Sie kennen sich aus mit Gründungen: (v. l.) Heike Süß und Maria Reimer (Gründungsberaterinnen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn/WFG), Rüdiger Matisz (Geschäftsführer Agentur für Arbeit Paderborn), Frank Wolters (Geschäftsführer WFG) sowie die beiden Existenzgründer Jürgen Liedmeier und Monika Palka. - © Holger Kosbab
Sie kennen sich aus mit Gründungen: (v. l.) Heike Süß und Maria Reimer (Gründungsberaterinnen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn/WFG), Rüdiger Matisz (Geschäftsführer Agentur für Arbeit Paderborn), Frank Wolters (Geschäftsführer WFG) sowie die beiden Existenzgründer Jürgen Liedmeier und Monika Palka. | © Holger Kosbab

Paderborn 90 bis 140 Firmengründungen pro Jahr in Paderborn

1.000. Existenzgründungsgespräch: Das Angebot der Wirtschaftsförderung bei der Agentur für Arbeit wird regelmäßig genutzt.

Holger Kosbab

Paderborn. Seit zwei Jahren leitet Monika Palka das kleine Kosmetikstudio Moyamoni an der Von-Ketteler-Straße in Elsen. Die Umsätze steigen und Palka ist "sehr zufrieden". Ihr Weg in die Selbstständigkeit führte über die Existenzgründungsberatung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn (WFG) in der Agentur für Arbeit. Mittlerweile gab es hier die 1.000. Beratung. Zeit, um Bilanz zu ziehen - mit Anbietern und zwei Erfolgsgeschichten. Bereits in Polen und Osnabrück hatte Palka (41) kleine Nagelstudios. Dann zog sie vor viereinhalb Jahren nach Paderborn und arbeitete wieder als Angestellte. Doch sie merkte, dass es das nicht mehr war und sie nicht mehr alles machen konnte. Also ging sie zur Gründungsberatung, erstellte einen Plan, bekam schließlich einen Gründungskredit der KfW-Bank und legte los. Knapp zehn Termine gibt es bei der Gründerberatung pro Jahr, zu denen je acht bis zwölf Interessierte kommen. Beraterin Maria Reimer sieht das seit gut zwölf Jahren bestehende niederschwellige Angebot als "Hilfe zur Selbsthilfe". Die, die sich selbstständig machen wollen, sollen informiert und unterstützt werden. Reimer und ihre Kollegin Heike Süß beraten vielfältig und in unterschiedlichen Phasen. "Das reicht von der ersten Idee bis zum fertigen Business-Plan", sagt Süß. In der Regel gebe es ein dickes Info-Paket, dann würden drängendste Fragen geklärt. Das Angebot der WFG bei der Agentur ist eins von drei Startercentern in Paderborn. Die anderen gibt es bei der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer. Selbstständigkeit als Alternative "Bei Arbeitslosigkeit gibt es zwei Möglichkeiten", sagt Rüdiger Matisz, Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn. Entweder man finde eine neue Anstellung oder mache sich selbstständig. Für viele Kunden sei "die Selbstständigkeit eine attraktive Alternative zur abhängigen Beschäftigung", sagt Matisz. Von 799 Personen, die im Bereich der Paderborner Agentur im Januar wieder Arbeit gefunden hätten, seien elf in die Selbstständigkeit gegangen. Pro Jahr wagen 90 bis 140 Personen den Schritt in die Selbstständigkeit (2017:144). Von der Agentur erhalten sie einen Gründungszuschuss und gegebenenfalls weitere Förderungen. Mit der Beratung durch die Wirtschaftsförderung im Haus sei es "gelebte Synergie", sagt Matisz. Für WFG-Geschäftsführer Frank Wolters ist die Beratung "ein Erfolgsmodell, das fortgeschrieben werden sollte". Dies wollten beide Partner, Agentur für Arbeit und WFG. Denn es sei nicht so, dass sich die WFG nur um große Unternehmen kümmere, wie er stellenweise als Kritik höre. Genaue Zahlen darüber, wie viele Gründungsinteressierte tatsächlich auch durchstarten, gibt es nicht. Fakt ist nur, dass es in Paderborn 2017 1.400 Gewerbeanmeldungen gab, 65 Prozent begannen die Selbstständigkeit im Nebenerwerb. Mit der Gründerquote liege Paderborn laut WFG in OWL im oberen Mittelfeld. Nische im Markt suchen Jürgen Liedmeier machte sich vor knapp sieben Jahren mit einer Kfz-Werkstatt selbstständig. Bis dahin war der 51-Jährige lange in der Industrie tätig, unter anderem 19 Jahre im Maschinenbau für Bäckereibedarf. Daneben betrieb er ab 1995 einen Kfz-Teile-Handel. Als die Handelskette von der Werkstatt-Kette Pitstop gekauft wurde, bekam er den Zuschlag für die Paderborner Filiale. Im Juni 2016 kündigte er den Franchise-Vertrag mit Pitstop, die Werkstatt heißt seitdem Autoprofi Liedmeier. Für viele ist der Weg ins Unternehmertum ein kurzer. Jede dritte Gründung wird innerhalb von drei Jahren wieder abgemeldet, 50 Prozent nach fünf Jahren. Besonders hoch sind die Abmeldungen im Bereich der Gastronomie, niedrig im Bereich Industrie. Wer am Markt bestehen will, der muss Entwicklungen mitmachen und Nischen suchen. Durch den Abzug der Britischen Armee verliert Jürgen Liedmeier nach eigener Aussage ein Viertel seiner Kunden. Um dies aufzufangen, betreibt er zusätzlich das KS Autoglas-Zentrum. Monika Palka plant, Ende des Jahres in größere Räumlichkeiten zu ziehen, um auch Lomi-Massagen anzubieten. Für zusätzliche Angebote will sie auch Mitarbeiter einstellen. "Man muss sich abheben", sagt sie.

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