Im Kreis Paderborn ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr deutlich gesunken. - © picture alliance / dpa Themendienst
Im Kreis Paderborn ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr deutlich gesunken. | © picture alliance / dpa Themendienst

Paderborn Statistik 2017: Weniger Straftaten im Kreis Paderborn

Die Gesamtkriminalität sank um 10 Prozent. Vor allem Einbrüche gingen im vergangenen Jahr deutlich zurück. Jede zweite Straftat wurde aufgeklärt

Birger Berbüsse

Kreis Paderborn. Nach dem negativen Rekordhoch 2016 mit 20.502 Straftaten lieferte die polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr deutlich erfreulichere Zahlen: Die Gesamtkriminalität im Kreis Paderborn sank demnach um 10,6 Prozent auf 18.322. Gleichzeitig stieg auch die Aufklärungsquote auf 56,8 Prozent, womit sie klar über dem NRW-Landesdurchschnitt von 52,3 Prozent liegt. Landrat Manfred Müller als Chef der Kreispolizeibehörde und Alfons Schäfers, Leiter der Direktion Kriminalität, sprachen bei der Vorstellung der Zahlen angesichts von Rückgängen in fast allen Bereichen von „sehr guten Zahlen". Am stärksten sanken die Zahlen laut Kreispolizei in den Bereichen Fahrraddiebstahl (1.186; minus 28,8 Prozent) und Diebstahl aus Boden- und Kellerräumen (314; minus 32,7 Prozent). Deutlich zurück ging auch die Zahl der Wohnungseinbrüche auf 390 (minus 20,5 Prozent) und Taschendiebstähle auf 372 (minus 23 Prozent). Dies sei ein Behördenschwerpunkt gewesen, sagte Landrat Müller, schließlich treffe es die Menschen besonders, weil Diebstähle sehr ins private Leben eingriffen. "Intensive Präventionsarbeit" Die Zahlen wertet er als „großen Erfolg", der auf mehrere Gründe zurück zu führen ist. Da sei in erster Linie die Ermittlungsarbeit zu nennen. So liegt die Reduzierung der Einbrüche laut Polizei unter anderem daran, dass mehrere landesweite Tätergruppen festgenommen werden konnten. Dies sei besonders den Kooperationen über Kreis- und Landesgrenzen hinweg zu verdanken. Ein zweiter Grund sei die „intensive Präventionsarbeit" der Polizei. Müller verweist auf die Aktionswoche „Riegel vor", die Fortführung der Aktion „Mach die Lampe an" sowie technische Beratungen und Infostände. Die hatten offenbar Erfolg, schließlich blieben 44 Prozent aller Einbrüche im Versuch stecken, weil etwa die Fenster entsprechend gesichert waren. Auch aufmerksame Nachbarn würden helfen, Einbrüche zu verhindern. Zur Statistik gehört jedoch auch, dass die Aufklärungsquote bei Einbrüchen von 24 auf 23 Prozent gesunken ist, also nicht mal jeder vierte Fall gelöst wird. Im Verhältnis zum Landesschnitt von 16,7 Prozent ist die Quote aber verhältnismäßig hoch. Mit einem Anteil von 36,7 Prozent bleiben die Diebstahlsdelikte unangefochten die größte Gruppe in der Gesamtkriminalität des Kreises Paderborn. Straßenkriminalität auf Fünf-Jahres-Tief Ebenfalls zurück gingen die sogenannten Rohheitsdelikte. Sie sanken um 10 Prozent auf 2.413 Fälle. Davon waren 1.687 Körperverletzungsdelikte und 138 Raubdelikte. Die Straßenkriminalität hat mit 4.115 Fällen den niedrigsten Wert der vergangenen fünf Jahre (minus 16,5 Prozent), auch bei den Sachbeschädigungen verzeichnete die Polizei gut 100 Fälle weniger (1.640). Im Bereich der Sexualdelikte wurden mit 187 Fällen 20 weniger als im Vorjahr registriert. Dass der Wert damit aber immer noch deutlich über dem von 2015 liegt (124 Delikte), führt die Polizei sowohl auf eine Verschärfung des Sexualstrafrechts als auch auf die erhöhte Sensibilisierung durch die Kölner Silvesternacht zurück. Dafür beträgt die Aufklärungsquote 78 Prozent. Einziges Tötungsdelikt in der Jahresbilanz ist der Fall des 58-Jährigen Mannes aus Sande, der im Sommer seiner 80-jährigen Schwiegermutter die Kehle durchschnitt, wofür er kürzlich zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Es gab acht versuchte Tötungen, die alle aufgeklärt wurden. Mehr Rauschgiftdelikte und zwei Drogentote Eine Zunahme der Delikte registrierte die Polizei 2017 im Bereich Rauschgift. Die 935 Fälle bedeuten ein Plus von 2,9 Prozent. Vor vier Jahren waren es noch 738 Fälle gewesen, von 2015 auf 2016 stieg die Zahl dann von 792 auf 909. Drei Viertel der letztjährigen Delikte wurden im Paderborner Stadtgebiet begangen. Es gab zwei Drogentote. Parallel zu den Straftaten ging entsprechend auch die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen zurück, und zwar von 8.560 auf 8.254. Kriminalität bleibt männlich: Genau ein Viertel aller Tatverdächtigen (2.095) waren Frauen, was eine minimale Zunahme bedeutet. Beim Anteil von Tatverdächtigen unter 21 Jahren setzte sich der sinkende Trend der vergangenen Jahre fort: Er macht nur noch 24 Prozent aus. Einen leichten Anstieg gab es dafür bei jugendlichen Verdächtigen unter Alkoholeinfluss. Ansonsten fiel die Zahl der Taten in Verbindung mit Alkohol von 983 auf 821. 4.862 aller Tatverdächtigen waren Deutsche (minus 4,6 Prozent) und 3.392 Nichtdeutsche (minus 2 Prozent). Zwar stieg damit der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger leicht von 40,4 auf 41,1 Prozent. In der Statistik werden aber auch die Verstöße gegen Aufenthalts- und Asylgesetze erfasst. Dass diese Zahl um 775 Fälle auf 1.172 geradezu explodierte, erklärt die Polizei mit der Unterbringungseinrichtung in Büren. Denn diese Fälle werden statistisch mit „Tatort Büren" erfasst, obwohl die Betroffenen aus dem ganzen Bundesgebiet stammen. Deshalb stiegen dort auch die Fallzahlen um ein Drittel, während sie in Hövelhof um den gleichen Werte sanken. Dort war Staumühle geschlossen worden. In allen weiteren Städten und Gemeinden gingen die Straftaten zurück.

realisiert durch evolver group