Paderborn-Elsen Gitte Haenning singt in Paderborn jede Menge Klassiker

Jazz und Swing: Im Gepäck hat die Sängerin vier Begleitmusiker, 160 Fans und jede Menge Klassiker

Dietmar Gröbing

Paderborn-Elsen. Exakt zwölf Jahre ist es her, dass Gitte Haenning Paderborner Boden unter den Füßen hatte. Anno 2006 gastierte sie mit den Kolleginnen Wencke Myhre und Siw Malmkvist in der Paderhalle. Am Freitag besuchte Gitte das Elsener Bürgerhaus. Im Gepäck hatte sie eine vierköpfige Begleitband. Das war Grund genug für 160 Fans, den westlichen Paderborner Vorort anzusteuern. Einige Sympathisanten der Dänin hatten eine weite Anfahrt auf sich genommen, wovon die Autokennzeichen kündeten. So reisten Anhänger aus Mainz beziehungsweise Hannover nach Paderborn. Alles wegen Gitte. Ob sich die Passage gelohnt hat? Kommt auf die Erwartungshaltung an. Sanftmütiges Liebeslied Wer Gitte Haennings alten Hits im angestammten Stil hören wollte, muss enttäuscht gewesen sein, reicht der 71-Jährigen doch schon lange kein (Schlager-)Cowboy mehr als Mann. Denn Gitte ist inzwischen eine "Redneck Woman" und bevorzugt den englischen Country-Zungenschlag. "I Wanna Be a Cowboy's Sweetheart", verkündete die blonde Sängerin und schickte zur Bekräftigung ihrer Absichten einen kapitalen Jodler hinterher. Das muss man sich erstmal trauen. Genau wie den folgenden radikalen Stimmungswechsel, der weg vom burschikosen "Ich will alles"-Tonfall und hin zum sanftmütigen Liebeslied führt. Für Gitte kein Widerspruch, setzt sie doch als nächstes einen unvergessenen Liedermacher jüngerer Vergangenheit auf die Zitatenliste. Auftritt: Rio Reiser. Lässig und mit jazz-ähnlichem Einschlag interpretiert Gitte Haenning Reisers "Für immer und dich". Ebenfalls zitiert wird Udo Lindenberg, dessen "Club der Millionäre" bei Gitte wie eine Anklage gegen den Neo-Kapitalismus neuester Prägung klingt. Gitte am Puls der Zeit. Gitte ganz unverstellt. Kein Zweifel: Gitte ist ganz bei sich, ist "All by Myself". Dennoch ist die Show weit davon entfernt, ein Egotrip zu sein. Der Titel "Meine Freunde, meine Helden", mit dem die Skandinavierin nach langer Zeit mal wieder Solopfade beschreitet, verrät den Hommagen-Charakter des zweistündigen Programms. Das präsentiert des weiteren den Rampenlicht-Standard "There's No Business Like Show Business" von Irving Berlin. Judy Garland ist ebenfalls zugegen, wie Gitte anhand von "I Can't Give You Anything But Love" beweist. Nichts anderes als eine Liebeserklärung ist zudem Nina Simones "Go to Hell". Selbst, wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt. Liebe und Hass wohnen von jeher Tür an Tür. Einfach mal klingeln. Und warten, was passiert. Wer Glück hat, dem öffnet Bob Dylan die Tür. Für Gitte hält er sie weit offen. Und das, obwohl sie keine Antwort auf die drängendste aller Fragen hat. Wie auch, verflüchtigt sich die Antwort doch im Elsener Abendwind ("Blowin? in the Wind"). Zu guter Letzt verbeugt sich Gitte Haenning und nimmt den lang anhaltenden Applaus des Publikums in Empfang. 120 Minuten hat sie alles gegeben: "All of Me". Und noch ein bisschen mehr.

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