Vor dem Paderborner Landgericht musste sich ein 33-jähriger Mann wegen Drogenhandels verantworten. - © picture alliance / dpa
Vor dem Paderborner Landgericht musste sich ein 33-jähriger Mann wegen Drogenhandels verantworten. | © picture alliance / dpa

Drogenhandel: 33-Jähriger zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt

Fred N. war ein kleines Licht in einer Bande von Drogenhändlern. Als er in seinem Prozess vor Gericht auspackt, findet die 5. Große Strafkammer zu einem milden Urteil

Jutta Steinmetz

Paderborn. Für kriminelle Gemeinschaften gilt die Gesetzmäßigkeit, dass die kleinsten Lichter das größte Risiko tragen. So war es auch im Fall von Fred N. (alle Namen geändert). Er fungierte in einer Paderborner Dealerbande als sogenannter Bunkerhalter, bewahrte also unter seinem Dach reichlich viele Drogen auf. Das Entdeckungsrisiko war folglich gewaltig. Tatsächlich wurde der 33-Jährige im Sommer 2017 geschnappt – und am Donnerstag nach drei Prozesstagen vor dem Paderborner Landgericht zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Dass es in der Behausung des Paderborners unweit der Kernstadt nicht mit rechten Dingen zuging, fiel zuerst seiner Nachbarin auf. Nicht nur der aufdringliche Marihuanageruch, der sich im ganzen Haus verbreitete, sondern vor allem die zahlreichen Besucher, die stets nur kurz verweilten, erschienen der Frau verdächtig. Im Sommer vergangenen Jahres wandte sie sich an die Polizei, die dann rasch bei Fred N. auf der Matte stand. Telefonüberwachung und Observation Über 1,3 Kilo Amphetamin, rund 800 Gramm Koffein und verdächtige Namenlisten entdeckten die Fahnder, die damals ohnehin einer äußerst umtriebigen Dealerbande auf der Spur gewesen waren und unter Berücksichtigung diverser Ergebnisse aus Telefonüberwachungen und Observationen schon zu einigen Erkenntnissen gekommen waren. Fred N. machte vor Gericht reinen Tisch und klärte gründlich auf – darüber, dass er seine Wohnung zur Aufbewahrung der Drogen, aber auch zum Zusammenrühren der Amphetamine zur Verfügung gestellt hatte, dass der 31-jährige Dennis B. Kopf der Bande gewesen sei, dass ein anderer Paderborner vor allem als Fahrer fungiert habe und dass in der telefonisch geführten Kommunikation ein Code zur Verschleierung verwendet worden sei. Er gestand auch ein, kleine Mengen der Rauschmittel selbst weiterverkauft und dabei zumindest eine Zeit lang eine Gaspistole in Griffweite gehabt zu haben. „Dieses Geständnis ist außergewöhnlich hoch zu bewerten und extrem strafmildernd", bilanzierte der Vorsitzende Richter Eric Schülke. Und so fand die 5. Große Strafkammer mit fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis zu einem vergleichsweise milden Urteil, obschon Fred N. fünf Mal jeweils mindestens ein bis fünf Kilo Amphetamine in seiner Wohnung gelagert hatte. Beträchtliche Mengen, für die der Gesetzgeber pro Fall eine Mindeststrafe von fünf Jahren vorsieht. Zweite Chance bekommen Dass das Gericht das Geständnis von Fred N. merklich honorierte, „ist eine deutliche Ansage", erklärte Schülke. Denn schließlich muss sich zurzeit auch Dennis B., der mutmaßliche Kopf der Bande, vor Gericht verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat er seit 2011 im großen Stil mit Drogen gehandelt. Dennis B., der bei Observationen niemals selbst mit Rauschmitteln erwischt worden ist, schweigt, so dass den Aussagen seiner mutmaßlichen Helfershelfer ein wichtiger Stellenwert zukommen dürfte. Fred N. soll übrigens nach Willen des Gerichts eine zweite Chance bekommen. Der 33-Jährige, der bislang noch niemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, soll nach zehn Monaten Haft in einer Entziehungsanstalt wechseln, um dort etwas gegen seine Leidenschaft für Amphetamine und Marihuana zu tun.

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