Ein Paderborner steht wegen Drogenhandel vor Gericht. - © picture alliance / dpa
Ein Paderborner steht wegen Drogenhandel vor Gericht. | © picture alliance / dpa

Paderborn Prozess: Drogen mit Handmixer zu Hause zusammengerührt

Landgericht: Angeklagter klärt über Geheimsprache der Dealer auf

Jutta Steinmetz

Paderborn. „Bring zwei Döner runter" oder „Wann trifft Peter ein", lauten Sätze, die harmlos klingen. In einer Gruppe von Drogendealern waren sie aber Codes in Handygesprächen, um möglichen Abhörmaßnahmen zu entgehen. Doch diese Vorsichtsmaßnahme nützte nichts. Die Bande ging den Fahndern trotzdem ins Netz. Seit Januar müssen sich drei Männer in unterschiedlichen Verfahren vor dem Paderborner Landgericht verantworten. Am Donnerstag fand vor der 2. Großen Strafkammer der zweite Verhandlungstag gegen Fred N. (alle Namen geändert) statt, den dieser nutzte, um ein wenig zur weiteren Aufklärung beizutragen. Der 33-Jährige war dank der guten Nase seiner Nachbarin ins Visier der Drogenfahndung geraten. Ihr war der Marihuanageruch, der aus der Wohnung von Fred N. drang, ebenso aufgefallen wie seine vielen Besucher. Vor Gericht stand Fred N. zur Anklage, betonte aber, ein nur kleines Licht gewesen zu sein. Er habe nur Anweisungen befolgt. Drogen wurde aufbewahrt und hergestellt Eine Einlassung, die am Donnerstag ein Drogenfahnder bestätigte. Dennis B., der sich zurzeit vor der 1. Großen Strafkammer verantworten muss, sei der Kopf der Gruppe, während Fred N. der so genannte „Bunkerhalter" gewesen sei, sagte der Beamte. In dessen Wohnung seien die Drogen aufbewahrt, aber auch hergestellt worden. Nach seiner Überzeugung, aber auch nach Schilderungen von Fred N. wurden dort diverse Rohstoffe wie unter anderem Schwefelsäure, Methanol und Koffein zu Amphetaminpaste zusammengerührt – mit einem handelsüblichen Mixer. Ebenso freimütig erzählte Fred N., dass Dennis B. bei Telefonaten stets darauf bestanden habe, die ausgemachte „Geheimsprache" zu verwenden. Wenn er das vergessen und offen die Wörtchen „Marihuana" oder „Amphetamin" verwendet habe, statt von „Hassan" oder „Peter" zu sprechen, dann sei Dennis B. ärgerlich geworden, berichtete der Angeklagte und erklärte, dass mit „Pizza" und „Döner" diverse Mengeneinheiten der Drogen bezeichnet wurden. Inwieweit diese Bereitschaft zur Aufklärung Einfluss auf das Strafmaß hat, wird sich am kommenden Donnerstag herausstellen. Dann wollen die Richter ihr Urteil fällen.

realisiert durch evolver group