Ein kleiner Dackel schläft vor dem Kaminofen und freut sich, dass heute bei der Kälte die Hundeschule ausgefallen ist. Olaf Meiners trägt keinen Zylinder, obwohl er als Schornsteinfegermeister dazu berechtigt wäre. Die Auszubildenden schützen ihren Kopf mit einem Käppi und die Meister tragen einen Zylinder. So will es der Brauch. Neben dem Zylinder tragen die Schornsteinfegermänner und Frauen einen schwarzen Kehranzug. Dazu gehört der sogenannte Koller. Das ist eine kragenlose Jacke mit goldfarbenem Knopfbesatz. Auch die Schnalle des breiten, schwarzen Gürtels, der über der Jacke getragen wird, ist von goldener Farbe. Manchmal trägt Olaf Meiners bei der Arbeit ein weißes Tuch vor seinem Mund, damit er keinen Ruß und Staub einatmet. Auf dem weißen Tuch ist ein Bild des Schutzpatrons der Schornsteinfeger, der heilige Florian, gestickt. Eigentlich wollte er Polizist werden Olaf Meiners stammt aus einer Bademeisterfamilie. Er lernte schwimmen im ehemaligen Hallenbad in Willebadessen, welches auch in Paderborn bekannt war, da die Bahnen dort eine Länge von 33 1/3 Metern hatten, anstatt auf die üblichen Bahnlängen von 25 Metern oder 50 Metern zu vertrauen. „Ich wollte eigentlich Polizist werden, aber eine Sehschwäche zwang mich zum umdenken", vertraut mir Olaf Meiners an. Unsere Padersönlichkeit macht eine Pause, isst vom Apfelkuchen und schiebt sich die langen Haare hinter die Ohren. Juliane Befeld und ich probieren den Bananenkuchen. Meine Fotografin schaut mich strahlend an. Ich kann inzwischen erkennen, wenn ihr ein Kuchen schmeckt. Olaf Meiners entschied sich damals Schornsteinfeger zu werden, auch weil es zwei große Leiterfabriken in Willebadessen gab. Ein Schornsteinfeger sollte schwindelfrei sein und immer eine Leiter in der Nähe haben. Olaf Meiners liebt seinen Beruf. Der freundliche Umgang mit Menschen passt zu ihm und erhellt sein Herz. Ich bezweifle, ob er diese Fähigkeit auch als Polizist hätte ausleben können. „Wenn er kehren muss, kommt er richtig schwarz nach Hause", sagt seine Freundin Ewa. „Früher hatte er immer ein schwarzes Gesicht und rußige Hände gehabt, da hat er aber noch mehr im ländlichen Bereich gearbeitet." Olaf Meiners lacht. „Am besten geht man zwischendurch mal in die Schwimmoper. Der Chlor sorgt dafür, dass man den Rußgeruch losbekommt." Schornsteinfeger sind nie allein Das Schornsteinfegerhandwerk hat wie viele andere Berufe Nachwuchssorgen, dabei kann man dem Handwerksberuf mit seinen vielfältigen Aufgaben so viele schöne Seiten abgewinnen. Schornsteinfeger sind nie allein. Überall auf der Straße versucht man sie zu berühren und steckt ihnen kleine Geschenke zu, die sie unter ihrem Zylinder lagern. Ein Schornsteinfeger bringt Glück und vielleicht ist es diese Gabe, mit der sich viele Jugendliche überfordert fühlen, gerade wenn sie aus der Gothic-Szene stammen. Olaf Meiners bringt als Schornsteinfeger nicht nur das Glück ins Haus, er hat auch in dem Beruf sein Glück gefunden. Im fünften Jahr ist er schon der Vorsitzende der Schornsteinfeger-Innung Paderborn. „Mein Vater war auch Schwimmmeister-Vorsitzender. Das hätte ihn gefreut", sagt Olaf Meiners. Es gibt 26 Kehrbezirke im ganzen Kreisgebiet Paderborn (11 davon allein in der Stadt Paderborn) und die werden betreut von 26 Schornsteinfegerbetrieben mit 25 Mitarbeitern. „Einer für alle, alle für einen", der Leitspruch des Handwerks, verbunden mit der Tradition als Glücksbringer, macht diesen Beruf so liebenswert. Die Schornsteinfeger haben sogar einen Erkennungspfiff, mit dem sie sich von Dach zu Dach begrüßen und austauschen können. Die alten Schornsteinfeger konnten sich auf diese Weise die Spielergebnisse des SC Paderborn 07 vermitteln. Einmal pfeifen und ein trauriges Gesicht machen hieß dann: Paderborn hat 1:0 verloren. Viermal pfeifen und dabei lachen bedeutet immer einen Sieg in dieser Höhe. Und dann ist da der richtige Hintergrund Besonders wichtig ist Olaf Meiners die „Glückstour". Seit dem Jahr 2006 findet sie jährlich statt. 30 Schornsteinfeger radeln jedes Jahr eine Woche durch Deutschland und sammeln Spenden für krebskranke Kinder. (Näheres unter: www.glueckstour.de) Das Logo der Glückstour, ein Herz, entwarf der Paderborner Künstler Herman Reichold und schenkte es den Schornsteinfegern zur weiteren Verwendung. Olaf Meiners ruht in sich. Er hat so vieles gefunden, auf das er sich freuen kann. Wie sagte schon Albert Schweitzer: „Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt." Ich frage seine Freundin Ewa, die gerade auf dem Boden hockt und dem kleinen Dackel den Bauch krault, wie es für sie gewesen war, als sich ihr Freund als Schornsteinfeger outete. Ewa lacht, schaut aus dem Fenster und sagt: „Das ist mein erster Schornsteinfeger und ich denke, auch mein letzter." Ich sehe noch wie Juliane Befeld gerade in diesem Augenblick ein Foto macht und diesen wunderbaren Satz mit Hintergrund festhält.

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