Paderborn Kinderhospiz in Paderborn sucht junge und männliche Helfer

Verein sucht Ehrenamtliche, die lebensverkürzend erkrankte Kinder und deren Familien begleiten

Sabine Kauke

Paderborn. Am 10. Februar 1990 gründeten sechs Familien den Deutschen Kinderhospizverein. Heute, 28 Jahre später, gibt es bundesweit 11 stationäre Kinderhospize und 24 ambulante Dienste. Einer davon ist der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter, der aktuell 21 lebensverkürzend erkrankte Kinder begleitet. Auch in Paderborn wird der "Tag der Kinderhospizarbeit" an diesem Samstag dafür genutzt, um den Verein noch bekannter zu machen. Um ideelle und finanzielle Unterstützer zu finden und um das Thema Sterben und Tod zu enttabuisieren. Informiert wird aber auch, um weitere Menschen zu gewinnen, die schwer kranke Kinder, ihre Geschwister und Eltern ehrenamtlich begleiten. 53 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit für den Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter - doch es könnten noch mehr sein. Begleitet werden 21 Kinder im Alter von anderthalb bis 20 Jahren. Regelmäßig besuchen die freiwilligen Helfer die Kinder und Jugendlichen zu Hause, hören zu, unternehmen etwas mit ihnen oder beschäftigen sich mit den Geschwistern. So wie Lisa Nolte. Geschwister kommen oft zu kurz Die 26-jährige Studentin gehört zu den Youngstern unter den Ehrenamtlichen, die alle vor ihrem ersten Einsatz einen 90-stündigen Befähigungskurs absolvieren. Seit kurzem geht die junge Frau einmal pro Woche nachmittags mit einem Jungen, der zwei schwer kranke Geschwister hat, zum Schwimmen. "Kinder liegen mir sehr am Herzen. Vor allem denjenigen, denen es nicht so gut geht wie mir als Kind, möchte ich Gutes tun und ihnen meine Zeit schenken. Gerade Geschwister von kranken Kindern kommen oft zu kurz und haben besondere Bedürfnisse", sagt die angehende Grundschullehrerin. "Das könnte ich nicht", haben ihre Kommilitoninnen gesagt, als sie von Lisas Einsatz hörten. "Doch ich erlebe so viel Schönes bei dieser Aufgabe, sie gibt mir sehr viel. Zum einen ist es nicht so, dass man nur mit dem Thema Tod konfrontiert wird. Zum anderen habe ich durch die Auseinandersetzung mit Ängsten und der eigenen Endlichkeit sehr viel auch über mich selbst gelernt", berichtet die Studentin. Stefan Rotthoff, voll berufstätig und Vater von zwei erwachsenen Söhnen, gehört unter den Ehrenamtlichen des Vereins ebenfalls zu einer Minderheit: nur zehn Prozent sind Männer. Als Stefan Rotthoff letztes Jahr von diesem Mangel in der Zeitung las, machte er sich auf zum Informationsabend. "Ich hatte ohnehin schon länger vor, mich ehrenamtlich zu engagieren." Seit vergangenem Sommer begleitet der 50-Jährige nun einen 18-jährigen Jungen, der aufgrund einer Stoffwechselerkrankung inzwischen weder laufen noch sprechen kann. "Jeden zweiten Samstag schiebe ich den Jungen im Rollstuhl durch die Landschaft und versuche, ihm ein bisschen Abwechslung zu bieten", sagt Stefan Rotthoff. Dabei bekommt er seinen Kopf frei vom Alltagsstress. Eltern im Alltag unterstützen "Wie kannst Du Kinder begleiten, die sterben werden?", fragen ihn seine Freunde. "Wir begleiten in der Regel ja nicht im Sterbeprozess", antwortet Stefan Rotthoff dann. "Ich kann die Eltern im Alltag unterstützen, ihnen kleine Auszeiten geben, mal abends spontan einspringen. Gerade diese Familie braucht Unterstützung. " Roswitha Schopohl vom Kinderhospizdienst wünscht sich mehr männliches Engagement für den Verein. Nicht nur, weil Männer mehr Muskeln zum Heben haben. "Männer gehen einfach anders mit Kindern um", lacht sie.Und in Familien mit alleinerziehenden Müttern fehle den Kindern oft die männliche Seite. "Auch mehr junge Interessenten für dieses Ehrenamt wären prima", findet Roswitha Schopohl. "Für Kinder und Jugendliche ist es einfach toll, wenn sie von jungen Menschen begleitet werden". Manchmal ist die Begleitung nur kurz, weil ein Kind verstirbt. Oft dauert sie auch über viele Jahre an und Freundschaften wachsen. Wie viel Zeit ein Ehrenamtlicher investieren kann oder will, bestimmt jeder selbst. "Wir versuchen", so Roswitha Schopohl, "einmal pro Woche in einer Familie zu sein." Dabei entscheiden die Eltern eines krankes Kindes, für welchen Einsatz ein Begleiter gebraucht wird.

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